Pat Cortina übernahm die Position des Bundestrainers von Jakob Kölliker © imago

Beim Deutschland Cup gibt der Bundestrainer seine Premiere an der Bande. Erstmals arbeitet er mit Team und Trainerstab zusammen.

Vom Deutschland Cup berichtet Rainer Nachtwey

München - "Ich kann es nicht erwarten, dass es endlich losgeht", war einer der ersten Sätze des neuen Bundestrainers Pat Cortina.

Der Italo-Kanadier ist zwar seit September bereits als Coach der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft tätig, beim Deutschland Cup in München (ab Freitag LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) erhält er erstmals die Möglichkeit mit der Mannschaft zu arbeiten.

"Wir haben eine interessante Kombination aus jungen und erfahrenen Spielern", meinte Cortina: "Das ist ein neuer Start. Wir wollen jedem Spieler die Chance geben, sich zu zeigen."

Cortina verzichtet auf Reimer

Für Cortina geht es dabei allen voran, den "Typ hinter dem Spieler" kennenzulernen. Aus diesem Grund verzichtete der gebürtige Kanadier auf einen Einsatz von Münchens Keeper Jochen Reimer.

"Ich kenne Jochen sehr gut. Seine Rolle als Keeper unterscheidet sich in der Nationalmannschaft nicht groß von der im Verein", sagte Cortina (EXKLUSIV: Pat Cortina im Interview).

Neue Rollen im Team

Dagegen stehen mit Felix Petermann und Martin Buchwieser zwei Spieler, die beim EHC Red Bull München unter Cortina spielen, im 28 Mann umfassenden Kader - darunter 15 Akteure, die an der WM in Stockholm und Helsinki teilgenommen hatten.

"Die Spieler werden in der Nationalmannschaft durchaus andere Rollen innehaben wie im Verein", führte der Bundestrainer aus. "Ich habe mich für diese Spieler entschieden. Das ist meine Entscheidung. Da hat mir keiner reingeredet."

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Kein NHL-Profi dabei

Eine Entscheidung wurde ihm allerdings bei der Personalie Christian Ehrhoff abgenommen. Dem Verteidiger der Buffalos Sabres, der während des NHL-Lockouts für seinen Heimatklub Krefeld Pinguine aufläuft, machen versicherungstechnische Details einen Strich durch die Rechnung.

"Das ist alles sehr kompliziert. Dabei sind Klub, DEL und der DEB involviert", erklärte DEB-Vize-Präsident Manuel Hüttl.

"Der Klub hat die Zeit, die Christian in der DEL spielt, abgesichert, aber nicht die Zeit, in der er bei der Nationalmannschaft spielt. Wir müssten das extra machen. Und bei einem Gehalt von Christian Ehrhoff ist das wirtschaftlich nicht darstellbar."

Damit fehlt Cortina nach den Absagen von Dennis Seidenberg und Alexander Sulzer (private Gründe) sowie Marcel Goc (Sprunggelenksverletzung) auch der letzte NHL-Crack beim Deutschland Cup.

Lob für Interims-Co Jodoin

Unterstützung erhält der Coach durch seinen neuen Assistenztrainer. Für den Deutschland Cup sicherte sich Cortina die Dienste des NHL-Trainers Clement Jodoin von den Montreal Canadiens.

Beim NHL-Rekordmeister unterstützt der 60 Jahre alte Jodoin Head Coach Michel Therrien hinter der Bande (KOLUMNE: Cortina wie Zach mit Krupp-System).

"Clement liebt Eishockey und ist voller Begeisterung, Spielern etwas beizubringen. Er hat großes internationales Renommee und Erfahrung. Er ist nicht nur das NHL-System gewöhnt, er arbeitet viel im internationalen Bereich", beschrieb Cortina die Vorzüge des Kanadiers.

"Wichtig ist die Begeisterung"

"Als Pat mich angerufen hat, habe ich bei meinem Klub nachgefragt und sie haben es mir erlaubt. Ich versuche hier, meine Erfahrungen einzubringen, aber gleichzeitig auch Neues zu lernen", sagte Jodoin.

"Für uns gilt es immer, uns zu hinterfragen, was können wir besser machen. Wichtig ist die Begeisterung für den Sport."

Fünf Coaches, fünf Aufgaben

An Cortinas Seite komplettieren Niklas Sundblad von den Kölner Haien und Steffen Ziesche, Sportdirektor der Eisbären Juniors Berlin, den Trainerstab.

"Niklas wird sich um die Verteidiger kümmern und um die Keeper Klaus Merk", beschrieb Cortina die Aufgabenverteilung. Ziesche übernimmt die Aufgaben des Video-Coach, Jodoin arbeitet an den Special Teams Powerplay und Unterzahl.

Seitenhieb Richtung NHL

Und der Co-Trainer ist, wie sein Chef, heiß auf das Vier-Nationen-Turnier. "Ich möchte nicht als Millionär sterben, sondern mit Millionen Erfahrungen", sagte Jodoin.

Zudem konnte es sich der ehemalige Spieler nicht verkneifen einen Seitenhieb Richtung Heimat zu schicken.

"Sie können sich glücklich schätzen. Sie haben hier in Deutschland die Chance, hochklassiges Eishockey zu sehen", sagte Jodoin an die Journalisten gewandt.

Das DEB-Aufgebot im Überblick:

Tor: Dimitrij Kotschnew (Hamburg Freezers), Dennis Endras (Adler Mannheim), Rob Zepp (Eisbären Berlin)

Verteidigung: Sinan Akdag (Krefeld Pinguine), Moritz Müller (Kölner Haie), Jens Baxmann, Frank Hördler (beide Eisbären Berlin), Nikolai Goc (Adler Mannheim), Benedikt Kohl, Benedikt Schopper (beide EHC Wolfsburg), Florian Ondruschka (Straubing Tigers), Felix Petermann (EHC München)

Sturm: Alexander Barta (Rögle BK/Schweden), Martin Buchwieser (EHC München), Garret Festerling, Jerome Flaake, David Wolf (alle Hamburg Freezers), Kai Hospelt (EHC Wolfsburg), Marcus Kink, Frank Mauer, Christoph Ullmann (alle Adler Mannheim), Philip Gogulla, Felix Schütz (beide Kölner Haie), Thomas Greilinger (ERC Ingolstadt), Marcel Müller (MoDo Hockey/Schweden), Daniel Pietta (Krefeld Pinguine), Patrick Reimer (Nürnberg Ice Tigers), Michael Wolf (Iserlohn Roosters)

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