Pat Cortina führte Ungarn 2008 erstmals seit 70 Jahren wieder zur A-WM © getty

Nach dem Sieg gegen Kanada zeigt sich Bundestrainer Cortina sehr zufrieden. Für das Schweiz-Spiel fordert er mehr Disziplin.

Vom Deutschland Cup berichtetRainer Nachtwey

München - Pat Cortina war die Erleichterung nach dem gelungenen Debüt in seinem ersten Spiel als Bundestrainer anzumerken.

Der 3:2-Sieg gegen Kanada beim Auftakt des Deutschland Cups (Bericht) war eine Erlösung für den 48 Jahre alten Italo-Kanadier.

"Jetzt ist etwas Druck weg, weil wir im ersten Spiel gleich den ersten Sieg haben", sagte Cortina nach der Partie gegen sein Geburtsland.

Im Interview spricht der neue Bundestrainer über seine ersten Eindrücke, was er erwartet und über vorstehende Wechsel vor dem zweiten Spiel gegen die Schweiz (ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Frage: Herr Cortina, wie bewerten Sie Ihr erstes Spiel als Bundestrainer?

Pat Cortina: Ich bin glücklich und zufrieden mit dem Spiel. Zepp war super. Wir haben viel gut gemacht, müssen aber noch einiges besser machen. Die Jungs haben mit viel Begeisterung und Energie gespielt.

Frage: Was hat Ihnen am Auftritt der Mannschaft gefallen?

Cortina: Die Begeisterung, der Einsatz, der Wille, dass es nach einem Team ausgesehen hat.

Frage: Was erwarten Sie gegen die Schweiz?

Cortina: Die Schweiz wird ein schwerer Gegner für uns. Sie sind schon einiges länger zusammen wie es Kanada war. Da wird mehr Struktur im Spiel sein. Und Spiele gegen die Schweiz sind immer mit Rivalität verbunden. Wir müssen diszipliniert spielen. Und wir brauchen einen guten Keeper (SERVICE: Spielplan Deutschland Cup).

Frage: Kam der Auftritt Ihren Erwartungen schon nahe?

Cortina: Die Jungs haben gutes Hockey gespielt, aber die Mannschaft ist noch weit von meinen Vorstellungen entfernt. Das ist die richtige Richtung. Wir haben noch zu viele Fehler gemacht, besonders wenn wir mit dem Puck zu viel wollten. Wir müssen etwas mehr Struktur reinbringen und mehr Geduld beweisen, die Scheibe einfach spielen.

Frage: Wo hat es noch gehakt? Das Überzahlspiel war nicht besonders effektiv.

Cortina: Unser Powerplay hat noch nicht so ausgeschaut, wie ich mir das vorstelle. Das braucht noch Zeit.

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Frage: Jens Baxmann hat als Verteidiger eine ungewohnte Rolle vor dem Tor eingenommen. Hatten Sie das so trainiert?

Cortina: Wir brauchen jemanden vor dem Tor. Jens ist ein Spieler, der alles macht, was du ihm sagst. Bei dieser Formation ist es das Beste, was er für uns machen kann. Andere Spieler wie Greilinger, Hördler, Marcel Müller oder Hospelt sind an der Scheibe etwas kreativer. Jens ist bereit, diese Rolle anzunehmen und er macht es gut.

Frage: Sie haben eine Art Mann-gegen-Mann gespielt. Ihr Vorgänger ist damit nicht gut gefahren.

Cortina: Das ist kein 1-gegen-1 in der Verteidigung, das soll ein 1 1/2 gegen 1 sein. Wir spielen 1-gegen-1 und Zone in einem. Wenn wir etwas zu weit weg vom Puck waren, haben wir Probleme bekommen. Das braucht Zeit. Wir müssen das System noch verbessern. Aber das ist kein 1-gegen-1.

Frage: Haben Sie sich jetzt als Bundestrainer ähnlich gefühlt wie als Vereinstrainer?

Cortina: Das ist nicht zu vergleichen mit der Tätigkeit im Verein. Das ist wie mit einer neuen Freundin. Das ist aufregend. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dieses Land zu repräsentieren. Das ist eine große Ehre.

Frage: Was müssen Sie anders machen als im Verein?

Cortina: Auch ich muss mich anpassen. Ich muss fühlen, was die Mannschaft braucht. Hier gibt es einiges, was ich im Klub nicht machen kann.

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Frage: Was haben Sie dem Team vor dem Bully mit auf den Weg gegeben? Etwas Motivierendes?

Cortina: Ich habe etwas über die Taktik gesprochen, was wir auch schon während der Woche getan haben. Daran habe ich sie vor dem Spiel erinnert. Ich muss eine deutsche Nationalmannschaft vor einem Heimspiel gegen Kanada nicht motivieren. Wenn ich das müsste, würde etwas falsch laufen. Die Jungs waren sehr motiviert vor dem Spiel. Sie brauchten keine Motivation, sie konnten es genießen. Wir wollen uns besser kennen lernen und zeigen, was wir besser machen können.

Frage: Ist die Truppe schon zu einer richtigen Mannschaft zusammengewachsen?

Cortina: Wie sie heute gespielt hat, beantwortet die Frage. Die Jungs haben besonders die ersten zwei Drittel sehr hart gekämpft. Mein Eindruck von der Mannschaft ist nur positiv. Aber wir müssen besser werden.

Frage: Wie würden Sie Ihr Team beschreiben?

Cortina: Ehrlich, diszipliniert, fair spielend, hart arbeitend. Ich würde gerne sagen effektiv, aber so weit sind wir noch nicht.

Frage: Bleibt Michael Wolf Kapitän?

Cortina: Er ist sicherlich ein Kandidat.

Frage: Sie wechseln gegen die Schweiz aber nicht den Kapitän?

Cortina: Das kann ich noch nicht sagen. Wenn ich sage würde, dass er es nicht ist, würden Sie fragen, wer es ist und das kann ich Ihnen dann nicht sagen.

Frage: Aber Sie wechseln den Torhüter.

Cortina: Ja, Dennis Endras wird spielen. Das kann ich Ihnen sagen, weil Dennis und die anderen es auch wissen.

Frage: Aber mehr als nur zwei Minuten (Endras hatte Zepp kurzzeitig vertreten, nachdem dieser zur Bank gekommen war, um etwas zu trinken zu holen. Cortina musste daher Endras einwechseln, da Deutschland sonst mit einer Zwei-Minuten-Strafe belegt worden wäre.).

Cortina: Ja hoffentlich, aber da muss ich schnell auf Holz klopfen.

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