Bobby Goepfert wird noch im Stadion vom Notarzt versorgt © getty

Während in der DEL diskutiert wird, wie man die Spieler besser schützen kann, will DEG-Keeper Goepfert schnell zurück aufs Eis.

Von Andreas Reiners

Düsseldorf - Bobby Goepfert konnte schon wieder lachen.

Nur die roten Flecken an seinem Hals deuteten an, was dem Torhüter der Düsseldorfer EG passiert war.

Am Sonntag noch schwebte Goepfert in Lebensgefahr, keine 24 Stunden später hatte der US-Amerikaner den Zwischenfall schon wieder abgehakt.

Und nahm ihn dann auch gleich auf seine eigene Kappe.

"Ich habe den Puck falsch eingeschätzt"

"Es war mein Fehler, ich habe den Puck falsch eingeschätzt. Schlimme Dinge können immer passieren, es war einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände", sagte Goepfert, der im Rheinderby in der DEL gegen die Kölner Haie in der 30. Minute von einem Schlagschuss von Nathan Robinson am Kehlkopf getroffen worden war (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)..

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist in der Tat auch Goepferts Schuld, denn er verzichtete auf den Halsschutz.

Der Grund: Seine Sicht in alle Richtungen sei eingeschränkt, die Beweglichkeit ebenfalls.

"Ich habe ihn ausprobiert, aber ich mag das Ding nicht so sehr. Ich bin damit nie klargekommen", sagte der Keeper.

In der Jugend Pflicht, im Profibereich freiwillig

Doch Goepfert hat gelernt und will den Schutz ab sofort tragen.

Das grundsätzliche Problem: Ein Halsschutz ist in der Jugend Pflicht, im Profibereich allerdings freiwillig.

DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln war passenderweise gerade in den USA auf einer Konferenz für die Entwicklung von Eishockey-Schutzausrüstung und auf dem Weg zum Flughafen, als er von dem Zwischenfall erfuhr.

"Man kann immer mehr machen"

"Wir erfüllen den weltweiten Standard, aber natürlich kann man immer mehr machen. Aus der kurzen Entfernung, mit dem Kopf zur Seite und aus dem Winkel von unten drunter - es gibt noch keinen Schutz, der Schlagschüsse abhält, weil dort keiner hinkommen dürfte", so von Ameln zu SPORT1.

Zudem ist die primäre Funktion des Halsschutzes, Kufenschnittwunden abzuwehren. Ein solcher Schutz hätte die Wucht des Pucks aber möglicherweise abgefedert.

Goepfert hatte bereits per Twitter seine Torhüter-Kollegen gewarnt, den Kopf wegzudrehen und stattdessen die Maske ihre Arbeit verrichten zu lassen. "Man kann den Sport nicht zu einhundert Prozent sicher machen. Ein Verletzungsrisiko ist immer da", so von Ameln.

Die Diskussion ist nicht zu Ende

Wird denn jetzt eine Sicherheitsdiskussion angeregt? "Wir diskutieren jetzt im kleinen Kreis, ob wir aktiv werden müssen. Dann müssen wir schauen, ob der Bedarf da ist. Die Diskussion ist nicht zu Ende."

Ob der Schutz nun Pflicht wird, ist momentan offen. "Wir schauen auch, was man im Halsbereich noch machen und schützen kann", erklärte von Ameln.

Köberle warnt vor Sicherheitsdiskussion

DEG-Manager Walter Köberle hält eine Sicherheitsdiskussion für übertrieben. "Das ist einfach Pech. Wir haben früher noch ohne Helm gespielt. Die Zeiten sind natürlich vorbei, aber du kannst ja auch nicht mit einem Panzerschutz spielen. Eine hundertprozentige Absicherung gibt es nicht. Man bauscht das jetzt unwahrscheinlich auf, aber das war einmalig", sagte Köberle SPORT1.

Bundestrainer Pat Cortina hat die dramatischen Szenen im TV gesehen. Sein erster Gedanke?

"Autsch! Das ist schrecklich. So etwas will man nicht sehen, auch wenn es halt manchmal vorkommt", so der Italo-Kandier zu SPORT1.

Eine Sicherheitsdiskussion hält Cortina auch für übertrieben. "In den vergangenen Jahren hat es viel Arbeit für die Sicherheit der Spieler gegeben. Das sind jetzt aber unglückliche Umstände gewesen. Er wurde dort getroffen, wo er keinen Schutz hatte", so Cortina.

Cortina: "Sehr, sehr, sehr selten"

Sollte der Schutz denn nun Pflicht werden?

"Die Torhüter sind sehr zuversichtlich, dass sie solche Schüsse mit den Armen abwehren können. Ich bin seit 25 Jahren im Geschäft und es ist das zweite Mal dass ich sehe, dass ein Torhüter an solch einer Stelle getroffen wird. Das ist sehr, sehr, sehr selten", sagte Cortina und wünschte dem DEG-Keeper gute Besserung.

"Hoffentlich ist er bald zurück im Tor."

Goepfert will gegen EHC spielen

Tatsächlich könnte es schon am Dienstag gegen den EHC München, gerade einmal 48 Stunden nach dem Zwischenfall, soweit sein.

Eine endgültige Entscheidung soll nach dem Training am Dienstagvormittag fallen.

Wenn es nach Goepfert selbst geht, steht er wieder auf dem Eis.

"Als Torhüter darf man keine Angst vor dem Puck haben. Ich kann es kaum abwarten, diesen Mistkerl wiederzusehen", so der 30-Jährige.

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