DEB-Präsident Harnos spricht sich bei SPORT1 trotz Scheiterns bei der Olympia-Quali für einen Verbleib des Bundestrainers aus.

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Von der Olympia-Qualifikationberichtet Rainer Nachtwey

Bietigheim - Marcus Kink ist einer, der immer Worte findet, der sich immer den Pressevertretern stellt. Auch nach Niederlagen.

Nur nach dem 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen Österreich stand er am SPORT1-Mikrofon und suchte verzweifelt nach Worten.

"Das wünscht man keinem Sportler." Pause. "Das ist ein scheiß Gefühl." Längere Pause. "Schwer zu sagen jetzt", brachte der Mannheimer Stürmer noch hervor.

3:2 gewonnen, aber dennoch verloren. Durch die Punkteteilung nach 60 Minuten stand fest: Österreich fährt zu den Olympischen Spielen nach Sotschi und nicht die deutsche Mannschaft.

Erstmals seit 1952 findet das olympische Eishockey-Turnier ohne eine Männer-Auswahl des DEB statt, erstmals scheiterte eine deutsche Mannschaft in der Qualifikation.

Blanker Hohn

Die Verlängerung um den Zusatzpunkt war wertlos, das erneute Antreten war blanker Hohn für die Truppe von Bundestrainer Pat Cortina. "Da ging es dann noch um die goldene Ananas. Da war alles aus", meinte Kapitän Michael Wolf.

Und als ob es nicht genug wäre, mussten sich die DEB-Cracks noch die deutsche Nationalhymne für den Sieger anhören, wohlwissend, dass sie nicht der Sieger sind (BERICHT: Olympia ohne Deutschland).

"Das Schlimmste, was ich erlebt habe"

"Die Nationalhymne hören zu müssen, wenn das Olympia-Ticket vergeigt ist, ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe", beschrieb Verteidiger Felix Petermann seine Gefühlswelt.

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Und Generalsekretär Franz Reindl brachte es auf den Punkt: "Das Herz schmerzt."

60 Minuten lang hatte die deutsche Mannschaft gekämpft, großen Einsatz an den Tag gelegt, ihr bestes Turnierspiel gezeigt - aber es reichte nicht.

Am Ende war es ein Fehler zu viel, der die DEB-Auswahl das Ticket für Sotschi kostete.

Österreich gleicht zweimal aus

Zweimal hatte sie geführt durch Tore von Benedikt Kohl (19.) und Kapitän Wolf (47.), zweimal gelang den Österreichern der Ausgleich durch Andre Lakos (32.) und Markus Peintner (53.).

"Wir hatten genug Möglichkeiten, wenn wir das zweite und das dritte Tor gemacht hätten. Aber wir treffen die Latte", meinte ein niedergeschlagener Cortina.

Für den Nachfolger von Köbi Kölliker war es in seinem ersten wichtigen Turnier, das er höher priorisierte als die im Mai anstehende WM, ein herber Rückschlag.

Wohl keine Konsequenzen

Konsequenzen nach dem Scheitern muss der Italo-Kanadier wohl nicht fürchten. Zumindest stellte sich Verbandspräsident Uwe Harnos bei SPORT1 hinter den Bundestrainer.

"An Pat und am Trainerstab hat es mit Sicherheit nicht gelegen. Er kann die Tore nicht schießen. DEL und DEB haben entschieden, dass man langfristig mit ihm zusammenarbeiten will", sagte Harnos.

Cortina habe frischen Wind reingebracht. "Deshalb muss man einfach weiterarbeiten", führte Harnos weiter aus.

Und auch Reindl sprach sich für Cortina aus. "Ich gehe davon aus, dass man mit Cortina weitermacht."

"Natürlich mache ich weiter"

Der Bundestrainer denkt über ein vorzeitiges Ende seiner Aufgabe gar nicht nach: "Natürlich mache ich weiter, warum nicht? Ich habe einen Vertrag." Vielmehr hat er bereits gewisse Vorstellungen, die er in der nahen Zukunft umsetzen will.

"Für jeden im deutschen Eishockey muss die Nationalmannschaft oberste Priorität haben. Sie muss das wichtigste Eishockey-Team in Deutschland sein. Aber so wie die Strukturen derzeit sind, ist sie es nicht", ließ Cortina erste laute Kritik anklingen.

Schließlich gehe es jetzt darum, "dass kein Spieler so etwas noch einmal erlebt. Denn das ist kein gutes Gefühl".

Oder wie Marcus Kink es ausdrückte "ein scheiß Gefühl".

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