Marco Sturm hat vor seinem Debüt für Köln knapp zehn Monate kein Spiel bestritten © imago

Dem deutschen NHL-Rekordspieler fehlt bei der Kölner Niederlage gegen Mannheim noch Spielpraxis. Sein Coach bleibt überzeugt.

Köln - Nach dem ersten Spiel in der DEL seit acht Jahren war Marco Sturm einfach nur müde.

"Es war echt hart", gab der ehemalige NHL-Star nach seinem Debüt für die Kölner Haie zu: "Nach so langer Zeit ist alles anders. Ich habe gewusst, dass es nicht einfach ist."

2:3 verlor der 34-Jährige mit seinem neuen Klub gegen die Adler Mannheim (Bericht) - und die Tabellenführung war gleich mit dahin (STENOGRAMME: Der 31. Spieltag).

Nach zehn Monaten Pause und nur drei Trainingseinheiten in Köln war dem deutschen NHL-Rekordspieler, der 1006 Partien in der härtesten Eishockey-Liga der Welt auf dem Buckel hat, die fehlende Spielpraxis anzumerken.

Unterschiede zur NHL

"Für mich galt es, das Feeling zurückzubekommen", sagte er: "Es sind natürlich andere Laufwege als in der NHL, du hast mehr Platz und auch mehr Zeit. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen."

Zwei gute Torchancen hatte Sturm, beide Male scheiterte er an Nationaltorwart Dennis Endras (DATENCENTER: Die Saison 2012/13).

Am 26. April 2012 hatte der Linksaußen sein letztes NHL-Spiel für die Florida Panthers bestritten, während des Lockouts hielt er sich in Florida fit. Als es wieder losging, bekam er aber keinen neuen Vertrag, die Zweifel nach zwei Kreuzbandrissen waren zu groß.

Rückkehr in die DEL

Also entschloss er sich zur Rückkehr in die DEL, in der er bis 1997 für den EV Landshut und 2004/05 für den ERC Ingolstadt gespielt hatte.

Mit den Haien will er am Ende seiner Karriere endlich den ersten Meistertitel gewinnen. "Er hat ein gutes Spiel gemacht", lobte Trainer Uwe Krupp: "Er bringt die nötige Qualität und Erfahrung mit und bewahrt auch auf engem Raum die Ruhe. Es war ein guter Auftakt."

Der ehemalige Bundestrainer, der Sturm schon Ende 2012 zu einem Wechsel nach Köln gedrängt hatte, gab ihm gleich viel Eiszeit: Der 54-malige Nationalspieler, der zuletzt bei den Olympischen Spielen 2010 für Deutschland auflief, durfte im ersten Sturm ran und wurde durchgängig in Über- und Unterzahl eingesetzt.

Ullmann trifft gegen den Ex-Klub

Die Show stahl ihm jedoch ein Ex-Kölner. Christoph Ullmann, der nach zweimonatiger Verletzungspause erst zum dritten Mal auf dem Eis stand, war vor 11.184 Zuschauern mit zwei Toren Matchwinner für die Adler.

"Mannheim war am Ende hungriger und hat verdient gewonnen", gab Sturm zu, versprach aber: "Wir können besser spielen, wir werden besser spielen und am Ende der Saison hoffentlich ganz oben stehen." Die Chance zur Revanche hat er mit den Haien bereits am Sonntag (ab 14.30 Uhr LIVESCORES) in Mannheim.

Dass die Nationalmannschaft derzeit ganz unten ist, hat auch den viermaligen WM-Teilnehmer schockiert. "Es ist sehr bitter für das deutsche Eishockey", kommentierte Sturm das Aus in der Olympia-Qualifikation.

Sturm stärkt Cortina den Rücken

Vor Schnellschüssen warnte der Olympia-Teilnehmer von 1998, 2002 und 2010 allerdings mit Blick auf den neuen Bundestrainer Pat Cortina: "Man sollte den Trainer in Ruhe lassen und ihn einen Weg finden lassen, um das deutsche Eishockey wieder nach oben zu bringen."

Während es für den Debütanten Sturm freundlichen Applaus von den Rängen gab, wurde ein anderer mit Standing Ovations verabschiedet: Geschäftsführer Thomas Eichin wechselt nach knapp 14 Jahren zum Fußball-Bundesligisten Werder Bremen.

Ein Mannschaftsfoto auf Leinwand mit allen Unterschriften und eine Umarmung von jedem Mitarbeiter der Geschäftsstelle vor dem Spiel - mehr Aufmerksamkeit wollte der 46-Jährige nicht. Danach richteten sich alle Blicke auf Marco Sturm.

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