Sinan Akdag (M.) spielt ab der kommenden Saison für die Adler Mannheim. ZUM DURCHKLICKEN: Der deutsche WM-Kader © imago

Sinan Akdag sprach mit SPORT1 über Verteidigen am Limit, schweißtreibende Stunden mit dem Gymnastikband und das Ziel für die WM.

Vom DEB-Team berichtet Patrick Mayer

München/Nürnberg - Sinan Akdag ist einer, der für Schlagzeilen sorgt.

Vor genau zwei Jahren wurde er zum ersten Nationalspieler mit türkischer Herkunft. Im Fußball ist das längst nichts Außergewöhnliches mehr. Doch im Eishockey gab es das zuvor noch nie.

So bekam er schnell den Beinamen "Eishockey-Özil". Die Politik machte aus dem heute 24-jährigen Rosenheimer ein Musterbeispiel für Integration.

Doch den Verteidiger selbst interessiert das nicht sonderlich - er möchte Eishockey spielen. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Der Sohn türkischer Einwanderer hat seine Ziele stets im Blick. So verkündete er Mitten in den Playoffs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seinen Wechsel von den Krefeld Pinguinen zu den Adler Mannheim.

Im Nationalteam ist er eine Bank. Bundestrainer Pat Cortina wird bei der WM in Weißrussland (ab Freitag LIVE im TV bei SPORT1) auf ihn setzen ( 885712 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader ).

Mit SPORT1 sprach Akdag über Verteidigen am Limit (BERICHT: Verteidigen ist die deutsche Identität), schweißtreibende Stunden mit dem Gymnastikband und das Ziel für die Weltmeisterschaft.

SPORT1: Herr Akdag, Wochen der Vorbereitung liegen hinter Ihnen. Wie fühlen Sie sich?

Sinan Akdag: Ich fühle mich gut. Es war eine gute Vorbereitung. Wir haben hinten gut gestanden und vorne unsere Chancen genutzt. Es sieht gut aus, die Mannschaft spielt super. Noch ein Testspiel, dann geht's los.

SPORT1: Sie haben Russland geschlagen, die Schweizer vor allem physisch dominiert. Sind die Deutschen fitter als die anderen Teams?

Akdag: Das waren gute Tests, mehr nicht. Das darf man nicht zu hoch bewerten. Erst bei der WM geht's los, das ist dann die entscheidende Phase. Wir arbeiten hart, sind vorbereitet.

SPORT1: Sie sprechen von harter Arbeit: Wie ist der Tagesablauf in der Vorbereitung?

Akdag: Wir kommen morgens ins Stadion, haben extra einen Fitnesstrainer. Mit diesem machen wir viele Übungen. Schnellkraft, Eistraining, Mittagessen, abends nochmal Fitnesstraining, nochmal aufs Eis, dann Ruhe.

SPORT1: Schnellkraft heißt?

Akdag: Wir machen viel mit den Gymnastikbändern. Krafttraining machen wir auch, aber mit wenig Gewicht, nicht explosiv und nicht zu lange. Wir bauen keine Muskeln auf. Es geht um Schnellkraft. So sieht's aus.

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SPORT1: Der Bundestrainer lobt Sie enorm.

Akdag: Das ist nett von ihm. Ich habs's gar nicht mitbekommen. Ich bin jetzt 24, habe viele DEL-Spiele bestritten. Man lernt mit jedem Spiel dazu. Ich bin viel ruhiger, weiß, was ich kann, mache mir keine Gedanken oder Druck.

SPORT1: Er muss Gründe haben. Was sind Ihre Stärken auf dem Eis?

Akdag: Wenn ich den Puck habe, will ich was damit machen. Ich bin läuferisch ganz gut, die Technik stimmt. Wichtig ist, dass man was mit dem Puck anfangen möchte.

SPORT1: Sie waren bisher Teil des vierten Blocks - der enorm überzeugt hat.

Akdag: Wir haben noch keine festen Reihen und müssen uns noch finden. Jeder will sich zeigen. Wir hatten zwei junge Spieler (Leon Draisaitl und Tobias Rieder Anmerk. d. Red.) mit drin. Sie fügen sich sehr gut ein, geben Gas und zeigen sich. Egal, wer spielt: Jede Reihe hat ihre Aufgabe, vor allem hart zu arbeiten.

SPORT1: Sie sprechen es an: Die Youngster überzeugen vollauf.

Akdag: Wir sagen ihnen nicht, wie sie zu spielen haben, sondern lassen ihnen Freiheiten. Schließlich haben wir ein gutes System. Wir stehen hinten dicht. Dann können die Stürmer vorne kreativ sein.

SPORT1: Doch der Bundestrainer legt viel Wert auf die Defensive - auf blocken, schieben, checken?

Akdag: Nein, es geht darum, mit dem Puck viel zu laufen und den einfachen Pass nach vorne zu spielen, sich immer zu bewegen und anspielbereit zu sein?

SPORT1: ?man versucht immer eine Überzahl zu schaffen?

Akdag: ?richtig, der dritte Mann bleibt immer hoch, damit wir beim Konter des Gegners immer einen hinten stehen haben. Der ist dann immer gefährlich, wenn wir den Puck haben, weil er im Gegenzug schießen kann. Das ist unser System.

SPORT1: Klingt gut. An was müssen Sie bis zum Start und beim Spiel gegen die USA noch arbeiten?

Akdag: Auf jeden Fall am Überzahlspiel. Das hat man gegen die Schweiz gesehen. Da müssen wir noch an Feinheiten arbeiten: am Vorchecken, dem Powerplay und dem Unterzahlspiel. Wir sind in der entscheidenden Phase, haben noch ein bisschen Zeit.

SPORT1: Zeit für ein großes Ziel?

Akdag: Unser Ziel ist das Viertelfinale, natürlich. Da braucht man viel Glück, sicherlich. Aber wir müssen nach oben schauen, nicht nach unten.

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