Goepfert (o.) verpasste den DEL-Rekord von Müller knapp © imago

Der DEG-Goalie lässt Berlin verzweifeln und verpasst einen Rekord nur knapp. Mit seinem irren Spiel ist er nicht zufrieden.

Berlin - Es scheint als hätte der Eishockey-Torhüter Bobby Goepfert an diesem Tag übernatürliche Mächte zur Hilfe gehabt. Davon waren seine Kollegen der Berliner Eisbären zumindest überzeugt!

"Das war Bibi-Blocksberg-mäßig, einfach wie verhext", sagte Stürmer Florian Busch über ihn.

Auch Eisbären-Trainer Jeff Tomlinson staunte über Goepferts "Zauberkünste" im Tor der Düsseldorfer EG: "Ich wundere mich, dass er überhaupt noch stehen kann."

77 Paraden

Mit insgesamt 78 Schüssen hatten die Berliner den DEG-Goalie bei der peinlichen 1:2-Niederlage nach Penaltyschießen am Sonntag eingedeckt, doch nur einmal konnten sie ihn in 65 Spielminuten bezwingen (Bericht).

Ob mit der Fanghand, dem Schienbeinschoner, dem Oberkörper, dem Helm oder dem Schläger - Goepfert (30) hielt heroisch jeden Puck und sicherte sich mit 77 (!) Paraden den zweiten Platz in der ewigen Bestenliste für die meisten gehaltenen Schüsse in einem DEL-Spiel (STENOGRAMME: 24. Spieltag).

Nur Müller besser

Nur der 2009 nach langer und schwerer Krankheit verstorbene Robert Müller war im DEL-Rekordspiel 2008 zwischen den Kölner Haien und den Adlern aus Mannheim (168 Minuten und 16 Sekunden) mit 96 Paraden noch erfolgreicher gewesen.

Mit dem wohl bislang besten Spiel seiner Karriere brachte der US-Amerikaner Goepfert den haushohen Favoriten aus Berlin vor 11.700 fassungslosen Zuschauern schier zur Verzweiflung.

"Es ist so frustrierend. Wir haben teilweise überragend kombiniert und hatten Chancen ohne Ende, aber der gegnerische Torwart macht das Spiel seines Lebens. Unglaublich, wie der immer wieder abgetaucht ist", sagte Stürmer Mark Bell über seinen Rivalen.

Teamkollege Busch zeigte sich selbstkritischer, schließlich ließ der DEL-Rekordchampion gleich drei doppelte Überzahlspiele ungenutzt. "Es muss mehr als ein Treffer herauskommen, egal, wer auf der anderen Seite steht", sagte der Angreifer, "und wenn es der Weltbeste ist."

Pittsburgh - Salzburg - Düsseldorf

Beim NHL-Draft 2002 wurde er an 171. Stelle von den Pittsburgh Penguins gewählt, ein Spiel in der besten Eishockeyliga der Welt blieb ihm aber dennoch verwehrt.

Stattdessen suchte Goepfert sein Glück in Europa, zuerst in Österreich bei Red Bull Salzburg, dann in Deutschland bei den Hamburg Freezers. Dort avancierte der reaktionsschnelle und agile Goalie aufgrund seiner spektakulären Spielweise schnell zum Publikumsliebling.

Seit 2011 trägt er das DEG-Trikot, doch nie war er so wertvoll wie im Duell mit den Eisbären.Obwohl es niemand für möglich gehalten hätte, gewann Goepfert mit seinem Team das Spiel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich bin stolz auf meine Mannschaft", sagte DEG-Coach Christian Brittig sichtlich gerührt.

Neben dem gesperrten Kapitän Daniel Kreutzer hatten dem achtmaligen Meister sechs weitere Leistungsträger verletzungsbedingt gefehlt. Doch mit Teufelskerl Goepfert im Tor war das diesmal kein Problem.

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