Die Kölner haben zum zweiten Mal in Folge eine Endspiel-Serie verloren. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder zum DEL-Finale © getty

Nach der Final-Pleite arbeiten Uwe Krupp und Lance Nethery bereits am neuen Team. Der erste Zugang ist unter Dach und Fach.

Von Patrick Mayer

München/Köln - Lance Nethery ist schon wieder im Angriffsmodus.

"Wir werden überall suchen. In der DEL, egal woher, wir suchen Spieler, die passen. Wir suchen Leute von Schweden bis Finnland, von Nordamerika bis Slowenien, überall", sagt der Geschäftsführer der Kölner Haie im Gespräch mit SPORT1.

Der 56-Jährige nimmt sich nach der Final-Pleite in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen den ERC Ingolstadt keine Zeit zur Frustbewältigung.(BERICHT: Meister! Ingolstadt holt Titel in Köln)

Der Kanadier und Chefcoach Uwe Krupp arbeiten unermüdlich weiter an der ersten Meisterschaft seit dem Jahr 2002.

Klare Worte vom starken Mann

"Am nächsten Tag muss man aufstehen, zur Arbeit gehen und für die nächste Saison planen", sagt Nethery.

Und so machen sich der Manager und der ehemalige Stanley-Cup-Gewinner Krupp ans Werk.

Krupps Position ist in Köln unumstritten. Der 48-Jährige ehemalige Bundestrainer ist der starke Mann beim KEC. Er ist es, der nun mit seinem Team spricht.

"Das macht Uwe Krupp, nicht ich. In den nächsten paar Tagen werden wir die Saison analysieren und dann werden wir Anfang nächster Woche mit unserem Plan für nächstes Jahr los legen", schildert Nethery.

Spieler mit langfristigen Verträgen

Und die Haie haben einen Vorteil gegenüber vielen Kontrahenten.

Etliche Spieler haben langfristige Verträge, was im Eishockey nicht unbedingt üblich ist. Meister Ingolstadt zum Beispiel droht ein regelrechter Aderlass (NEWS: Janka verlässt Meister Ingolstadt).

Nur einzelne Spieler verfügen über keinen neuen Kontrakt, zum Beispiel Kapitän John Tripp.

Krupp werde entscheiden, "welchen Spieler wir brauchen und welchen nicht", erklärt Nethery das weitere Vorgehen: "Wenn wir mit unserer Mannschaft durch sind, werden wir entscheiden, ob wir Neuverpflichtungen brauchen und uns auf die Suche machen."

Stolzer Etat innerhalb der Liga

Die Mannschaft habe trotz des verlorenen Finales bewiesen, dass sie schlagkräftig sei. Deswegen würden die Haie mit einem nahezu unveränderten Etat in die neue Saison gehen, schildert er. (STENOGRAMME: Playoff-Finale)

In der Spielzeit 2013/2014 ließen sich die Rheinländer die DEL kolportierte 7 Millionen Euro kosten. Nur die Adler Mannheim, die Eisbären Berlin und der EHC Red Bull pumpten mehr Mittel in ihre Mannschaften und deren Infrastruktur.

"Wir werden mit dem ungefähr selben Etat arbeiten, das reicht völlig aus, um eine erfolgreiche Mannschaft zusammenzustellen", sagt Nethery.

Bis zu fünf Neuverpflichtungen

Dabei hat der KEC in den längsten Playoffs in der Geschichte der DEL kräftig abkassiert. (DATENCENTER: Playoffs)

Jedes der vier Final-Heimspiele in der jeweils mit 18.571 Zuschauern ausverkauften Lanxess-Arena bescherte dem KEC Mehreinnahmen von 200.000 Euro. SHOP: Jetzt Eishockey-Fanartikel kaufen

Das ist viel Geld im Eishockey. Nethery bestätigte die Schätzung auf Nachfrage von SPORT1.

Und er erklärt, "dass wir uns vielleicht drei, vier oder fünf Neuverpflichtungen leisten können".

Sulzer kommt von den Buffalo Sabres

Den ersten Zugang ist NHL-Profi Alexander Sulzer, 29.

Der Nationalspieler kommt von den Buffalo Sabres und erhält einen langfristigen Vertrag bis 2019. Er war 2007 nach Nordamerika gewechselt.

Verteidiger Sulzer hat in der DEL bislang für die Hamburg Freezers, die Düsseldorfer EG und den neuen deutschen Meister ERC Ingolstadt gespielt.

Der zweimalige Olympia- und dreimalige WM-Teilnehmer stand in der NHL für die Nashville Predators, Florida Panthers, Vancouver Canucks sowie Buffalo auf dem Eis.

Insgesamt absolvierte der gebürtige Kaufbeurer 131 Partien in der Profiliga.

Aus der Vergangenheit gelernt

Doch sie werden sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen in Köln-Deutz.

Denn sie haben aus der Vergangenheit gelernt. Vor vier Jahren stand der Traditionsverein hochverschuldet vor der Insolvenz.

Eine Investorengruppe aus Koblenz und ein kompromisslos durchgesetzter Plan zur wirtschaftlichen Gesundung verhinderten das Aus.

Die Arena, so spektakulär sie für deutsche Verhältnisse sein mag, drückt aufs Budget.

"Sie gehört einem Privatunternehmer, wir müssen für jedes Spiel Miete zahlen", erzählt Nethery.

Fokus auf eigene Talente

Zum Selbstverständnis der Rheinländer gehört deshalb, auch künftig auf Jungs aus eigener Ausbildung zu setzen.

Marcel Ohmann, Philip Gogulla, Torsten Ankert und Moritz Müller machten den Anfang.

"Wir brauchen etwas Zeit. Unsere Juniorenmannschaft ist erst in diesem Jahr in die DNL aufgestiegen", sagt er: "Sie hat sehr stabil gespielt und war im Halbfinale. Ich denke, dass wir nächstes Jahr oder vielleicht übernächstes Jahr den einen oder anderen guten Spieler aus der DNL dazuholen können."

Netherys und Krupps Motivation kennt auch nach der zweiten verloren Endspiel-Serie in Folge keine Grenzen, 2013 hatte es gegen die Eisbären Berlin nicht gereicht.

"Ich bin heute Morgen aus der Wohnung raus, dann hat jemand angehalten, stieg aus seinem Auto aus und sagte zu mir: Kopf hoch, Herr Nethery, wir werden das nächstes Jahr schaffen?, erzählt Nethery: "Das ist die Stimmung in der Stadt."

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