Das Cortina-Team verspielt gegen Österreich zwei Führungen, verpasst den nötigen Sieg nach 60 Minuten und damit erstmals Olympia.

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Von der Olympia-Qualifikation berichtet Rainer Nachtwey

Bietigheim - Es musste auf die Spieler wie blanker Hohn wirken, als die deutsche Nationalhymne nach dem Spiel erklang.

Die deutsche Mannschaft stand aufgereiht da, die Köpfe gesenkt, während die Österreicher ihre Freude kaum für sich behalten konnten.

Zwar gewann die DEB-Auswahl das Endspiel um das letzte Olympia-Ticket beim Qualifikationsturnier in Bietigheim gegen Österreich mit 3:2 (1:0, 0:1, 1:1, 1:0) - allerdings nur nach Verlängerung.

Historisches Debakel

Der Truppe von Bundestrainer Pat Cortina hätte nur ein Sieg nach 60 Minuten gereicht. Durch das Remis nach regulärer Spielzeit ist der Traum von den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 geplatzt.

Damit ist das historische Debakel für den Deutsche Eishockey-Bund perfekt, der erstmals seit 1952 nicht beim olympischen Männer-Turnier vertreten.

"Das ist unglaublich traurig für uns Spieler und den Nachwuchs. Das ist die größte Enttäuschung meiner Karriere", sagte Patrick Reimer nach dem Olympia-Aus und Michael Wolf ergänzte: "Es ist eine große Leere. Sehr enttäuschend." (BERICHT: DEB-Team unterliegt Italien)

Frauen retten DEB-Ehre

"Die Nationalhymne hören zu müssen, wenn das Olympia-Ticket vergeigt ist, ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe", sagte Felix Petermann.

Ganz ohne deutsche Beteiligung finden die Eishockey-Wettbewerbe in Sotschi allerdings nicht statt. Die Frauen-Mannschaft von Bundestrainer Peter Kathan hatte sich zeitgleich in Weiden gegen Kasachstan, China und Tschechien durchgesetzt.

"Immerhin haben es die Frauen rausgerissen", konstatierte DEB-Sportdirektor Franz Reindl

Peintner mit dem Schock

Den entscheidenden Treffer erzielte ÖEHV-Stürmer Markus Peintner zum 2:2 in der 53. Minute. Die DEB-Auswahl war durch Benedikt Kohls (19.) und Kapitän Michael Wolf (47.) zweimal in Führung gegangen.

Österreichs ersten Treffer hatte der ehemalige Kölner Andre Lakos (32.) erzielt. Der Siegtreffer in der Verlängerung durch Patrick Reimer (63.) hatte nur noch statistischen Wert.

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Guter Beginn

Es war das erwartet intensive Spiel gegen den Weltranglisten-15. Von Beginn legte die DEB-Auswahl eine große Entschlossenheit an den Tag, fuhr die Checks zu Ende und versuchte den von Cortina geforderten Zug zum Tor umzusetzen.

Die Österreicher ließen sich von der deutschen Gangart beeindrucken und hatten Probleme ihr Spiel aufzuziehen. Zwingende Torchancen blieben aus, selbst in Unterzahl, als Marcel Müller wegen Beinstellens auf die Strafbank musste.

Zepp ist zur Stelle

So dauerte es bis zur 13. Minute ehe Rob Zepp die erste große Möglichkeit der Österreicher und des Spiels zunichte machte. Der Berliner Keeper hatte den Vorzug vor Dennis Endras erhalten.

Die DEB-Auswahl kam erst im Powerplay zu ihrer Chance - und die nutzte sie auch. Constantin Braun zog von der blauen Linie ab, Kohl hielt den Schläger rein und fälschte zum 1:0 ab (19.).

Chancen bleiben ungenutzt

Die Österreicher drückten zu Beginn des zweiten Durchgangs mehr auf Zepps Kasten, öffneten dadurch der DEB-Auswahl die Räume.

Allerdings nutzten die Deutschen die Chancen nicht. Zunächst vergab Alexander Barta auf Bernhard Starkbaum zulaufend das 2:0 (26.), anschließend schaffte es Kapitän Michael Wolf in Überzahl, den Puck aus einem Meter Entfernung über den Kasten zu schießen (28.).

Lakos mit dem Ausgleich

Dies rächte sich in der 32. Minute, als der ehemalige Kölner Lakos mit einem Schuss von der blauen Linie DEB-Keeper Zepp überwand.

Die deutsche Mannschaft wirkte geschockt und konnte sich beim Eisbären-Torwart bedanken, dass er gegen den vor dem Tor völlig freien Gregor Baumgartner das 1:1 festhielt (36.).

Eine Bankstrafe gegen Team Austria brachte die DEB-Auswahl allerdings schnell wieder zurück ins Spiel, auch wenn sie die numerische Überlegenheit nicht nutzen konnte.

Wolf mit der Führung

Die deutsche Mannschaft tat sich auch im Schlussabschnitt schwer, Druck auf Starkbaums Kasten auszuüben. Erst eine weitere Überzahl verhalf der Cortina-Truppe.

Und erneut schlug das DEB-Team eiskalt zu. Michael Wolf verwandelte eine Vorlage von Barta zum 2:1 (47.).

Die erwartete stürmische Antwort der Gäste blieb zunächst aus, die deutsche Mannschaft kontrollierte das Geschehen.

Doch dann kam der erneute Schock. Mit einem Konter nutzte Peintner eine Vorlage von Daniel Oberkofler zum erneuten Ausgleich (53.).

Unterluggauer rettet in höchster Not

Die DEB-Auswahl warf nun alles nach vorn und wäre nach einem Schuss von Kohl fast noch zum Siegtreffer nach regulärer Spielzeit gekommen, Gerhard Unterluggauer kratzte den Puck jedoch von der Linie (58.).

Cortina versuchte noch einmal alles, nahm Keeper Zepp vom Eis, das Tor zum Sieg nach 60 Minuten wollten jedoch nicht mehr Fallen.

Enttäuscht schlichen die DEB-Cracks nach Ende der regulären Spielzeit über das Eis, und mussten noch die Verlängerung spielen.

Nach drei Minuten traf Reimer in Überzahl, es war aber nur der Auftakt der österreichischen Feierlichkeiten.

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