Bei den Washington Capitals machte Philipp Grubauer auf sich aufmerksam, gegen Russland feierte er ein starkes Debüt in der Nationalmannschaft © getty

Philipp Grubauer überrascht bei den Washington Capitals. Während der WM soll der Torhüter dem DEB-Team Stabilität verleihen.

Vom DEB-Team berichtet Patrick Mayer

München/Mannheim - Superstar Alexander Owetschkin ist begeistert von "Grubauör". Olaf Kölzig hält nichts von Jubelarien. Der ehemalige deutsche Weltklasse-Goalie und Torwarttrainer der Washington Capitals weiß einfach, wie gut sein junger Landsmann ist.

Philipp Grubauer, 22, gebürtiger Rosenheimer, Eishockey-Torhüter, war der Shootingstar der Capitals in dieser NHL-Saison. Jetzt ist er auch Nationaltorwart (BERICHT: DEB-Revanche gegen Russland).

"Je größer die Aufgabe, desto besser spielt Philipp. Es ist beeindruckend, wie ruhig und gelassen er dabei bleibt", sagt Kölzig über Grubauer.

Bei der WM in Weißrussland (ab 9. Mai LIVE im TV auf SPORT1) soll er gemeinsam mit dem Berliner Rob Zepp das deutsche Tor dicht machen.

Er ist auf dem besten Weg zum neuen deutschen Super-Goalie.

Beim Debüt gegen Russland "überragend"

Das sehen seine Mitspieler im DEB-Team nicht anders.

"Was Grubi gespielt hat, war wirklich überragend. Es ist schon schwer, wenn ich drüben gegen ihn spiele, die Scheibe rein zu machen. Wirklich, Respekt!", sagte AHL-Profi Marcel Noebels nach dem Sieg über Russland in Landshut auf Nachfrage von SPORT1.

Bundestrainer Pat Cortina lächelt zufrieden, wenn er auf seinen Goalie angesprochen wird.

Der 49-Jährige erklärte nach der Absage des Mannheimers Dennis Endras früh, den NHL-Crack als zweiten Mann neben Zepp mit nach Minsk zu nehmen. Dabei spielten der Ingolstädter Timo Pielmeier und der Kölner Danny aus den Birken zu diesem Zeitpunkt noch im DEL-Finale (BERICHT: Greilinger und Ingolstadt: Wie im Märchen).

Taten statt große Worte

Sie werden sich hinter Grubauer einreihen müssen. Dessen Fähigkeiten bestechen. Seine linke Fanghand schnellt wie ein Geschoss hoch. Stoisch lässt er im Eins-gegen-Eins den gegnerischen Stürmer auf sich zu skaten.

Es wirkt, als beobachte er in Slow Motion, wie der Angreifer mit dem Stock die Scheibe führt. Wo auch immer diese hinkommt, Grubauer hat eine Antwort parat.

Zu den Stärken des 1,85 Meter großen Torhüters gehört auch seine Bescheidenheit. Er ist kein Lautsprecher.

"Es war ziemlich gut, wie wir gestanden und rausgekommen sind, fünf Leute, eine Mannschaft. Wenn man so gut steht, wird es schwer für sie, die Scheibe aufs Tor bringen", sagte er nach seinem Shutout in seinem ersten A-Länderspiel im Gespräch mit SPORT1.

Umstellung auf andere Winkel

Seine Kollegen jedoch wissen, dass er der Mann sein kann, der über Sieg und Niederlage entscheidet.

"Da geht man viel befreiter aufs Eis. Grubauer und Zepp sind richtig gute Goalies, das gibt den nötigen Rückhalt", meinte AHL-Profi Tobias Rieder: "Falls wir einen Breakdown haben und sie bekommen eine 2:1-Situation gegen sich, passiert nicht so schnell was."

Grubauer selbst spricht von einer Umstellung. Nach fast sieben Jahren in Nordamerika muss er sich wieder an die große Eisfläche in Europa gewöhnen.

"Die Winkel sind anders, das Spiel zieht sich weiter als in Amerika", schilderte er seine Eindrücke.

Über 93 Prozent Fangquote

Auf der kleineren Eisfläche hatte er in dieser Saison, in der die Capitals die Playoffs verpasst hatten, mächtig auf sich aufmerksam gemacht.

Seine große Chance kam im November. Grubauer spielte im Farmteam Hershey Bears. Doch dann rutschte Capitals-Ersatz-Goalie Neuvirth auf einem Puck weg.

Der Deutsche spielte plötzlich. Und brachte Stürmer um Stürmer um den Verstand. Er senkte den Gegentore-Schnitt von 3,04 auf 2,06. Seine Fangquote lag zwischenzeitlich über herausragenden 93 Prozent. Im Januar war er damit Fünfter in der Goaltender-Statistik der NHL.

Noch immer steht er in diesem Ranking auf Platz 18, dabei ist die Saison für Washington längst vorüber.

"Lederhose immer mit dabei"

Dort schaut er sich vieles von Kölzig ab. Im Nationalteam profitiert er von der Erfahrung des 32 Jahre alten Zepp.

"Man redet. Es gibt einige Sachen, die er anders macht. Jeder hat seinen eigenen Stil", erzählt Grubauer. Doch an Zepp muss er erst mal vorbei. Er hofft auf viele Einsatzzeiten bei der WM.

Denn er muss sich im knüppelharten Geschäft der NHL weiter empfehlen.

"Man muss sehen, ob es einen Trainer- oder einen Managerwechsel gibt, wer alles unterschreibt", sagt er: "Ich versuche mich dadurch nicht groß ablenken zu lassen, sondern hart zu arbeiten. Man weiß nie, wie sie planen."

Im Plan des DEB spielt er für die Zukunft und die Heim-WM 2017 eine ganz entscheidende Rolle. Grubauer genießt das. Ein bisschen Sehnsucht habe er in Amerika schon, sagt er: "Die Lederhose habe ich drüben immer mit dabei."

Weiterlesen