Frust im DEB-Team: Keeper Dennis Endras (M.) mit John Tripp und Philipp Gogulla © getty

Die deutschen Profis finden für das Debakel gegen Norwegen keine Erklärung. Der Bundestrainer erhält Rückendeckung vom DEB-Boss.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Die deutschen Fans nahmen es mit Galgenhumor und viel Sarkasmus. "An das Spiel wird man sich noch in einiger Zeit erinnern. Wir können sagen: 'Ich war dabei'. Vielleicht sollten wir uns T-Shirts drucken lassen", sagte ein Anhänger aus Iserlohn.

Bereits während des Spiels hatten die deutschen Fans mit "Oh wie ist das schön" - Gesängen auf das 4:12-Debakel gegen Norwegen reagiert. (BERICHT: WM-Aus nach Demütigung)

Dennis Endras hingegen ließ seinen Frust am Schläger aus. Der Keeper lief nach dem 3:12, dem sechsten Gegentreffer, den er kassiert hatte, zur Bank, zertrümmerte den Schläger und wechselte sich selbst aus.

Er setzte sich ins letzte Eck, nahm ein Handtuch und vergrub sein Gesicht minutenlang darin. Das Spiel verfolgte er nicht. Der Schock saß tief. ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands )

[kaltura id="0_icwa9t4z" class="full_size" title=""Gibt keine Entschuldigung""]

"Keine Ahnung"

Nachdem Kölliker ihn nach dem 0:3 in der sechsten Minute für Dimitrij Kotschnew ausgewechselt hatte, hatte ihn der Coach mit Beginn des letzten Drittels wieder aufs Eis geschickt. Etwas über 18 Minuten stand Endras auf dem Eis, kassierte dabei sechs Tore.

Nach der Partie nahm er wie Kotschnew den direkten Weg in die Kabine. Den Medienvertretern stellte er sich nicht.

Die Spieler, die sich stellten, fanden keine Erklärung für das Desaster. "Keine Ahnung" waren die am häufigsten verwendeten Worte. "Das lässt sich nicht in Worte fassen. Was wir abgeliefert haben, ist eine absolute Frechheit. Kein Kampf, kein Garnichts", sagte Philip Gogulla am SPORT1-Mikrofon.

DEB-Team scheinbar wehrlos

Kein Garnichts - das überraschte am meisten, dass sich die deutsche Mannschaft nicht gegen das Abschlachten stemmte, sich scheinbar wehrlos ergab - und das gegen einen Gegner, der, wie es hieß, auf Augenhöhe sei mit dem DEB-Team.

"Das war einfach ekelhaft", fasste Christoph Schubert die Leistung in Worte. Wie die Leistung zustande kam, konnte er nicht erklären: "Du kassierst so früh ein Tor, und dann fällt eins nach dem anderen", sagte er und zuckte mit den Achseln.

[image id="329eecde-636b-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Nach dem frühen 0:3 hatte die Mannschaft im ersten Drittel den Schaden noch in Grenzen gehalten, sogar Hoffnung auf ein Comeback geweckt, aber auch nur, weil kein weiterer Gegentreffer hinzukam.

Auch in den zweiten 20 Minuten brachte die DEB-Auswahl nichts zustande, Turnover reihte sich an Turnover, Strafen an Strafen, wodurch den Norwegern das Toreschießen leicht gemacht wurde.

"Schwer fürs Selbstvertrauen"

"Wir haben es nach dem ersten Drittel noch mal probiert. Aber dann kassieren wir gleich die zwei Tore, das 0:6. Da ist es natürlich schwer fürs Selbstvertrauen, noch einmal ins Spiel zurückzukommen", führte Gogulla aus.

Und Kai Hospelt meinte bei SPORT1: "Irgendwann war der Punkt erreicht, da klappte bei denen einen alles und bei den anderen gar nichts. Wir waren die anderen. Das war absolut schlecht. Ich sage jetzt schlecht, weil die anderen Worte, die mir einfallen, nicht in die Öffentlichkeit passen."

Kölliker: Durch dick und dick

Das Debakel gilt es nun zu analysieren und sich auf das abschließende Spiel gegen Tschechien (ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) vorzubereiten. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Abhaken wäre jetzt sicher der falsche Weg. Wir müssen das Spiel aufarbeiten. Jeder muss bei sich beginnen", sagte Kölliker.

An eine vorzeitige Aufgabe oder sofortige Entlassung dachte der Schweizer allerdings nicht: "Wir müssen hier miteinander fertig spielen, wir können nicht den Trainer auswechseln, heute oder morgen, die Mannschaft oder den Torhüter. Wir sind ein Team und gehen jetzt durch dick und dünn."

Rückendeckung erhielt Kölliker von Verbandspräsident Uwe Harnos: "Ich finde nicht, dass man aufgrund eines völlig misslungenen Spiels die Qualitäten eines Jakob Kölliker infrage stellen sollte. Schnellschüsse sind in solchen Situationen fehl am Platz", sagte der DEB-Boss.

Kampf um direkte Olympia-Quali

Gegen den Weltmeister von 2010 geht es im für Deutschland im letzten WM-Spiel immer noch um die direkte Olympia-Qualifikation. Dazu muss die deutsche Mannschaft im WM-Endklassement die Schweiz hinter sich lassen.

Derzeit ist die DEB-Auswahl punkt- und sieggleich mit den Schweizern, es würde also das Torverhältnis über die Platzierung entscheiden. Nach den zwölf Gegentoren muss die Kölliker-Truppe einen Zähler mehr einfahren als die Eidgenossen, die es mit den bereits für das Viertelfinale qualifizierten USA zu tun bekommen.

Assistenz-Kapitän Hospelt gab für den WM-Abschluss bereits die Devise vor: "Wir hatten es selbst in der Hand und haben es auf gut deutsch verkackt. Jetzt müssen wir uns gut verabschieden, denn das ist den Fans nicht würdig und uns selbst auch nicht."

Weiterlesen