Marcel Goc ist bei der WM der einzige NHL-Profi im deutschen Kader © imago

Vor dem WM-Auftaktspiel gegen Italien spricht Marcel Goc über seine Rolle im Team. Für Sulzers Absage hat er Verständnis.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Nach dem Ausfall von Kapitän Michael Wolf und den Absagen der NHL-Profis Christian Ehrhoff, Dennis Seidenberg und Alexander Sulzer ruhen auf ihm die Hoffnungen: Marcel Goc.

Der Center der Florida Panthers soll die Mannschaft bei der 76. Eishockey-WM (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAMauf SPORT1.de) ins Viertelfinale führen. Um das zu unterstreichen, ernannte ihn Bundestrainer Jakob Kölliker am Donnerstag zum Kapitän des deutschen Teams.

Vor dem Auftaktspiel gegen Italien am Freitag (ab 12 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und im LIVE-TICKER) spricht Goc bei SPORT1 über seine Rolle im Team, die Absagen der deutschen NHL-Spieler und die Ziele.

SPORT1: Herr Goc, von Miami nach New Jersey, zurück nach Florida, wieder nach New Jersey und wieder zurück nach Miami. Anschließend nach Deutschland und nun nach Stockholm. Nehmen Sie eigentlich noch wahr, wo Sie sich im Moment aufhalten?

Marcel Goc: Ja, ganz so schlimm ist es nicht. Es ist natürlich schon sehr stressig mit dem vielen Reisen, aber einzig der Flug nach Deutschland zehrt an einem.

SPORT1: Konnten Sie ein paar Tage daheim genießen?

Goc: Allzu lang war es ja nicht. Aber ich habe dann gleich versucht, in den richtigen Schlafrhythmus zu kommen, damit ich nicht mit Jetlag in Schweden ankomme.

SPORT1: Warum war es für Sie selbstverständlich, für die WM zur Verfügung zu stehen?

Goc: Weil ich mit Florida aus den Playoffs ausgeschieden bin. Und ich hatte Köbi (Bundestrainer Jakob Kölliker, Anm. d. Red.) bei seiner USA-Reise gesagt, wenn ich zum Zeitpunkt der WM keine Playoffs mehr spielen sollte, und er mich im Team haben will, stehe ich zur Verfügung. Außerdem ist es für mich etwas Besonderes, wenn ich mit meinem Bruder spielen kann.

SPORT1: Christian Ehrhoff, Dennis Seidenberg und Alexander Sulzer haben abgesagt. Sind Sie darüber enttäuscht?

[image id="36d4204b-6454-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Goc: Der Christian hat wegen seiner Verletzung abgesagt. Und der Alex hat vor zehn Tagen einen Sohnemann bekommen. Da hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert. Die Familie geht vor. Wenn gerade das Kind auf die Welt gekommen ist, sollte man die Zeit mit der Familie verbringen.

SPORT1: Sie haben vorher Ihren Bruder schon angesprochen. Ist das Zusammenkommen mit den Spielern der Nationalmannschaft aufgrund der guten Stimmung untereinander eine Art Familientreffen?

Goc: Ich freue mich natürlich, die Jungs nach so langer Zeit wieder zu sehen. Sie sehen sich ja in der Liga sehr häufig oder spielen im Verein zusammen. Den Großteil kenne ich ja noch von der WM 2010 sehr gut und ich hoffe, dass wir zusammen wieder eine gute WM spielen.

SPORT1: Wie sehr haben Sie noch die Erlebnisse von der Heim-WM 2010 im Hinterkopf?

Goc: An die WM erinnere ich mich natürlich gerne. Für jeden Spieler, der dabei war, war es ein unvergessliches Erlebnis. Und das stachelt einen natürlich an.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre Rolle in der Nationalmannschaft? Jochen Reimer hat gemeint, dass Sie ein besonderes Standing genießen.

Goc: Ich bin zwar der einzige aus der NHL, aber ich bin auch nur einer von 25. Sicherlich kenne ich die gegnerischen NHL-Spieler besser und kann dann Tipps zu denen geben. Man darf nicht vergessen, die Jungs spielen schon lange die Vorbereitung zusammen und ich bin jetzt erst dazugekommen. Aber ich glaube, ich bin recht unkompliziert und kann mich schnell einfügen ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

[kaltura id="0_w9uj302n" class="full_size" title="SPORT1 bei Dennis Endras zu Hause"]

SPORT1: Sie haben in der NHL zuletzt sehr gute Kritiken erhalten. Fühlen Sie sich im Moment in Topform?

Goc: Die Saison ist für mich persönlich gut gelaufen. In den Playoffs habe ich sehr viel Eiszeit erhalten und war mit meiner Leistung auch sehr zufrieden. Ich hoffe, dass ich auf dem Niveau weiterspielen und den einen oder anderen mitziehen kann.

SPORT1: Was ist Ihr Ziel bei der WM?

Goc: Die Vorbereitung ist sehr gut verlaufen. Wenn wir so weiterspielen, wenn jeder auf seine Aufgaben achtet, können wir Einiges erreichen. Der vierte Platz in der Gruppe bedeutet das Viertelfinale. Das ist ein Ziel, das man sich setzen kann. Dafür müssen wir die Punkte gegen Lettland, Dänemark, Norwegen und gleich zu Beginn gegen Italien einfahren.

SPORT1: Dennis Endras sprach von seinem persönlichen Ziel Halbfinale. Ist es möglich?

Goc: Möglich ist viel, klar. Aber das ist schon sehr weit vorausgeschaut. Unsere Konzentration sollte erst einmal auf der Gruppe liegen - und da sollten wir von Spiel zu Spiel schauen. Man darf keines dieser Spiele zu locker nehmen, denn sonst läufst du schnell mal hinterher und dann musst du einen Großen wie Russland oder Schweden schlagen. Und das ist keine leichte Aufgabe (lacht).

Weiterlesen