Andreas Renz kam 892 Mal in der Deustchen Eishockey Liga zum Einsatz © imago

Der Veteran kennt die DEL aus dem Eff-eff: Bei SPORT1 erklärt er, warum man Berlin nie abschreiben darf und die Haie oben sind.

Von Patrick Mayer

München - 892 Mal lief Andreas Renz als knallharter Verteidiger in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf. Bis Februar 2011 war er Rekordspieler.

Neun Jahre spielte der heute 36-Jährige für den aktuellen Spitzenreiter, die Kölner Haie. Er kennt die Liga aus dem Eff-eff.

Bei SPORT1 zieht der heute selbständige Spielerberater eine Zwischenbilanz zur aktuellen Saison.

Renz nennt Absteiger, Bergsteiger, Überraschungsteams und Konstanten.

ABSTEIGER

Eisbären Berlin: "Vorsicht bei den Eisbären", sagt Andreas Renz über den Rekordmeister, der aktuell nur auf dem neunten Platz steht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Berliner hätten schon in der Vorsaison einen holprigen Start gehabt und erst am Ende "alles in Grund und Boden gespielt".

Für ihn ist der Titelverteidiger weiter ein Meisterschaftsanwärter - zuletzt siegten sie mit 5:4 gegen die Haie.

Wegen Felski und Co.: Berlin schwächelt

Die teils schwachen Leistungen zuvor begründet er mit dem personellen Aderlass:

"Es sind unheimlich erfahrene Spieler weggebrochen. Sven Felski hat aufgehört, Stefan Ustorf und Denis Pederson. Das waren Persönlichkeiten."

Ihre spielerische Qualität sei unbestritten. Es bleibe die Frage, ob sie einen absoluten Leader haben, der auch mal auf den Tisch haue, meint er. Die jungen Deutschen hätten alle sechs Meister-Ringe am Finger, "aber haben sie auch eine Hierarchie gefunden?"

BERGSTEIGER

Hamburg Freezers: Die Norddeutschen sind aktuell Tabellen-Dritter. Hamburg habe einen Sinneswandel hinter sich und dieser sei maßgeblich für den Erfolg, meint Renz. Früher hätten die Freezers viel investiert, schildert er, doch das allein habe nicht genügt.

"Früher wurde nur nach Namen eingekauft", meint er. Jetzt setzten sie mehr auf talentierte deutsche Spieler, sagt er und nennt als Beispiel den 23 Jahre alten Jerome Flaake, mit dem er in Köln zusammenspielte. "Sie haben ihn nicht verheizt, sondern ihm Zeit gegeben."

Solch' ein junger Spieler müsse in wichtigen Situationen aufs Eis geschmissen werden. "Jetzt zahlen sie das in sie gesteckte Vertrauen zurück."

ÜBERRASCHUNGEN

Krefelder Pinguine: "Dort stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt Renz. Krefeld hat einen geschätzten Gesamt-Etat von 4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Meister Berlin ist in diesem Ranking mit 7,5 Millionen spitze, gefolgt von den Adler Mannheim (7,4 Millionen), Hamburg (7 Millionen) und den Kölner Haien (6,5 Millionen).

"Die haben ihren guten deutschen Stamm, ergänzt durch Top-Spieler aus dem Ausland - das ist das Erfolgsrezept", sagt er. "Jedes Jahr wechseln neue Talente dorthin, weil sie wissen, dass der Klub ihnen vertraut." Nationalspieler Sinan Akdag sei nur ein Beispiel.

Dass die Pinguine trotz begrenzter Mittel vor spektakulären Neuverpflichtungen nicht zurückschrecken, bewiesen sie jüngst: Sie nahmen den früheren NHL-Spieler Joel Perrault unter Vertrag - und hoffen, dass auch bei ihm das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

ENTTÄUSCHUNGEN

Adler Mannheim: "Sie haben einen sehr schlechten Saisonstart erwischt", sagt Renz. Es sei eine explosive Situation: Wehe, wenn die teuren Neuzugänge ihre Leistung nicht bringen, meint er.

"Jeder will der Top-Mann an der blauen Linie sein", sagt er, "die Frage ist: Akzeptieren die Top-Spieler eine andere Rolle."

Ein Unterzahlstürmer, der lieber bei Überzahl spiele; ein Mann aus der vierten Linie, der denke, er müsste in der dritten Reihe stehen - solche Probleme gebe es bei den Adlern immer wieder, meint Renz. "Ein Meisterschaftskandidat sind sie nach wie vor."

München braucht Geduld

EHC Red Bull München: Die Münchner müssten Geduld haben, sagt Renz. "Man kann nicht denken, wir kaufen uns eine Mannschaft zusammen und werden Meister. Gott sei Dank funktioniert Sport nicht so." Dabei stießen die Verantwortlichen zu Saisonbeginn forsche Töne an - vor allem der neue Coach Pierre Page.

"Das ist natürlich einer, der polarisieren möchte. In München musst du diese Sprache sprechen. Wenn du dort sagst, ich will in die Play-offs kommen, interessiert das in der Stadt keinen Menschen", sagt Renz. Es sei eine zusammengewürfelte Truppe. "Das braucht Zeit."

Dann seien auch die Play-offs drin, meint er.

KONSTANTEN

Kölner Haie: Die sind Tabellenführer. "Hier tut jeder alles für den gemeinsamen Erfolg", erzählt er über seinen früheren Klub. "Da gibt?s reihenweise Charakter-Spieler, die stolz sind, den Hai auf der Brust zu tragen. In dieser Stadt kannst du kein Mittelklasse-Eishockey verkaufen."

Das hätten sie vor Jahren versucht, als sie einem jungen Team die Zeit geben wollten. "Doch das hat nicht funktioniert." Mit neuen Investoren und Trainer Uwe Krupp als Konstante sei der Erfolg zurückgekehrt.

"Der plant den Erfolg durch harte Arbeit. Ich kenne die Jungs. Sie schuften den ganzen Sommer durch und rennen dann andere Teams in Grund und Boden", erzählt Renz und lobt den Coach.

"Er hat diese Mischung aus Spaß, Freude und harter Arbeit. Die Jungs wissen: Wenn wir marschieren, haben wir Spaß mit Krupp."

DEG im freien Fall

Düsseldorfer EG: Spaß haben die Fans der DEG nur noch selten. Der Traditionsverein ist Tabellenletzter. "Die Düsseldorfer sind das Negativbeispiel des modernen Eishockey", sagt er. Der Umzug in die Multifunktionsarena am Stadtrand sei der Anfang vom Niedergang gewesen.

"Eishockey früher an der Brehmstraße, das war Kult. Da bist du als Kölner aufs Eis gegangen und dein Trikot hat vibriert, so gepfiffen haben die. Die Halle grenzt unmittelbar an die Altstadt, die Jungs sind früher nach Siegen mit den Fans zum Feiern dorthin", erzählt er.

Umzug als Fehler

Doch beim Umzug seien viele Fehler gemacht worden: Die Kultfans hätten die neue Heimstätte abgelehnt, potentiellen Anhängern sei das Angebot nicht attraktiv genug gewesen.

"Sponsoren brachen weg und heute spielen sie in der Arena vor 3000 Fans", schildert er. Dabei hat der ISS Dome hat ein Fassungsvermögen von 13.400 Zuschauern. Dass Düsseldorf da unten steht, sei keine Überraschung, meint er. Die Riesen-Halle schlucke zu viel vom Etat.

Das Team sei zwar jung und motiviert, "du musst aber mehr, als nur kämpfen können".

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