John Tripp (m.) spielt seit 2007 in der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft © getty

Mit Russland erwartet das DEB-Team den ersten Großen, und sollte sich einiges, aber nicht alles von Norwegen abschauen.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Es war richtig guter Anschauungsunterricht. Tic, Tac, Toe - die Scheibe bewegte sich wie am Schnürchen von Mann zu Mann, ehe ein Laser im linken Torwinkel einschlug.

Das Powerplay der Norweger war richtig gut, und Bundestrainer Jakob Kölliker dürfte die Sequenz seinen Spielern mehr als ein Mal gezeigt haben: Anschauungsunterricht bei den Norwegern, wie die Russen zu schlagen sind.

Und im Training ließ Kölliker seine Überzahl-Experten alle möglichen Varianten durchspielen, denn den Special Teams kommt gegen Russland eine gemein wichtige Funktion zu.

Denn mit der Sbornaja wartet auf die deutsche Mannschaft (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) der erste große Gegner bei der 76. Eishockey-WM in Stockholm und Helsinki.

"Das ist eine mit Stars gespickte Truppe", sagte Kölliker, "richtige Superstars."

Verschnaufpause in Unterzahl

Aber die russische Mannschaft ist eben auch verwundbar. Vor allem im Penalty Killing offenbarte der Rekordweltmeister Schwächen.

Trainer Sinetula Biljaletdinow zeigte sich von der Vorstellung des Unterzahlspiels gegen Norwegen alles andere als begeistert und richtete harsche Kritik an seine Spieler.

"Da haben unsere vier Spieler eine Verschnaufpause auf dem Eis eingelegt", sagte der Nachfolger von Wjatscheslaw Bykow, der nach dem spielerisch enttäuschenden Abschneiden bei der WM 2011 in Bratislava seinen Hut nehmen musste.

Mit Körperspiel entnerven

Zweimal schlugen die Norweger in Überzahl zu, ein dritter Treffer wurde wegen angeblichen Torraumabseits nicht gegeben.

Zudem entnervte Norwegen die Russen mit hartem Körperspiel. Unnötige Strafen seitens der Sbornaja waren die Folge.

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Strafzeiten vermeiden

Justin Krueger hatte bereits nach dem Lettland-Spiel bemerkt, dass die deutsche Mannschaft hierauf mehr Wert legen müsse, auch um das Spiel der Russen dadurch langsamer zu machen.

"Wenn wir mehr den Körper spielen, haben sie gar nicht die Chance, ins Laufen zu kommen."

So schön der Anschauungsunterricht bei den Norwegern in Sachen Körperspiel ist, die Norweger leisteten sich selbst zu viele Strafen, die die Sbornaja eiskalt ausnutzte.

Eigene Strafzeiten gilt es zu vermeiden, denn mit 57 Prozent Erfolgsquote stellen die Russen das beste Powerplay aller Mannschaften ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

[kaltura id="0_8x5js6s9" class="full_size" title="Neues Kapitel gegen Russland"]

Co-Trainer beeindruckt

"Das Spiel gegen die Norweger war sehr hart für uns, und gegen Deutschland wird es genauso schwer", sagte Co-Trainer Dmitri Juschkewitsch im Gespräch mit SPORT1.

Und der ehemalige NHL-Verteidiger der Toronto Maple Leafs hat das DEB-Team auf das Genaueste analysiert. "Wir haben gegen Deutschland vier Mal gespielt in diesem Jahr. Das waren alles gute Spiele. Wir wissen, dass das deutsche Team sehr hart arbeitet, sehr diszipliniert ist und immer alles gibt."

Deutschland hochmotiviert

Zumal Juschkewitsch weiß, dass die DEB-Auswahl nach der Niederlage gegen Lettland einiges wieder gutmachen will.

"Wir haben das Spiel gegen Lettland natürlich gesehen. Deutschland war zwei Tore hinten und hätte es auch verdient gehabt, zu gewinnen. Jetzt sind sie unter Zugzwang. Deutschland muss jetzt einen Großen schlagen und wird hoch motiviert sein", meinte Biljaletdinows Assistent, der während des deutschen Trainings eine Stunde in Zuschauerrängen saß und sich Notizen machte.

Warlamow in der Kritik

Viele Notizen machten sich auch die russischen Journalisten gegen Norwegen wegen der Torwartposition der Sbornaja, seit Jahren die Achillesferse ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands ).

Semjon Warlamow wurde von der russischen Presse kritisiert, Coach Biljaletdinow immer wieder auf das Torwartspiel angesprochen. Der Keeper selbst räumte bei SPORT1 Schwächen ein.

"Für die Torhüter ist es sehr schwer, wenn sie so wenige Schüsse aufs Tor bekommen. Du versuchst, konzentriert zu bleiben. Aber es waren Schüsse dabei, bei denen ich nicht gut ausgesehen habe. Da habe ich Fehler gemacht", sagte der Goalie der Colorado Avalanche.

Einen Punkt klauen

Biljaletdinow steht jedoch zu seinem Goalie. Ob er gegen die deutsche Mannschaft nicht dennoch einen Tausch zu Konstantin Barulin vornimmt, ließ der Coach offen.

Der deutschen Mannschaft ist es egal, wer im Tor steht, das Ziel bleibt nach der Enttäuschung gegen Lettland das gleiche.

"Jetzt heißt es, den Kopf oben zu behalten und in den Spielen gegen Russland und Schweden vielleicht den einen oder anderen Punkt zu klauen", meint Kai Hospelt.

Norwegen war es nicht gelungen, aber man muss sich ja nicht alles von Norwegen abschauen.

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