Niklas Sundblad trainierte die Ingolstädter Panther nur eine Saison. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des DEL-Finales © imago

Geschäftsführer Claus Gröbner erklärt bei SPORT1.fm das überraschende Aus von Meister-Trainer Niklas Sundblad beim ERC Ingolstadt.

Ingolstadt/München - Statt sich in einem nicht enden wollenden Feiermarathon in den Armen zu liegen, fliegen beim neuen deutschen Eishockey-Meister ERC Ingolstadt (BERICHT: Greilinger und Ingolstadt: Wie im Märchen) die Fetzen.

Coach Niklas Sundblad wollte seinen Vertrag offenbar verlängern, darf es aber nicht (News).

Beide Seiten schieben sich nach den gescheiterten Verhandlungen die Schuld zu. Sportdirektor Jiri Ehrenberger sondiert ab sofort den Markt. Dabei wollte der 41-Jährige Sundblad dem ERC eigentlich an diesem am Mittwoch seine Zusage für weitere zwei Jahre geben - der Schwede wurde von der Absage total überrascht.

"Total enttäuscht"

Man hatte sich demnach auf ein Jahressalär im niedrigen sechsstelligen Bereich verständigt. "Ich bin total enttäuscht darüber, wie es gelaufen ist. Mein Agent und ich hatten uns am Montagabend 24 Stunden Bedenkzeit erbeten. Die Saison war lang, und ich wollte erst einmal runterkommen", sagte Sundblad dem Fachblatt "Eishockey News".

Am Dienstagabend hatte Sundblad als Co-Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM-Generalprobe gegen die USA (1:3) an der Bande gestanden (BERICHT: USA überrumpeln DEB-Team).

Auf Nachfrage von SPORT1 wollte er nicht über seinen nunmehr ehemaligen Verein sprechen. Der Klub sieht die Schuld bei ihm.

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Interesse aus München

"Niklas Sundblad war unser erster Ansprechpartner, mit dem wir gerne etwas aufgebaut hätten. Wir haben nach einem Weg gesucht, um mit ihm weiter zusammenzuarbeiten", erklärte Geschäftsführer Claus Gröbner im Gespräch mit SPORT1.fm. "Wir haben alle Wünsche und Vorstellungen erfüllt."

Es sollte nicht reichen. Die Oberbayern erklärten, das Management Sundblads habe in den Vertragsgesprächen mehrere Fristen unbeantwortet verstreichen lassen. "Ich hatte im Dezember einen neuen Vertrag vorliegen, der wurde zurückgezogen", schilderte Sundblad.

Dann habe er ein schlechteres Angebot bekommen, deshalb abgelehnt, aber schließlich noch "ein sehr gutes Angebot" erhalten.

Zuletzt hatte der finanzkräftige bayerische Ligarivale Red Bull München intensiv um den Meistertrainer gebuhlt, und auch bei den Adlern Mannheim wird Sundblad gehandelt. Das Münchner Interesse hatte Sundblad noch während der Playoffs im Gespräch mit SPORT1 nicht dementiert.

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Zahlreiche Spieler sind weg

Diese Optionen dürften für ihn nun noch reizvoller sein, zumal der ERC auf seinem Standpunkt beharrt.

"Er und wir wissen, wie die Fakten sind", sagte Gröbner dem Sender "Sky Sport News HD". So ist der ERC derzeit - gleich, wo die Wahrheit liegt - so etwas wie das Sinnbild des ramponierten Meisterpokals, dem die Ingolstädter nach ihrem Triumph gegen die Kölner Haie während der ausgelassenen Siegesparty den Henkel abgerissen hatten.

Denn neben Sundblad sind Kapitän Tyler Bouck, Play-off-Topscorer Travis Turnbull, die Verteidiger Tim Conboy und Jakub Ficenec, Ersatztorwart Markus Janka und Stürmer Ziga Jeglic schon weg.

Zumindest die herausragenden deutschen Spieler Patrick Köppchen und Timo Pielmeier werden bleiben.

Geschäftsführer Claus Gröbner bei SPORT1.fm

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Gröbner nennt Anforderungsprofil

"Wir werden auch in der kommenden Spielzeit in den Playoffs eine wichtige Rolle spielen", meinte Ehrenberger trotzig. Er muss sich nun auf die Suche nach einem neuen Trainer machen.

International erfahren soll dieser sein, erklärte Gröbner bei SPORT1.fm, und den Ingolstädter Weg weiter gehen.

Gespräche mit potentiellen Kandidaten seien bisher aber noch keine geführt worden.

Panther verlängern mit Hahn

Trotz der Querelen rund um seinen Verein und das Aus Sundblads sieht Gröbner den ERC weiter hervorragend aufgestellt.

"Wir sind in Ingolstadt erfolgreiches Eishockey gewohnt. Wir haben eine wahnsinnig gute wirtschaftliche Situation hier", sagte er und nannte den Grund dafür: "Eishockey ist die Nummer eins und wird breit getragen durch die Großindustrie, aber auch durch den Mittelstand."

Der Meister hatte dann doch noch eine positive Nachricht zu vermelden. Die Panther verlängerten den Vertrag mit Stürmer Derek Hahn (36) um ein Jahr. Der kanadische Spielmacher hatte mit seinen Leistungen einen wesentlichen Anteil am Titelgewinn.

Hahn kam 2011 von den Straubing Tigers zu den Panthern. "Derek wollten wir unbedingt halten", sagte Ehrenberger. Bei Sundblad war das offenbar nicht so.

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