Der neue Bundestrainer Pat Cortina ist seit 2008 Coach beim EHC München © getty

Der neue Bundestrainer zeigt sich bei seiner Vorstellung geehrt, weiß aber auch um die Schwere der Triplebelastung. Druck ist da.

München - Pat Cortina lächelte etwas angestrengt.

Vielleicht ahnte er schon, welche Last der Bundestrainer und Sportdirektor in Personalunion in den nächsten Monaten trägt.

Cortina soll das deutsche Eishockey nach einer desaströsen WM in Schweden und Finnland wieder zu Erfolgen führen.

Der Italo-Kanadier wird bis zum Saisonende 2014/15 Nachfolger des Schweizer Trainers Jakob Kölliker sowie von Sportdirektor Franz Reindl.

Die Vorstellung des neuen starken Mannes im Betzenweg 34 in München in einem dunklen Konferenzzimmer verbreitete keine echte Aufbruchsstimmung, obschon der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit dieser Entscheidung auf einen Schlag eine zwei Monate lange Suche beendete.

DEB vor Übergangsjahr

Auf Cortina hatte sich am Wochenende das verantwortliche Direktorat aus Vertreten des DEB und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) geeinigt, im Bewusstsein, vor einem Übergangsjahr zu stehen.

"Es wird Zuarbeit bedürfen, aber wir haben genügend Fachkompetenz im Hause", sagte Präsident Uwe Harnos.

Cortina mit Dreifachfunktion

Denn Cortina, der seit 2008 den EHC München trainiert, bleibt zunächst bis zum Ende dieser Spielzeit Coach des DEL-Klubs und übt demnach in den kommenden Monaten gar eine Dreifachfunktion aus.

Für den DEB ist dies kein Hindernis. "Pat hat uns mit einem Konzept überzeugt, das sich mit unseren Vorstellungen deckt", sagte Harnos, der aber auch einräumte: "Dreifach arbeiten kann man nicht."

"Chance muss ich wahrnehmen"

Cortina schreckt die Belastung keineswegs. "I have to get organized - Ich muss mich gut organisieren", sagte er.

Seine Frau sei zwar im Moment nicht so glücklich, aber die Herausforderung war für den 48-Jährigen zu reizvoll.

"Die Chance, für eine der besten Mannschaften der Welt tätig zu sein, muss ich wahrnehmen. Es ist ein großer Tag, ein Traum für mich", sagte Cortina.

Nach WM-Platz zwölf sowie der verpassten direkten Olympia-Qualifikation jedoch eine gewagte Einschätzung.

Nur als Motivator gegen Österreich

Cortina hat in seiner Vita Stationen als Nationaltrainer in Italien und Ungarn stehen.

Er weiß um seine "hohe Verantwortung" und sieht "viel Potenzial."

Beim Länderspiel gegen Österreich am Dienstag in Wien (ab 19.05 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+) wird er aber nur eine Ansprache an die Mannschaft halten.

Gecoacht wird das Team von Co-Trainer Ernst Höfner und Teammanager Klaus Merk. Für die Zukunft hält sich Cortina Änderungen im Trainerstab erst einmal offen.

Olympia-Quali als Druckfaktor

Harnos hat indes keine Bedenken bei der Auswahl, auch finanzielle Erwägungen hätten "keine Rolle" gespielt.

Cortina sei ein "renommierter Fachmann", sagte er. Seine recht langfristige Verpflichtung erscheint angesichts eines nicht ausgeschlossenen Scheiterns in der Olympia-Qualifikation im Februar 2013 dennoch riskant.

Denn mit der Teilnahme an den Spielen im russischen Sotschi 2014 steht und fällt die Zukunft und die Reputation der Nationalmannschaft ebenso wie die des Verbandes.

Es sei aber "falsch, sich Gedanken zu machen: was passiert wenn", sagte Harnos.

Doppelfunktion: Erst contra, nun pro

Dass Cortina auch den Posten des Sportdirektors einnimmt, ist überraschend.

Er soll künftig "das komplette Sportprogramm des DEB verantworten", der DEB-Trainerstab werde "an ihn berichten." Harnos sagte, Cortina solle "fortführen, was Uwe Krupp begonnen hat."

Plötzlich ist zumindest für ein Jahr die Doppelfunktion salonfähig, gegen die sich der DEB noch vehement gewehrt hatte, als 2011 über eine Vertragsverlängerung mit Erfolgscoach Uwe Krupp verhandelt worden war.

Ohnehin ist das Modell eines Maßnahmentrainers im deutschen Sport einzigartig. Ob es Erfolg bringt, wird sich zeigen.

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