Der neue Bundestrainer Cortina präsentiert sich als der Mann, den der DEB gesucht hat. Aber die Liebe kann abrupt zu Ende sein.

Was war nicht alles nach der Bekanntgabe, dass Pat Cortina Bundestrainer wird, darüber gesagt worden.

Cortina sei nur dritte oder vierte Wahl. Eigentlich waren andere erwünscht. Gustafsson und Ratushny zu teuer, Zach zu unbequem, weitere wie Harry Kreis hatten zuvor von sich aus abgesagt. Am Ende sei eben nur noch Cortina geblieben.

Und Cortina selbst habe bei der Bewerbung zu Beginn gedacht, er spreche für den Co-Trainer-Posten vor.

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Aber aus der dritten oder vierten Wahl hat sich nach den Eindrücken beim Deutschland Cup der ideale Mann für die deutsche Mannschaft entpuppt.

Cortina führt die Mannschaft, hat ihr seine Handschrift und ein System verpasst - und das Ganze auf seine Art und Weise, einerseits locker, aber auch bestimmt.

Wenn man Cortina die vergangenen drei Tage sprechen hörte, kam er selten ohne zwei Worte aus: Disziplin und Struktur.

Mit Disziplin und Struktur hat er die Aufgabe gemeistert, hat in sechs Tagen aus einer durch das WM-Debakel verunsicherte und in der Defensive bisweilen chaotische Spieler-Ansammlung eine Einheit mit Einsatzwillen und -bereitschaft geformt.

Sicherlich war die DEB-Auswahl, die seit rund vier Jahren aus einem bestimmten Kern an Spielern besteht, bereits unter Uwe Krupp ein eingeschworener Haufen und eine funktionierende Mannschaft, nur wirkte sie bei der WM unter Köbi Kölliker nicht mehr so.

Unter Cortina machen die Spieler den Eindruck, wieder mit Freude, Begeisterung und Stolz für Deutschland aufzulaufen.

Cortina überträgt diese Einstellung - und er wird nicht müde, sie zu erwähnen - und seine Ausstrahlung von sich auf seine Mannschaft.

Diese Ausstrahlung begeistert Spieler und DEB-Verantwortliche. Nicht umsonst spricht Generalsekretär Franz Reindl von einer richtigen Trainer-Ausstrahlung und schwärmt von Cortinas Charisma.

Cortina reißt mit, das machte er seinen Spielern bei seiner Antrittsrede am Dienstag klar. Er wirft nicht mit Floskeln um sich wie sein in den letzten WM-Spielen ratlos wirkender Vorgänger.

Mit den Journalisten scherzt er, gibt sich locker und gelöst, behält aber immer das große Ziel Olympia-Quali vor Augen und warnt vor zu großer Euphorie.

Cortina hatte einen traumhaften Start in seinen Traumjob Bundestrainer, aber so sehr derzeit auch alle begeistert sind, all das kann schnell vergessen und null und nichtig sein, wenn sich die DEB-Auswahl unter seiner Regie im Februar nicht für Olympia qualifiziert.

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