Per-Age Skroder (2.v.r.) spielt seit 2006 bei MODO Hockey Örnsköldsvik © getty

Die deutsche Nationalmannschaft erlebt gegen Norwegen ein brutales Debakel und verpasst das angestrebte Ziel Viertelfinale.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Katastrophe, Desaster! Vorgeführt, deklassiert, gedemütigt!

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der WM in Stockholm und Helsinki (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) im vorletzten Vorrundenspiel ihr Waterloo erlebt.

Die Truppe von Bundestrainer Jakob Kölliker ging beim 4:12 (0:3, 1:6, 3:3) gegen Norwegen sang- und klanglos unter und schied damit vorzeitig aus (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Momentan ist jedes Wort zu viel. Es gibt keine Erklärung, keine Entschuldigung", sagte der frustrierte Bundestrainer bei SPORT1: "Wir müssen aus dieser Suppe raus, müssen unsere Lehren daraus ziehen. Ich habe keine Worte. Ich könnte toben und alles auseinanderreißen, aber das bringt überhaupt nichts."

Nach der peinlichen Darbietung kann die DEB-Auswahl nicht mehr einen der ersten vier Plätze in der Gruppe S einnehmen und muss nun um die direkte Olympia-Qualifikation für 2014 zittern.

Großer Rückstand auf die Konkurrenz

Vier Punkte trennt die DEB-Auswahl einen Spieltag vor Schluss von Norwegen, fünf von 2010-Weltmeister Tschechien. Russland und Schweden sind bereits für die Runde der letzten Acht qualifiziert.

Um zumindest noch den direkten Weg nach Sotschi zu erreichen, muss die deutsche Mannschaft in der WM-Tabelle einen der drei Teams aus Slowakei, Schweiz und Norwegen hinter sich lassen, oder darf nur einen Rang Rückstand auf die Slowakei haben.

Thoresen mit dem Blitz-Doppelschlag

Patrick Thoresen (1., 2.) und Martin Roymark (6.) machten mit ihren drei Toren bereits in den ersten sechs Minuten klar, dass für die DEB-Auswahl nichts zu holen war.

Lars Erik Spets (24.), Juha Kaunismäki (25.) Jonas Holos (28.), erneut Thoresen (33.), Jan-Age Sköder (34., 41.), Mats Trygg (35., 53.) und Mads Hansen (44.) sorgten für die erste zweistellige Niederlage einer deutschen Mannschaft seit dem 1:10 bei der WM 2008 in Halifax gegen Kanada ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands ).

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Die Tore von Patrick Reimers (39.), Justin Kruegers (42.), Marcus Kink (47.) und Christopher Fischer (58.) blieben nur Notizen auf dem Spielberichtsbogen.

Rückstand nach 20 Sekunden

"Wir müssen zu Beginn gleich wach sein", hatte Reimer noch vor dem Duell gefordert, doch die ersten Minuten waren nicht nur ein Horrorstart, es war eine Demütigung.

Keine 20 Sekunden waren gespielt, da fand sich die DEB-Auswahl bereits in Rückstand. Christoph Schubert blockte einen Schuss Skröders und Thoresen staubte ab zum 0:1.

Thoresen schlägt erneut zu

Weitere 70 Sekunden später stand es bereits 0:2. Nach einer Strafe gegen Philip Gogulla war es erneut Thoresen, der einen Querpass von Marius Holtet über die Linie bugsierte.

Kölliker reagierte und nahm eine Auszeit, doch seine Mannschaft blieb passiv und sah den Norwegern beim Spielen und Toreschießen zu.

Wieder passte Holtet vor dem Tor quer, wieder schlug es in Endras' Kasten ein (6.).

Goalie-Wechsel von Kölliker

Kölliker spielte seine letzte Karte und versuchte mit einem Torwartwechsel die Mannschaft wach zu rütteln. Dimitrij Kotschnew ersetzte den an allen drei Gegentoren schuldlosen Endras.

Die deutsche Mannschaft blieb aber in allen Belangen unterlegen, jeder norwegische Angriff war gefährlich, während die DEB-Auswahl kaum zum Kasten von Lars Haugen durchkam.

Hohn der Fans

Die Anfeuerungsrufe der deutschen Fans "Ole super Deutschland" hatten schon etwas von blankem Hohn.

Das einzig Positive am weiteren Verlauf des ersten Drittels: Es fiel kein weiteres Gegentor.

"Es ist enttäuschend und indiskutabel, wie wir aufgetreten sind", sagte Alexander Barta gegenüber SPORT1: "Das ist eine der bittersten Niederlagen im deutschen Eishockey."

Fünf Minuten, weitere drei Tore

Das Debakel wurde im Mittelabschnitt noch schlimmer. Binnen fünf Minuten schraubten Spets (24.), Kaunismäki (25.) und Holos (28.) das Ergebnis noch bevor die 30. Minute erreicht war auf 6:0 aus Sicht der Norweger hoch.

Und der bemitleidenswerte Kotschnew musste im Minutentakt weiter hinter sich greifen. Die Wikinger nahmen die DEB-Auswahl komplett auseinander.

Pfiffe für DEB-Spieler

Zum Schlussabschnitt begrüßten die mitgereisten deutschen Fans die Spieler mit Pfiffen und Buhrufen.

Nur 44 Sekunden benötigten die Norweger im letzten Drittel für ihre zweistellige Torausbeute.

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