Das DEB-Team verpasst bei der WM sein Minimalziel Viertelfinale © getty

Mit dem Debakel gegen Tschechien verliert das DEB-Team den Anschluss an die Top-Nationen. Selbst das Minimalziel verspielt sie.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Es war das Bild, das die Hilflosigkeit der deutschen Mannschaft passend wiedergab.

Patrick Reimer verliert im eigenen Powerplay die Scheibe im gegnerischen Drittel, Peter Tenkrat passt auf David Krejci, der von der eigenen blauen Linie völlig frei von jedem Gegenspieler auf Dennis Endras zuläuft.

Krejci hat sogar die Zeit, seinen Spurt zu verlangsamen, die DEB-Spieler machen keine Anzeichen, den Stürmer des noch amtierenden Stanley-Cup-Champions Boston Bruins zu verfolgen.

Gekonnt schließt Krejci zum 1:6 ab - in Unterzahl, aber doch überlegen ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands ).

20 Gegentore in zwei Spielen

Es war nur eines der acht Tore, die die Tschechen der Auswahl von Bundestrainer Jakob Kölliker beim letzten WM-Spiel einschenkte und damit die deutsche Auswahl innerhalb von 44 Stunden erneut demütigte.

4:12 gegen Norwegen, nun 1:8 gegen Tschechien (Spielbericht) - 20 Gegentore in zwei Spielen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Einfach schade und erschreckend, dass wir uns die letzten beiden Spiele so präsentiert haben", sagte ein demoralisiert dreinblickender Patrick Reimer.

DEB-Team im Niemandsland

Statt des erhofften positiven Abschlusses der WM wurde es ein erneutes Debakel. Statt der erhofften direkten Olympiaqualifikation muss die DEB-Auswahl sich nun den Weg nach Sotschi über ein Vierer-Turnier erkämpfen.

Nach dem Verpassen des WM-Viertelfinals wurde ein weiteres Ziel verfehlt.

Die deutsche Mannschaft ist nach zwei Jahren unter den besten acht Nationen wieder ins Niemandsland abgerutscht.

Köllikers Fazit war daher "natürlich vernichtend. Wir haben unsere Ziele nicht erreicht", sagte der Bundestrainer.

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"Kamen mit dem Tempo nicht mit"

Seine Mannschaft präsentierte sich bei ihrem Abschlussspiel des Turniers erneut erschreckend leblos, hilflos und emotionslos. Nach dem frühen Gegentor wirkten die Spieler nur noch als Zuschauer, ein Aufbäumen war nicht zu erkennen.

Den Willen, den Rückstand doch noch zu drehen, sprach Kölliker seiner Mannschaft nicht ab. "Die Jungs haben sich bemüht. Wir kamen aber mit dem Tempo einfach nicht mehr mit", sagte der Coach.

"Angezogene Handbremse"

Dabei nahmen die Tschechen ab dem zweiten Drittel merklich das Tempo zurück, spielten es ruhig und überlegt zu Ende. "Die haben mit angezogener Handbremse gespielt", sagte auch Keeper Dennis Endras.

Trotz angezogener Handbremse der Tschechen wirkte es wie ein Duell zwischen Formel-1-Wagen und Bobbycar.

[kaltura id="0_hjbmqf4g" class="full_size" title="Wieder herbe Klatsche f r DEB Team"]

Norwegen - das Schlüsselspiel

Reimer, der gemeinsam mit Team-Topscorer Philip Gogulla und Keeper Dennis Endras als einer der drei besten deutschen Spieler ausgezeichnet wurde, führte es auf die Verunsicherung durch das Norwegen-Debakel zurück.

"Es scheint so, als ob wir in Panik geraten, wenn wir einen Fehler machen und bei uns hat sich ein Fehler an den anderen gereiht", sagte der mit drei Treffern beste deutsche Torschütze.

"Da wurden Fehler gemacht, die wir seit unserer Schülerzeit nicht mehr gemacht haben. Da müssen wir als Mannschaft stabiler werden."

Klare Worte von Gogulla

Insbesondere im Defensivverbund offenbarte das deutsche Team große Schwächen. Die von Kölliker neu eingeführte 1:1-Deckung in der eigenen Zone fand zum Turnier-Ende auch bei den Spielern wenig Gegenliebe.

Reimer zeigte sich noch zurückhaltend: "Wir haben es in den letzten beiden Spielen nicht verstanden, damit umzugehen."

Gogulla hingegen fand klare Worte. "Vielleicht ist es besser, wenn man nicht mehr das 1:1 spielt", sagte der mit neun Punkten beste deutsche Scorer. "Wenn man in zwei Spielen 20 Tore kassiert, ist es eigentlich klar, dass es nicht funktioniert."

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