Das Norwegen-Desaster wirft viele Fragen auf. Zum Beispiel jene, ob Kölliker der richtige Coach für die deutsche Auswahl ist.

Debakel, Schmach, Desaster, Katastrophe!

Unterirdisch, vernichtend, bodenlos, demütigend, peinlich - es gibt viele Worte, mit denen man versuchen kann, die Partie der deutschen Mannschaft gegen Norwegen zu beschreiben.

Doch keines trifft es so richtig, was die Truppe von Bundestrainer Jakob Kölliker im vorletzten Vorrundenspiel der Eishockey-WM in Stockholm und Helsinki bot, in dem es für sie um das Viertelfinale, die direkte Olympia-Qualifikation ging.

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Gut, man kann schnell in Rückstand geraten, auch 0:3 nach fünf Minuten. Aber die Mannschaft schien sich anschließend gefangen zu haben.

Unerklärlich ist nur, wie sie sich im Mitteldrittel präsentierte, sich völlig aufgab, keine Gegenwehr zeigte. Blutleer, willenlos, passiv.

Eine Mannschaft, die sagt, dass es in ihr stimmt, dass sie "charakterlich eine super Truppe" ist.

Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, ob der Trainer zur Mannschaft passt, denn irgendwo scheint es eben nicht zu passen. Andernfalls ist so eine Leistung nicht zu erklären.

Jakob Kölliker hat nach der WM in Bratislava von Uwe Krupp eine funktionierende Mannschaft mit einem funktionierenden System übernommen, ein Team, das eine WM-Mannschaft Russlands geschlagen hat.

Aber Kölliker hat der Mannschaft seinen eigenen Stempel aufgedrückt, mit einer neuen Ausrichtung in der Offensive und in der Defensive. Doch nun stellen sich viele Fragen:

Passt das System des neuen Bundestrainers zur Mannschaft, passen die Spieler zu seinem System, hat er die Spieler für so ein System - und im Endeffekt: Passt der Trainer zur Mannschaft?

War der Schweizer Coach durch die Erfolge in der Vorbereitung geblendet? Warum war vom Deutschen Meister Eisbären Berlin nur ein Spieler im WM-Kader?

Die Auftritte bei der WM wurden fast durchweg schöngeredet, zu oft fielen die Worte "ansprechende Leistung". Überzeugend war jedoch lediglich eine: die gegen Russland.

Der DEB hat Kölliker vor dem Turnier in höchsten Tönen gelobt, dennoch müssen der Verband und der Trainer nach der WM evaluieren, ob Kölliker der richtige Coach ist, ob er für eine andere Funktion besser geeignet ist oder ob er überhaupt zum deutschen Eishockey passt.

Zunächst sind jedoch die Spieler gefordert, sich gegen Tschechien mit einer nicht nur ansprechenden, sondern überzeugenden Leistung den Kredit bei den Fans zurückzuholen, den sie gegen Norwegen verspielt haben.

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