Marcel Goc spielt seit Juli 2011 für die Florida Panthers in der NHL © getty

Kapitän Marcel Goc versucht das Debakel gegen Norwegen zu erklären. Bei den Fans will sich der NHL-Profi entschuldigen.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Die Torhüter Dennis Endras und Dimitrij Kotschnew nahmen gleich einen anderen Weg in die Kabine, Christoph Ullmann ging mit abwehrender Handhaltung an den Medienvertretern in der Interview-Zone vorbei.

Der Stürmer der Adler Mannheim wollte nichts sagen.

Zu sehr hatte ihn die 4:12-Schmach gegen Norwegen (Bericht: DEB-Team von Norwegen zweistellig gedemütigt) und damit verbunden das Vorrunden-Aus vor dem abschließenden Spiel gegen Tschechien (Di., ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) bei der Eishockey-WM in Stockholm und Helsinki getroffen.

Einer, der sich den Fragen der Journalisten stellte, war Kapitän Marcel Goc. Im Interview versucht der einzige NHL-Profi im WM-Kader das Debakel zu erklären.

Frage: Herr Goc, wie gehen Sie mit so einer Schmach um?

Marcel Goc: Das ist bei einem WM-Turnier nicht akzeptabel, vor allem, wenn es in einem Spiel um so viel geht. Irgendwie ging alles in die Hose.

Frage: Wie kann man so ein Auftreten erklären?

Goc: Durch das erste Tor waren wir ein wenig geschockt. Aber egal, ob die das Tor nach 20 Sekunden schießen, das darf keinen Unterschied machen, wie wir weiterspielen. Zu keinem Zeitpunkt haben wir ins Spiel, zu unserem Spiel gefunden. Mehr braucht man gar nicht sagen .

Frage: Was hat der Trainer in der ersten Drittelpause gesagt?

Goc: Positiv bleiben, an uns glauben. Das umsetzen, was wir in der Besprechung gesagt haben. Und das keiner es im Alleingang versuchen soll, das Spiel zu drehen. Ohne Scheibe haben wir ganz schlecht ausgeschaut.

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Frage: Ist er laut geworden?

Goc: Er war alles. In der Auszeit hat er uns die Meinung gesagt. Aber wir haben genauso weitergespielt wie vorher.

Frage: Es war nicht das erste Mal, dass die Mannschaft schlecht ins Spiel gestartet ist. Diesmal ist das Team richtig auseinandergebrochen. Gibt es eine Erklärung dafür?

Goc: Ich habe keine.

Frage: Bei den anderen Spielen hat die Mannschaft über den Kampf zurück ins Spiel gefunden. Warum ist es dieses Mal in die völlig entgegengesetzte Richtung gelaufen?

Goc: Keine Ahnung. Kampf? Ja, jeder wollte, jeder ist jetzt enttäuscht. Keiner kommt hier raus und sagt: ,Ich habe so gespielt, wie ich kann, wie ich soll.' Warum wir so auseinandergefallen, sind weiß ich nicht.

Frage: War es am Schluss schon eine Bestrafung, auf dem Eis zu stehen?

Goc: Der Trainer sagt, wer dran ist, und dann ist man dran. Egal wann ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands ).

Frage: Hat es sich denn als Bestrafung angefühlt?

Goc: Nein. Du weißt ja nicht, was am Ende noch zählt, ob für die Olympia-Qualifikation ein Tor wichtig ist oder nicht. Du musst weiterspielen. Du musst stolz sein, wenn du das Trikot mit dem Adler drauf trägst.

Frage: Was sagt man den mitgereisten Fans?

Goc: Was soll man sagen? Wir müssen uns entschuldigen. Sie sind enttäuscht, wir sind natürlich auch enttäuscht. Jeder aus der Mannschaft muss sich an die eigene Nase fassen. Es bringt nichts, wenn wir uns gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Jeder hat genug Fehler gemacht. Jeder muss das für das nächste Spiel abstellen. Denn wenn wir so gegen die Tschechen spielen... Die sind noch mal eine Nummer größer als Norwegen.

Frage: Tut es Ihnen denn für den Trainer leid?

Goc: Klar tut es uns leid, dass wir so gespielt haben. Aber wir brauchen uns jetzt nicht selbst leidzutun. Wir haben uns das selbst eingebrockt, da müssen wir jetzt wieder raus. Da trifft nicht einen Spieler die Schuld, da stecken wir alle in einem Boot. Und mit dem Boot sind wir untergegangen.

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