Vor der WM offenbart das DEB-Team gegen die USA Konzentrationsschwächen. Bundestrainer Cortina vermisst die Geradlinigkeit.

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Vom DEB-Team berichtet Patrick Mayer

Nürnberg - "Wir waren nicht bereit!"

Eishockey-Nationalspieler Leon Draisaitl brachte es nach der Niederlage gegen die Amerikaner (BERICHT: USA überrumpeln DEB-Team) auf den Punkt.

Deutschland kam zweimal nicht aus der Kabine. Das genügte dem Gegner für drei Tore, das reichte zur Pleite.

Es ist einfach wie klar: Die Auswahl von Bundestrainer Pat Cortina darf sich bei der WM in Weißrussland (ab Freitag LIVE im TV auf SPORT1) in keinem Spiel eine Auszeit leisten, ansonsten bleibt das Ziel Viertelfinale ein Luftschloss.

Neben zwischenzeitlichen Blackouts bereitet dem Coach das Powerplay gehörig Sorgen. Gegen die USA blieben vier Überzahl-Situationen ungenutzt.

Ohne Boyle und Goc

Am Mittwoch hob die Maschine mit den deutschen Cracks an Bord von Nürnberg aus nach Minsk ab. Nicht mehr dabei sind Daryl Boyle und Nikolai Goc, der sich im Test gegen die Amerikaner eine Verletzung am Kehlkopf zuzog (News).

Bundestrainer Pat Cortina hat sein Aufgebot ( 885712 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader ) beisammen - und ein Thema, das er schleunigst angehen wird.

Fehlende Disziplin

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw würde das deutsche Manko vor dem Auftakt gegen Kasachstan am Samstag (ab 11.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im TICKER) so umschreiben: "Wir brauchen högschde Konzendration!"

Offenbar sind Cortina und Löw Brüder im Geiste. Doch der Eishockey-Fachmann legt noch eine Schippe drauf.

Alexander Barta schilderte im Gespräch mit SPORT1, was Cortina in Teamsitzungen bisher bemängelt habe.

"Dass wir nicht über mehrere Spiele über 60 Minuten unser Spielsystem durchgezogen haben, nicht unserer Disziplin treu blieben, die wir brauchen, die Team Deutschland braucht", meinte der 31-Jährige, der in Minsk seine achte Weltmeisterschaft bestreiten wird.

Immer ein schwaches Drittel

Barta ähnelt in dem Fall Draisaitl. Sie reden nicht drum herum im DEB-Team. Denn schon im ersten Test gegen Russland fiel auf: Die Deutschen gönnen sich Auszeiten auf dem Eis.

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"Oft haben wir ein Drittel drin, in dem es nicht gut läuft, in dem wir viele Fehler machen und nicht so diszipliniert sind. Das darf bei einer WM nicht passieren", sagte der Münchner. "Wir zeigen zwar immer Charakter. Aber manchmal ist es dann schon zu spät, um ein Spiel noch zu drehen."

Unkonzentriertheiten. Hätte Cortina die Möglichkeit, bei der Wahl zum Unwort des Jahres mitzumachen, der Kanadier müsste nicht lange überlegen.

Barta geht ins Details und nennt Schwächephasen: "Wenn das Stellungsspiel nicht passt, wenn man die Scheibe in ungünstigen Momenten verliert. Das wird bei einer WM eiskalt bestraft."

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Zu kompliziert

Und dann gibt es da noch etwas, was dem besonnenen Typen Cortina gar nicht schmeckt. Sein Team versucht es immer wieder kompliziert, obwohl es auch einfach geht.

"Wir haben in Überzahl die Scheibe nicht zum Tor gebracht, nicht genug geschossen. Und dann haben wir noch Abschlusschancen liegen gelassen, das können wir uns nicht leisten", sagte er in Nürnberg auf Nachfrage von SPORT1.

Seine Mannschaft habe gegen die USA angefangen zu spekulieren, anstatt den Kampf anzunehmen und permanent dagegenzuhalten. "Das ist kein deutsches Eishockey, sondern gefährlich", meinte er.

Schießen statt passen

Eishockey-Tiki-Taka statt wohl durchdachte Haudrauf-Mentalität. Diese Schwäche offenbarten die Deutschen vor allem im Überzahlspiel.

"Wir haben gute Ideen, wollen es aber zu kompliziert, immer den schönen Pass spielen. Das muss raus", erzählte Barta.

Die Vorgabe sei zwar zu schießen, wenn der Schuss da sei. "Wir suchen aber weiter unseren guten alten Kumpel und wollen ihm das Ding auflegen. Wir müssen den einfachen Weg gehen."

Stürmer Felix Schütz ärgerte sich darüber, dass er beim Powerplay die Pässe "ins Nirgendwo gehauen" habe.

"Wir müssen mehr Selbstbewusstsein haben, ruhiger sein. Dann kann auch mal was reingehen", sagte der 26-Jährige.

Schwächen auf dem Schirm

Sie haben ihre Problemzonen auf dem Schirm - immerhin. Jetzt gilt es sie zu beheben. Nach Kasachstan wartet Lettland (So., 12.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Vier Plätze sind in der deutschen Gruppe fürs Viertelfinale zu vergeben. In der Vergangenheit war Deutschland immer wieder für Ausrutscher gut - sowohl nach oben mit Siegen gegen Top-Nationen, aber auch nach unten mit Niederlagen gegen vermeintlich schwächere Gegner.

"Der Start ist immer das Wichtigste", meinte Schütz. So sind sie eben die DEB-Cracks - sie bringen es auf den Punkt.

Vielleicht ja auch ihr 60-Minuten-Problem.

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