Ondruschka absolvierte in der Saison 2011/12 51 Spiele für die Straubing Tigers © getty

Gegen Lettland setzt das DEB-Team die Vorgaben zu spät um. Trotz der Schwächen ist die Überraschung gegen Russland möglich.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - "Einen Sieg", sagte Jakob Kölliker kurz und knapp.

Es wirkte doch recht abwegig, was der Bundestrainer antwortete, als er nach der 2:3-Niederlage gegen Lettland gefragt wurde, was er denn im nächsten Spiel gegen Russland erwarte (Di., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER, LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de).

Seine Mannschaft hatte sich nach dem 0:2 von Mikelis Redlihs in der 24. Minute zwar gesteigert und Moral bewiesen, als sie den Rückstand in ein 2:2 verwandelte, die Leistung im ersten Drittel und den ersten vier Minuten des zweiten lassen jedoch für das Spiel gegen die Sbornaja um die beiden Superstars Jewgeni Malkin und Pavel Dazjuk Böses erahnen.

Zu viele Fehler im Spiel nach vorn

"So wird das nichts", meinte auch Christopher Fischer im Interview mit SPORT1.

Zu weit weg von den Gegenspielern in der Defensive, zu viele Fehler und zu langsam im Spiel nach vorne - so präsentierte sich die Kölliker-Truppe.

"Wir haben zu kompliziert gespielt. Wir hatten Mühe mit unserem Break-out. Wir haben die Scheibe einen Tick zu lange am Schläger getragen", analysierte der Bundestrainer, der die Partie nicht einmal als großen Rückschlag ansah.

Dabei hatte der Schweizer im Training noch den Zug zum Tor trainiert. Einfach spielen wollte das DEB-Team, umgesetzt wurde es aber erst nach dem zweiten Gegentreffer.

"Wir haben dann die Scheibe schneller nach vorne gespielt", meinte Justin Krueger im Gespräch mit SPORT1. "Ähnlich wie die Letten. Deshalb ging das Spiel dann auch schnell hin und her. Unser Wille war groß, um zurückzukommen."

Und auch Kölliker bestätigte, dass er mit der Einstellung seiner Mannschaft völlig zufrieden war, einzig bei der Umsetzung gewisser Dinge zeigte sich der ehemalige Verteidiger unzufrieden.

"Vieles gut gemacht, aber ein zwei Fehler zu viel"

"Jeder hat alles gegeben. Wir haben vieles gut gemacht, aber ein, zwei Fehler zu viel", bemerkte er. "Wir haben nicht vieles schlecht gemacht, wir haben ansprechend gespielt."

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Ansprechend eben, aber nicht gut genug. Zumal die deutsche Mannschaft auch das körperlich harte, aber faire Spiel vermissen ließ.

"Wir haben nicht physisch genug gespielt. Wenn wir mehr den Körper gespielt hätten, hätten wir ihr Spiel langsamer gemacht. Wir brauchen einfach mehr Körpereinsatz", sagte Krueger und gab damit die Devise für die Partie gegen Russland vor.

"Wir müssen den Gegner durch mehr Checks langsamer machen, solider in der Defensive spielen - und zum Schluss weniger Strafen kassieren."

Derer drei waren es im Schlussabschnitt gegen Lettland - die letzte gegen Florian Ondruschka wegen Spielverzögerung bescherte den Letten den Siegtreffer.

Gegen Russland unnötige Strafe vermeiden

"Das kann passieren, wenn die Scheibe ein bisschen schräg auf der Schaufel liegt oder aufsteht", ließ Kölliker erst gar nicht Kritik an Ondruschka aufkommen.

Viel mehr störten ihn die beiden Strafen zuvor, die den Spielstand betreffend folgenlos blieben. "Wir haben zwei Offensivstrafen genommen, die den Gegner aufgebaut haben", sagte Kölliker und schüttelte dabei verständnislos den Kopf.

Gegen die russische Auswahl ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ) von Coach Sinetula Biljaletdinow muss das DEB-Team Strafen unbedingt vermeiden. Denn die Russen erwiesen sich in ihren bisherigen zwei Auftritten im Powerplay mit ihren herausragenden Einzelkönnern als eiskalt - vor allem in den entscheidenden Momenten.

Sollte sich die Kölliker-Truppe ähnlich schwach wie in den ersten 24 Minuten präsentieren und zum Ende wie gegen die Letten in Unterzahl wiederfinden, droht der deutschen Mannschaft eine Abreibung.

DEB-Team glaubt fest an den Erfolg

Dennoch ist der Glaube an einen Erfolg bei Trainer und Spielern vorhanden. "Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen", sagte Kölliker. "Dafür bereiten wir uns vor - für einen Sieg."

Und Krueger meinte: "Wir können an den Sieg glauben, weil wir es letztes Jahr schon einmal geschafft haben. Wir wissen, wie es geht."

Einfach spielen und mit körperlicher, aber fairer Härte die Sbornaja entnerven.

Denn dies zeigte schon das russische Spiel gegen die Norweger, sobald sie körperlich gefordert werden, macht den sonst so puckverliebten Russen das Spiel weit weniger Spaß.

Gegen die "Wikinger" ließen sie sich zu zahlreichen Strafzeiten hinreißen. Und im Penalty Killing offenbarte der Rekordweltmeister große Schwächen.

Wenn sich die deutsche Mannschaft also an die Vorgaben hält, ist ein Sieg gegen Russland doch nicht so abwegig.

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