Jakob Kölliker ist seit 2011 Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft © getty

Bundestrainer Kölliker platzt beim Training des DEB-Teams der Kragen. Vor dem Duell mit Russland ist die Anspannung spürbar.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Es war das erste Mal und die Spieler schienen überrascht.

"Spiel die Scheibe tief", schrie Jakob Kölliker, "keinen solchen Scheiß-Querpass."

Der Bundestrainer wurde richtig laut, als die deutschen Nationalspieler bei einer Übung einen Fehler machten, und schickte noch einen Fluch auf Schwyzerdütsch hinterher.

Zwar beschwichtigt der Schweizer nach dem Training, dennoch ist der deutschen Nationalmannschaft die Anspannung nach der 2:3-Niederlage im zweiten WM-Spiel gegen Lettland (Spielbericht) anzumerken.

"Wir haben extra eine Übung gemacht, aber dann wurde es wieder falsch gemacht. Da muss ich auch mal Klartext sprechen. Immer nur darüber reden, hilft nicht", meint Kölliker nach der einstündigen Einheit.

Anspannung beim Training

Nicht nur dem Coach, auch den Spielern war während des Trainings ihre bis dato recht lockere, gelöste Art abhanden gekommen.

Es wurde wenig gesprochen, einzig John Tripp, der seine fröhliche Art behielt, leistete sich einen kleinen Scherz, als er einen Puck in Richtung der SPORT1-Kommentatoren Sebastian Schwele und Rick Goldmann schlenzte.

Die Konzentration liegt ganz auf dem Russland-Spiel (Di., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER, LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de), wenn es gegen die großen Stars Jewgeni Malkin und Pawel Dazjuk geht.

"Das wird eine Herausforderung", sagt Kölliker. "Das sind Superstars."

Kotschnew im Tor

Gegen die Superstars nimmt der Coach eine Veränderung im Tor vor. Für die bisherige Nummer eins erhält Dimitrij Kotschnew seine Bewährungschance (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

[image id="956819b1-6453-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Dennis ist jetzt im Turnier drin. Aber er braucht auch mal eine Pause", begründete der Nachfolger von Uwe Krupp den Torwartwechsel.

Kreis zeigt sich kritisch

Eine Herausforderung wird es vor allem für die Defensivabteilung der deutschen Mannschaft, die gegen Lettland zu Beginn große Probleme offenbarte ( 553850 DIASHOW: Die Spiele des DEB-Teams ).

"Wir konnten unseren eigenen Aufbau nicht richtig gestalten und sind deshalb zu viel hinterher gelaufen", sagt Co-Trainer Harold Kreis im Gespräch mit SPORT1, der für die Verteidiger zuständig ist.

"Wir müssen gegen die Russen die Scheibe schnell tief spielen und das Spiel vor uns halten", führt der Coach der Adler Mannheim aus.

[kaltura id="0_uphkf6al" class="full_size" title="Viel Frust nach der Lettland Pleite"]

Drei Gegentore? "Das ist nicht schlecht"

Gegen die Letten habe die Mannschaft zu oft in der Rückwärtsbewegung auf die Konter reagieren müssen. Veränderungen werden voraussichtlich in der Zusammenstellung der Verteidigerpaare nicht geben (SERVICE: Die WM-Statistiken).

"Warum auch?", meint Kreis. "Wir haben in zwei Spielen drei Tore kassiert. Das ist nicht schlecht."

Viel Ehrfurcht vor Malkin

Debütant Sinan Akdag wird in seinem zweiten WM-Spiel nun gleich auf die Großen des Eishockeysports treffen. Der Krefelder Verteidiger spricht voller Ehrfurcht, wenn der Name Malkin fällt ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

Gegen Italien saß der gebürtige Rosenheimer auf der Tribüne, führte für die Trainer Statistik.

"In der Drittelpause habe ich die runter gebracht. Und dann waren da auf einmal die Russen. Ich habe Malkin das erste Mal richtig gesehen. Das war wie bei kleinen Kindern, wenn sie vor den Stars stehen", beschreibt Akdag die Situation.

Russen ein wenig uninformiert

Während die deutschen Spieler vor den großen Namen fast erstarren, sind die russischen Spieler noch nicht ganz so firm mit dem kommenden Gegner.

So meint Keeper Semjon Warlamow im Gespräch mit SPORT1: "Sie haben einen sehr schlauen Trainer, ich glaube er ist Kanadier."

Allerdings weiß der Goalie der Colorado Avalanche, welche Art Spiel auf sein Team zukommt.

Die Deutschen pushen, pushen

"Das letzte Mal habe ich gegen Deutschland vor zwei Jahren gespielt. Das war eine sehr harte Partie. Sie arbeiten drei Drittel lang sehr hart. Sie pushen, pushen, pushen und wissen wie man Eishockey spielt."

Es wird nur Zeit, dass die deutsche Mannschaft es auch umsetzt, sonst war es nicht das letzte Mal, dass Kölliker laut wird.

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