SPORT1-Experte Rick Goldmann beschreibt in seiner Kolumne die Spielweise des neuen Bundestrainers Pat Cortina. Er lobt die Wahl.

Hallo Eishockey-Freunde,

es ist also geschafft. Wir haben einen neuen Bundestrainer.

Ich glaube, dass es bei keinem anderen Sportverband vorstellbar wäre, dass erst einen Tag vor einem Länderspiel der Bundestrainer präsentiert wird.

Aber jetzt haben wir ja einen, und ich muss sagen, Pat Cortina ist eine gute Wahl. Vor allem das Spielsystem kommt der deutschen Mannschaft sehr entgegen, und er besitzt eine sehr gute Menschenführung.

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Cortina ist auf den ersten Blick vielleicht kein solch berühmter Name, aber seine Historie ist beeindruckend. Mit Italien, einer kleinen Nation, hat er über Jahre hinweg aus einem recht kleinen Spielerpool eine gute Nationalmannschaft geformt, die sich in der A-Gruppe auch etabliert hat.

Ähnliches ist ihm später mit Ungarn gelungen. Ein Aufstieg in einem Land, in dem Eishockey deutlich hinter Fußball, Handball und Wassersportarten rangiert. Er kann das Optimum aus einer Mannschaft holen - das konnte man auch beim EHC München sehen.

Ich hatte Cortina dort als Trainer. Er kann mit sehr harter Hand die Spieler auf eine Linie bringen - ob vom System oder von der Denkweise.

Sein System, das er auch in München durchzieht, ähnelt dem von Krupp und Kreis. Dies würde dem DEB-Team wichtige Tugenden wie etwa Kampfgeist zurückgeben, was bei Kölliker nicht der Fall war. Bei ihm war alles auf läuferische Qualität und Offensive aufgebaut. Für mich ist Cortina, was seine Art in der Kabine angeht, ein zweiter Hans Zach.

Cortina hat sich gegen drei namhafte Gegner durchgesetzt: Hans Zach, Bengt-Ake Gustafsson und Dan Ratushny.

Hans Zach ist ein sehr erfahrener Trainer und hatte viel Erfolg mit der Nationalmannschaft, aber beim DEB und bei der DEL anscheinend zu wenige Unterstützer.

Gegen Gustafsson sprach, dass er einerseits teuer ist und es andererseits auch gewohnt ist, beim Spielerpool aus dem Vollen zu schöpfen. Das kannte er aus Schweden, wo er als Olympiasieger und Weltmeister große Erfolge gefeiert hat.

Ratushny ist sicherlich der Aufsteiger-Trainer des Jahres. Er verfügt zwar noch nicht über viel Erfahrung, hat aber unheimlich viel Perspektive in der Liga. Er könnte dort vermutlich mehr Geld verdienen als auf dem Bundestrainer-Posten.

Gegen Österreich steht Cortina noch nicht hinter der Bande - eine sehr gute Wahl, denn die Spieler sind vom DEB eingeladen worden, nicht von Cortina.

Aber beim Deutschland-Cup in München hat er eine sehr gute Möglichkeit, die Mannschaft kennenzulernen. Danach geht es in der Olympia-Qualifikation bereits um alles - sie und die WM sind die Gradmesser.

Da wird sich zeigen, ob er wirklich ein zweiter Hans Zach ist und es auch mit Zachs Erfolgen aufnehmen kann.

Euer

Rick Goldmann

Erich Goldmann, 36, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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