Justin Krueger (r.) verteidigt gegen den russischen Superstar Alexander Owetschkin © imago

Nur mit einer tadellosen Abwehr habe Deutschland eine Chance bei der WM, sagt Pat Cortina SPORT1. Er tüftelt an denkbaren Szenarien.

Von Patrick Mayer

München - Wie nur, lautet die Frage der deutschen Fans, will die Nationalmannschaft bei der WM in Weißrussland (ab 9. Mai LIVE im TV bei SPORT1 ) das Viertelfinale erreichen?

Sie wird vor der WM und dem Test in Nürnberg gegen die USA (Di., ab 19.45 LIVE im TV bei SPORT1) drängender.

Nur vier Mannschaften aus einer Gruppe werden in die K.o.-Phase einziehen. Deutschland ist Außenseiter. Dem DEB-Team bleibt nur eine Möglichkeit.

"Wir müssen unserer Identität treu bleiben", sagt Bundestrainer Pat Cortina auf Nachfrage von SPORT1. Diese heiße: Verteidigen, verteidigen, und verteidigen.

Cortina studiert deutsches Eishockey

Cortina hat das deutsche Eishockey offenbar gründlich studiert.

Wann war Deutschland erfolgreich?, fragte sich der 49-Jährige. Sein Ergebnis ist eindeutig.

"Die Torhüterleistung war überragend, in der Abwehr wurde das System beibehalten und das Zweikampfniveau war hoch?", erzählt der Kanadier. Eigenschaften, auf die es wieder ankommen wird.

Schwere Vorrundengruppe

Die Auslosung bescherte dem Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) eine schwere Vorrundengruppe.

Russland, Finnland, die USA und die Schweiz sind echte Schwergewichte. Dazu kommen euphorisierte Gastgeber, die Letten und die Kasachen. Die Devise lautet kratzen, beißen, buckeln oder dem Eishockey-Jargon angemessen: checken, schieben, blocken.

"Das ermöglicht uns Chancen, daran erinnern wir unsere Spieler. Wir sind nicht da, wo die Russen sind", meinte Cortina nach dem Testspielsieg gegen die Sbornaja (BERICHT: DEB-Revanche gegen Russland). "Wir können nicht versuchen, wie sie zu spielen, weil wir das nicht sind", ergänzte der Bundestrainer.

Nicht überall Schönspieler

In der Tat: Nicht überall sind die Deutschen zu Schönspielern geboren. Im Fußball sicherlich, im Handball alle Jahre wieder, aber im Eishockey gilt laut Cortina: "Wenn wir die Zweikämpfe ohne Scheibe nicht suchen, haben wir keine Chance - gegen niemanden." Seine Spieler haben die Marschroute verinnerlicht.

"Wir müssen noch kompakter in der defensiven Zone spielen. Wenn wir wenig zulassen, steigen unsere Chancen, ein Spiel zu gewinnen", sagte Tobias Rieder in Landshut im Gespräch mit SPORT1.

Der 21-Jährige aus der nordamerikanischen AHL hat Partien im Blick, in denen sein Team eigentlich keine Chance hat. Jene Spiele, die - erfolgreich bestritten - den Unterschied ausmachen.

"Die wollen immer die Scheibe haben, immer das Spiel machen. Aber wenn wir kompakt stehen, vergeht ihnen die Laune", schilderte er. Es ist eine Erfahrung, um die die Deutschen nicht erst seit dem 3:0 gegen den Weltranglisten-Dritten reicher sind.

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Heim-WM bestes Beispiel

Die WM 2010 im eigenen Land ist das beste Beispiel. Deutschland wurde sensationell Vierter. Unter dem damaligen Coach Uwe Krupp war die Verteidigung Trumpf. In der Vorrunde kassierte man gegen Gegner wie die USA und Finnland nur drei Gegentore. Das Halbfinale sicherte ein Shutout von Dennis Endras gegen die Schweiz.

Felix Schütz war damals dabei. Er erinnert sich.

"Man sagt immer, die Deutschen müssen defensiv gut spielen. Egal, welchen Sport du machst, du musst gut defensiv spielen, sonst gewinnst du kein Spiel", sagt der 26-Jährige im Gespräch mit SPORT1. "Wenn wir gegen Teams wie Russland den offensiven Schlagabtausch suchen, werden wir ihn verlieren."

Schütz ist Stürmer, doch bei diesen fängt die Abwehrarbeit an. Es gilt, hart in den Ecken gegen den Mann zu arbeiten, viel ohne die Scheibe zu skaten.

Bundestrainer feilt an Szenarien

Cortina tüftelt an jedem denkbaren Szenario. Es gibt kaum etwas, was die Deutschen mehr fürchten, als den Turnover im gegnerischen Drittel.

"Wir haben einen Mann, der immer hoch zwischen den Verteidigern steht. Drei bleiben zurück. Deswegen sollte es nie eine Konterchance für den Gegner geben", erzählt Schütz. Dass es schief gehen kann, zeigte die Pleite im ersten Test gegen die Russen (BERICHT: DEB-Team stemmt sich gegen Russland). Sie bestärkt Cortina.

Der lobt seine vierte Abwehrreihe: Justin Krueger aus Bern und den Krefelder Sinan Akdag. Gegen Russland hätten sie defensiv Probleme gelöst, meint er.

Cortina lobt Akdag

"Akdag hat sich so sehr gesteigert. Das hilft uns enorm angesichts der Verletzten wie ein Christian Erhoff zum Beispiel."

Der NHL-Star der Buffalo Sabres wird in Minsk fehlen. Seine Kollegen haben die deutsche Identität verinnerlicht.

"Wenn wir so spielen, wird es bei der WM was werden", sagt AHL-Crack Marcel Noebels. Vielleicht ja sogar mit dem Viertelfinale.

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