Andre Rankel spielt seit 2003 in der Deutschen Eishockey Liga für die Eisbären Berlin © imago

Berlins Tomlinson steht schon vorm Aus: Nicht nur die nächste Pleite des Meisters überrascht. Auch ein Aufsteiger verblüfft.

Berlin - Der Letzte schlägt den Meister, der Aufsteiger schenkt der besten Abwehr acht Tore ein, und ein Überraschungsteam jagt den Startrekord:

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat am 7. Spieltag verrückt gespielt. (Bericht: Meister tief in der Krise)

Für die größte Verwunderung sorgte ohne Zweifel das 3:1 der bis dahin sieglosen Düsseldorfer EG über DEL-Rekordchampion Eisbären Berlin.

Während die Düsseldorfer Rasselbande den unerwarteten Coup in vollen Zügen genoss, nahm die Krise bei den Eisbären bedrohliche Ausmaße an.

Fünf Niederlagen am Stück hatte es für den Serienmeister zuletzt in der Saison 2006/07 gegeben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Druck auf Tomlinson wächst

Der Druck auf den neuen Trainer Jeff Tomlinson ist damit nochmals gehörig gewachsen. (Stenogramme 7. Spieltag)

"Trotz der Niederlage haben wir uns an einigen Stellen im Vergleich zu den vergangenen Spielen verbessert", sagte der glücklose Nachfolger von Meistercoach Don Jackson.

Und ergänzte: "Doch am Ende waren wir nicht gut genug, um das in einen Punktgewinn umzusetzen."

Schon jetzt zwei Endspiele

Nicht gut genug für einen Punkt beim klammen Klub mit dem kleinsten Etat der Liga - diese bittere Erkenntnis könnte bald zum Problem für Tomlinson werden.

Sollten die auf den vorletzten Platz abgerutschten Berliner auch in den kommenden zwei Auswärtsspielen am Freitag bei den Schwenninger Wild Wings und am Sonntag bei den Adler Mannheim nicht gewinnen, wäre die Trainerdiskussion nicht mehr aufzuhalten.

Die Düsseldorfer stehen zwar noch einen Platz schlechter da als Berlin, doch die Stimmung war nach dem erlösenden Sieg ausgelassen wie schon lange nicht mehr.

DEG feiert Coup

Der Coup gegen den Titelverteidiger werde keine Ausnahme bleiben, versprach DEG-Coach Christian Brittig: "Das Konzept mit den Nachwuchsspielern geht jetzt langsam auf. Die jungen Spieler sind jetzt sicherer durch die viele Eiszeit. "

Hauptverantwortlich für den Sieg vor 4022 Zuschauern waren jedoch zwei gestandene Profis.

Kapitän Daniel Kreutzer lief nach überstandenem Muskelfaserriss im Becken erstmals in dieser Saison auf und führte das junge Team gleich zum Premierensieg.

Auch Keeper Goepfert glänzt

Und Torhüter Bobby Goepfert erwischte mit 36 gehaltenen Schüssen einen Sahnetag. "Er war heute eine Mauer", sagte Tomlinson.

Die Wolfsburger Goalies erwischten dagegen bei der 1:8-Pleite in Schwenningen einen rabenschwarzen Tag - aber nicht nur die.

Der Tabellenzweite wurde vom Aufsteiger phasenweise vorgeführt und kassierte genauso viele Gegentore wie in allen sechs Saisonspielen zuvor. Einziger Lichtblick beim EHC war das Tor-Debüt von Neuzugang Brent Aubin.

Nürnberg auf Rekord-Jagd

Durch Wolfsburgs Ausrutscher bauten die Nürnberg Ice Tigers ihre Tabbellenführung aus.

Das Team von Trainer Tray Tuomie bot seinen Fans beim dramatischen 6:5 gegen den EHC München mal wieder ein Spektakel und den siebten Sieg im siebten Spiel.

Sollten die Franken auch am Freitag bei der DEG die Oberhand behalten, hätten sie den DEL-Startrekord des EV Landshut aus der Saison 1995/96 eingestellt.

Selbst Münchens Trainer Pierre Page, der den von einem Brause-Hersteller mit viel Geld unterstützten EHC zu einer "Weltmacht im Eishockey" formen möchte, musste anerkennen: "Nürnberg ist ein tolles Team, sie waren am Anfang so viel besser als wir."

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