Tobias Rieder (l.) und Deutschland verlieren vor der WM gegen die USA mit 1:3 © getty

Deutschland verliert den abschließenden Test vor der WM gegen die USA. Blackouts und ein schwaches Powerplay kosten den Sieg.

Vom DEB-Team berichtet Patrick Mayer

Nürnberg - Deutschland kommt gegen die Top-Teams nicht aus der Kabine.

Die Eishockey-Nationalmannschaft hat den letzten Test vor der Weltmeisterschaft in Weißrussland (ab Freitag, 9. Mai LIVE im TV auf SPORT1) gegen die USA mit 1:3 (0:2, 1:1, 0:0) verloren.

Tyler Johnson (5. Minute/21.) und Johnny Gaudreau (6.) trafen jeweils zu Drittelbeginn vor 6.300 Zuschauern in der Nürnberger Arena für die Amerikaner.

Sinan Akdag erzielte das Tor für Deutschland (35.). Es war die 60. Niederlage im 96. Duell mit den USA.

Veränderter erster Block

Bundestrainer Pat Cortina begann mit einem wieder mal veränderten ersten Block: Constantin Braun und Torsten Ankert bildeten das Verteidigerpaar, Felix Schütz, Alexander Barta und der Nürnberger Lokalmatador Yasin Ehliz die Sturmreihe.

Zwischen den Pfosten stand Rob Zepp. Ein Signal: Offenbar wird der Berliner auch zum Start der WM erster Goalie sein.

Der 32-Jährige und seine DEB-Kollegen sahen sich geballter NHL-Power gegenüber: Jacob Trouba (Winnipeg Jets), Danny DeKeyser (Detroit Red Wings), Craig Smith (Nashville Predators), Tyler Johnson (Tampa Bay Lightning) und Brock Nelson (New York Islanders) bildeten den ersten Block der USA.

USA mit drei Bronzemedaillengewinner

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Headcoach Peter Laviolette hatte insgesamt drei Bronzemedaillengewinner aus dem Vorjahr mit dabei.

Und die machten mächtig Druck in der deutschen Zone. Das DEB-Team tat sich schwer, dagegenzuhalten.

Blue-Liner Ankert hatte die erste Chance, als sein Schuss aus der Distanz knapp neben das Tor strich. Schütz scheiterte im Nachsetzen (3. Minute).

Zepp patzt

Dann schlugen die Amerikaner gnadenlos zu - zweimal. Die Deutschen leisteten sich einen Turnover, Johnson sagte "danke" und zog aus spitzem Winkel unvermittelt ab. Zepp patzte gehörig - der Puck fuhr zwischen Goalie und Pfosten ins Netz.

Team Deutschland hatte einen völligen Blackout. Nur 14 Sekunden später überrumpelten Jeff Petry und Gaudreau die Abwehr.

Der 20 Jahre alte Gaudreau von den Calgary Flames nutzte die kurzzeitige Orientierungslosigkeit erbarmungslos. Nach sechs Minuten stand es 0:2 in Nürnberg.

Powerplay krankt

Doch Deutschland blieb dran. Schütz hielt nur eine Minute nach dem Doppelschlag den Schläger hin - die Scheibe rauschte Zentimeter über die Latte.

Deutschland versuchte es von der blauen Linie. Yannic Seidenberger legte für Justin Krueger ab, doch es fehlten wenige Zentimeter.

Es war mehr drin im ersten Drittel. Die Deutschen hatten mehrfach Überzahl. Aber das Powerplay krankte. Ein Manko, das das DEB-Team bis nach Minsk begleiten dürfte. Sekunden vor der Drittelpause verpasste Ehliz die Scheibe frei vor dem Tor.

Nur 14 Sekunden

Wie man's besser macht, zeigte das Team USA eindrucksvoll. Nach dem Seitenwechsel dauerte es ganze 14 Sekunden, ehe der Puck schon wieder im Tornetz war.

Smith und Nelson machten das Spiel schnell, Deutschland konnte nicht Schritt halten, Zepp war wohl noch in der Kabine und wieder schlug Johnson eiskalt zu.

Team USA verschärfte das Tempo. Die NHL-Profis skateten überragend, zeigten, was es heißt, den Drive mit der Scheibe verinnerlicht zu haben.

Deutschland will mehr

Zepp zumindest war nun besser im Spiel. Gegen Johnson brachte er erstmals die Ecke zu und gegen Colin McDonald die Schulter hoch (28.).

Den Drive hatten auch die Fans in der Arena. Die Kurve stimmte zur Laola-Welle an und ein strippender Anhänger riss sich zu den Klängen von James Browns' "I feel good" das T-Shirt vom Leib.

Das heizte offenbar den deutschen Cracks ein. Akdag (INTERVIEW: "Ziel ist das Viertelfinale, natürlich") verkürzte. Ehliz und Schütz zeigten endlich mal ein passsicheres Kombinationsspiel und der 24-Jährige zog ohne lange zu überlegen ab. Deutschland wollte mehr.

Grubauer für Zepp

Cortina schickte fürs Schlussdrittel den 22 Jahre alten Nordamerika-Crack Philipp Grubauer für Zepp zwischen die Pfosten. Vorne sorgte Thomas Oppenheimer für Alarm.

Der Hamburger scheiterte zweimal an US-Goalie Connor Hellebuyck, AHL-Profi Marcel Noebels im Nachschuss.

Doch wieder zeigten die Deutschen ein ganz schwaches Powerplay. Die Fans sangen "Schießen, einfach schießen!", es half nichts.

Trotz zuvor starker Leistungen gegen Russland und die Schweiz (BERICHT: Deutsche mit Deja-vu zur WM-Form) - es bleibt noch viel zu tun bis zum WM-Auftakt gegen Kasachstan am Samstag (ab 11.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im TICKER).

STENOGRAMM:

Deutschland - USA 1:3 (0:2, 1:1, 0:0)

Deutschland:Zepp (Eisbären Berlin) (ab 41. Grubauer/Washington Capitals) - Ankert (Kölner Haie), Constantin Braun (Eisbären Berlin); Reul (Adler Mannheim), Moritz Müller (Kölner Haie); Boyle (Augsburger Panther), Goc (Adler Mannheim); Krueger (SC Bern), Akdag (Krefeld Pinguine) - Schütz (Admiral Wladiwostok/KHL), Alexander Barta (Red Bull München), Ehliz (Nürnberg Ice Tigers); Noebels (Adirondack Phantoms/AHL), Weiß (Kölner Haie), Oppenheimer (Hamburg Freezers); Yannic Seidenberg (Red Bull München), Kink (Adler Mannheim), Pietta (Krefeld Pinguine); Plachta (Adler Mannheim), Draisaitl (Prince Albert Raiders/WHL), Rieder (Portland Pirates/AHL); Kahun (Sudbury Wolves/OHL)Trainer: Cortina

USA: Leggio (34. Hellebuyck) - DeKeyser, Trouba; McCabe, Jones; Gardiner, Petry; Donavan, Murphy - Neslon, Johnson, Smith; Gaudreau, Stapleton, Wingels; Abdelkader, Trocheck, McDonald; Mueller, Kevin Hayze, Jimmy Hayze; Shore; MieleTrainer: Laviolette

Tore: 0:1 Johnson (4:48), 0:2 Gaudreau (5:02), 0:3 Johnson (20:14), 1:3 Akdag (34:41)

Schiedsrichter: Jablukov/Bauer (Berlin/Nürnberg)

Zuschauer: 6300

Strafminuten: Deutschland 4 - 8

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