Jakob Kölliker wurde 2007 in die Eishockey-Hall-of-Fame aufgenommen © getty

Vor der Eishockey-WM spricht Bundestrainer Kölliker bei SPORT1 über Vorbereitung und Erwartungen. NHL-Star Goc nimmt er Last ab.

Von Rainer Nachtwey

München - Die Vorbereitung ist abgeschlossen, die deutschen Spieler und Trainer fiebern dem Turnierstart der Eishockey-WM in Finnland und Schweden am 4. Mai (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) entgegen.

Für die DEB-Auswahl verlief die Vorbereitung sehr erfolgreich - die Truppe von Bundestrainer Jakob Kölliker blieb nach regulärer Spielzeit ungeschlagen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Im Interview der Woche spricht Kölliker - der womöglich bald auch Sportdirektor des DEB werden wird (News) - über die Erkenntnisse aus der Vorbereitung, die Torhüter-Situation, die Ziele und seine Erwartungen an den einzigen NHL-Legionär Marcel Goc.

SPORT1: Herr Kölliker, welche Lehren ziehen Sie aus der Vorbereitung?

Jakob Kölliker: Es ist noch nicht alles so, wie wir es uns vorstellen. Aber wir wissen auch und haben schon gesehen, dass Vieles gut klappt. Als Trainer kann man natürlich nicht alles zu 100 Prozent so umsetzen, wie es verlangt wird, aber insgesamt sieht es recht gut aus.

SPORT1: Wo gilt es noch Verbesserungen vorzunehmen?

Kölliker: Verbesserungen muss man gar nicht zwingend vornehmen. Es geht nur darum konsequenter Entscheidungen treffen zu können. Wir müssen täglich an uns arbeiten, aber weder vom System her noch von der Spielanlage müssen wir etwas verändern, nur an den Details gilt es zu arbeiten.

SPORT1: Gegen Russland, Tschechien und die Slowakei hat die Mannschaft im Penaltyschießen verloren, das sind drei von vier - nur Dänemark wurde geschlagen. Bereiten Ihnen die Niederlagen im Shootout Sorgen (BERICHT: Penalty-K.o. bei der Generalprobe)?

Kölliker: Nein, überhaupt nicht. Da gehört immer Glück dazu und das Toreschießen kann man selbst im Training nicht wie im Spiel simulieren. Das Penaltyschießen ist nun einmal reine Glückssache.

SPORT1: Worauf haben Sie bei der endgültigen Zusammenstellung des Kaders Wert gelegt?

[kaltura id="0_znq69w2o" class="full_size" title="DEB Team verliert Generalprobe im Shootout"]

Kölliker: Auf die Ausgeglichenheit und die Charaktere der Spieler. Wir müssen die richtigen Rollen verteilen können und es geht darum, dass sich jeder Spieler in seiner Rolle findet. Das ist neben der guten Balance zwischen Offensive und Defensive das Wichtigste.

SPORT1: Sie haben Thomas Greiss und Rob Zepp nicht in den Kader berufen. Haben Sie sich damit auf Dennis Endras als Nummer eins festgelegt (WM-Nominierung: Bauchschmerzen bei Kölliker)?

Kölliker: Wir haben keine Nummer eins. Wir müssen uns nur festlegen, wer das Turnier beginnt - alle Torhüter haben zuletzt sehr gute Leistungen gezeigt. Die Tendenz geht in Richtung Dennis Endras, aber entschieden ist noch nichts. Man muss auch immer auf den gesundheitlichen Zustand achten.

SPORT1: Werden Sie von Spiel zu Spiel entscheiden, wer im Tor steht, oder legen Sie sich nach der ersten Partie auf einen fest?

Kölliker: Das wird nach jedem Spiel neu eingeschätzt, je nachdem, wer der Gegner ist. Möglicherweise stellt sich ein Torhüter besser auf die Spielweise eines Gegners ein, als ein Kollege. Deshalb entscheiden wir von Spiel zu Spiel.

SPORT1: Wann würden Sie von einer erfolgreichen WM sprechen?

Kölliker: Wenn wir uns für Olympia qualifizieren. Das ist das primäre Ziel, denn wenn wir das schaffen, hieße das, dass wir eine gute Platzierung erreicht haben.

SPORT1: Was erwarten Sie sich von Marcel Goc?

Kölliker: Ich erwarte nicht allzu viel von ihm. Zunächst muss er hier ankommen, sich dem Team präsentieren. Wir wissen alle, dass Marcel ein guter Spieler ist, der uns helfen kann, aber unser Spiel darf nicht von ihm abhängen. Ob er eine gute WM spielt oder eine durchschnittliche, darf unser Spiel nicht beeinflussen. Wir sind gut gerüstet und haben sehr gute Spieler in unseren Reihen - Marcel ist dennoch eine willkommene Ergänzung, aber wir dürfen nicht alles auf ihn setzen.

SPORT1: Wie sehr haben Sie sich über die Absagen von Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff, Alexander Sulzer, Constantin Braun und Frank Hördler geärgert? Die fünf gehören schließlich zu Deutschlands besten Verteidigern.

Kölliker: Ich habe mich überhaupt nicht geärgert. Ich habe großen Respekt für alle Spieler und ihre Leistungen über das Jahr verteilt. Viele hatten mit Verletzungen zu kämpfen und haben auch in den Playoffs Großes geleistet, dafür habe ich großen Respekt. Diese Entscheidungen sind für mich deshalb kein Problem.

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