Flügelmann Patrick Reimer (2.v.l.) spielt seit 2004 bei der DEG © getty

Im zweiten WM-Spiel gegen Lettland erwartet das DEB-Team ein physisch forderndes Duell. Lettlands Coach gibt sich philosophisch.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Eigentlich ist das Spiel gegen Italien (Nachbericht) bereits abgehakt, die Konzentration gilt nur dem kommenden Gegner Lettland.

Aber eines blieb aus dem Auftakt zur 76. Eishockey-Weltmeisterschaft in Stockholm und Helsinki im Kopf von Bundestrainer Jakob Kölliker hängen:

Der fehlende Druck zum Tor.

Deshalb ließ der Schweizer beim Training der deutschen Nationalmannschaft immer und immer wieder Übungen durchexerzieren, um den Zug zum Tor zu verbessern.

Körperlich und spielerisch härter

"Wir waren zu verspielt, uns hat die Geradlinigkeit gefehlt", sagte Italien-Torschütze Patrick Reimer im Gespräch mit SPORT1 nach dem Training.

Insgesamt fehlte dem Düsseldorfer Stürmer die Intensität. Gegen Lettland (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) wird dies ganz anders aussehen, davon ist Reimer überzeugt ( 553850 DIASHOW: Deutschland - Italien ).

"Das wird ein deutlich härteres Spiel, auch körperlich härter. Mir kam es vor, als wären wir noch nicht an die Grenzen gegangen, haben die Checks selten zu Ende gefahren."

Tempo und Druck fehlte

Für Kölliker eine logische Folge, die mit dem geringen Tempo aufgrund der tiefstehenden Italiener zusammenhing. "Wenn das Tempo niedrig ist, ist es schwierig, den Körper zu spielen."

Und auch Assistenz-Kapitän Kai Hospelt sah, dass sich dadurch Unkonzentriertheiten ins deutsche Spiel einschlichen. "Wenn etwas mehr Druck herrscht, dann spielen wir auch einfacher und dann werden die Fehler von alleine aufhören."

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Gegen die Letten erwartet Kölliker eine völlig neue Situation. "Wir werden lange nicht mehr so viel Puckbesitz haben und uns so viel im Drittel des Gegners bewegen."

Endras steht im Tor

Eines bleibt aber auch aus dem Italien-Spiel gleich: die Torhüter-Position. "Ich spiele", sagte Dennis Endras nach dem Training.

Allerdings ist dies für den Allgäuer auch eine neue Situation. "Bisher war es immer so, dass ich nach jedem Shutout bei einer WM im nächsten Spiel auf der Bank saß", erinnerte sich Endras und fügte lachend hinzu: "Ich habe schon überlegt, ob ich einen reinlasse."

Kein Grund zu wechseln

Für Kölliker ist Endras die logische Wahl. "Wenn ein Torhüter zu null spielt, und die Mannschaft recht stabil gestanden ist - und da spielt der Gegner keine Rolle -, gibt es keinen Grund zu wechseln", sagte der Schweizer.

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Ob Endras auch nach dem Lettland-Spiel zum Einsatz kommt, ließ er offen: "Wir haben ihn für die Spiele aufgebaut, aber für wie lange, wissen wir nicht."

Und auch in der Reihenzusammenstellung ist Kölliker soweit zufrieden. "Wir werden nicht zwingend Veränderungen vornehmen, weil das Team funktioniert", sagte der Nachfolger von Uwe Krupp. (EXKLUSIV: Felix Schütz im SPORT1-Interview)

Riga ist Dinamo Lettland

Zudem weiß er, was auf seine Truppe zukommt. "Wir haben deswegen auch gegen Weißrussland getestet, die spielen ähnlich" sagte Kölliker

"Lettland ist eine Mannschaft mit russischer Schule. Wir erwarten einen sehr starken Gegner und ein technisch und läuferisch anspruchsvolles Spiel."

Und auch Hospelt kennt die lettische Truppe recht gut. Der Großteil des lettischen Nationalteams steht bei Dinamo Riga unter Vertrag. Mit dem KHL-Klub bekam Hospelt es beim Spengler Cup mit Wolfsburg zu tun ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

"Daher dürften die recht gut eingespielt sein", meinte der Mittelstürmer.

Tagesform entscheidet

Favorit oder Außenseiter, das gibt es bei dieser Partie nicht, auch wenn die DEB-Auswahl in der Weltrangliste fünf Plätze über den Letten rangiert.

"Die Favoritenrolle kann man keinem zuschieben", sagte Endras und sein verletzter Teamkollege Jochen Reimer meint: "Ein Spiel auf Augenhöhe, da wird der mit der besseren Tagesform gewinnen."

Auf die Frage, ob denn nach dem Italien-Spiel die WM jetzt erst richtig beginne, meinte Kölliker. "Jedes Spiel ist ein neuer Auftakt. Wir nehmen Spiel für Spiel, Drittel für Drittel, Wechsel für Wechsel."

Nolan philosophiert

Ähnlich philosophisch präsentierte sich Lettlands Coach Ted Nolan nach dem 2:5 zum Auftakt (News) gegen die russische Auswahl mit Blick aufs Deutschland-Spiel.

"Wir nehmen jeden Gegner ernst", sagte Nolan bei SPORT1, "aber das Wichtigste bist du selbst, nicht der Gegner. Du selbst bist der größte Gegner."

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