Mirko Lüdemann wechselte 1993 von den Fort McMurray Oil Barons zu den Kölner Haien © imago

Der langjährige Kölner macht in der DEL sein 1000. Spiel. Lob gibt von allen Seiten. "Lüde" hat noch einen Wunsch.

Köln/München - Er setzt einen Meilenstein für die Ewigkeit, doch Mirko Lüdemann spielt die historische Bedeutung seines Jubiläums in gewohnter Bescheidenheit herunter.

"Ein paar andere werden die Marke auch nach mir knacken", sagt Lüdemann. So ist er.

In den Geschichtsbüchern wird sein Name aber vor allen anderen stehen. Der Kufencrack der Kölner Haie durchbricht am Sonntag im Heimspiel gegen die Straubing Tigers (ab 14.30 Uhr LIVESCORES) als erster Profi die 1000-Spiele-Schallmauer in der DEL. (DATENCENTER: Die Saison 2012/13)

Uneitel, wie der DEL-Marathonmann nun einmal ist, misst er dem Rekord nicht allzu viel Bedeutung bei: "Ehrlich gesagt habe ich mich damit noch gar nicht so großartig beschäftigt."

"Ganz Eishockey-Deutschland verneigt sich"

Andere dagegen schon. "Ganz Eishockey-Deutschland verneigt sich vor diesem außergewöhnlichen Sportler", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Für ihn ist der unermüdliche Dauerbrenner "nicht nur das Gesicht der Kölner Haie, sondern das einer ganzen Sportart".

Tripcke und Haie-Legende Udo Kießling werden Lüdemann vor dem ersten Bully gemeinsam ehren, auch daraus will Lüdemann keine große Sache machen. "Die Ehrung geht schnell vorbei", hält er gegenüber der "dpa" fest: "Die nimmt man nebenbei mit, dann wird Eishockey gespielt."

Es ist unter anderem diese Unaufgeregtheit, wegen der Sven Felski, dem die 1000-Spiele-Marke in der DEL wegen seines Rücktritts vor der Saison knapp verwehrt bleibt, Lüdemann als "tollen Sportsmann" feiert: "Meinetwegen könnte er noch weitere 1000 Spiele machen."

Karriereende nicht in Sicht

Das wird nicht einmal der unverwüstliche Lüdemann schaffen. Aber ein Karriereende ist auch noch nicht in Sicht. Vor wenigen Wochen verlängerte der "Ur-Hai" seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2014, die kommende Saison wird damit seine 21. bei den Kölnern sein.

Ein anderer Klub kam für ihn in all den Jahren nie ernsthaft in Betracht. "Die Haie und ich, das passt einfach", erklärt der 132-malige Nationalspieler.

In der von Trainer Uwe Krupp stark verjüngten Kölner Mannschaft ist der Verteidiger mit seinem exzellenten Stellungsspiel, seiner Ruhe und Routine nach wie vor ein wichtiger Stabilisator. Fast unbezahlbar sind seine Führungsqualitäten in der Kabine.

Krupp: Lüdenmann entscheidet selbst über sein Ende

"So lange Mirko in der Form ist, die er aktuell hat, entscheidet er selbst, ob er weiterspielt", sagt Krupp.

"Lüde" verriet kürzlich, das Geheimnis seiner erstaunlichen Fitness sei unter anderem sein regelmäßiges Training im Höhenzentrum in Junkersdorf, das eine Höhe von 2500 Metern simuliert. Aber auch an Motivation mangelt es dem Vater einer zweijährigen Tochter nicht.

Vor allem ein möglicher dritter Meistertitel mit den Haien, der in dieser Saison durchaus realistisch scheint, treibt Lüdemann an: "Zum Abschied nochmal Deutscher Meister werden, das wäre was."

Aus Weißwasser nach Kanada

Erlernt hat er das Eishockeyspielen in seiner Heimatstadt Weißwasser. Bei den Jungfüchsen des 25-maligen DDR-Meisters SG Dynamo wurde Lüdemann ausgebildet, ehe er kurz nach der Wende den Schritt über den großen Teich wagte.

In der Juniorenliga bei den Oil Barons im kanadischen Fort McMurray sammelte der damals 17-Jährige wertvolle Erfahrung, sportlich wie menschlich.

Doch das Heimweh plagte den jungen Mann, nach zwei Jahren kehrte er zurück nach Deutschland, ohne auf einen möglichen Anschlussvertrag in der NHL zu warten. Dieser Schritt brachte ihm damals auch einige Kritik ein.

Rückkehr nach Köln als Glücksfall

Für die Kölner Haie entpuppte sich Lüdemanns Rückkehr im Jahr 1993 als Glücksfall.

Seine Popularität in der Domstadt wird unter den Sportlern wohl nur von Lukas Podolski übertroffen.

Der frühere Haie-Geschäftsführer Thomas Eichin, der inzwischen beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen als Sportdirektor tätig ist, meint deshalb: "Mirko Lüdemann ist eine lebende Legende."

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