Christian Ehrhoff (r.) besitzt bei den Buffalo Sabres einen Zehnjahresvertrag © getty

Der 40-Millionen-Verteidiger kostet die Pinguine nur die Versicherungssumme. "Ein großes Geschenk", meint der Bundestrainer.

Krefeld/München - Christian Ehrhoff sah ziemlich müde aus. Früh am Dienstagmorgen war der NHL-Star in Deutschland gelandet, der anstrengende Flug war ihm anzusehen.

Doch tapfer und professionell absolvierte der Offensiv-Verteidiger von den Buffalo Sabres seine Präsentation als Neuzugang der Krefeld Pinguine.

Seine Rückkehr in die DEL ist perfekt. "Es war für mich keine Frage hierherzukommen, mein Herz schlägt für diesen Verein", sagte Ehrhoff vor etwa 40 Journalisten, sechs TV-Teams und etwa zehn Fotografen.

Nervosität und Vorfreude

Die Pinguine erlebten ein Medieninteresse wie seit Jahren nicht. Eilig werden jetzt Schals mit der Nummer 55 gedruckt, die Ehrhoff tragen wird.

Schon am Freitag im Heimspiel gegen die Hamburg Freezers will er auf dem Eis stehen. "Ich bin richtig nervös und freue mich. Ich werde alles geben", sagte der Nationalspieler. Er stelle sich vor, kleine Jungen kämen am Freitag, nur um ihn zu sehen, fügte er hinzu.

Ehrhoff hat in der NHL für die San Jose Sharks, die Vancouver Canucks und zuletzt für Buffalo gespielt.

Pinguine "wissen, was es bedeutet"

Sein unentgeltliches Engagement bei den Krefeldern, welche die hohe Versicherungssumme von bis zu 30.000 Euro im Monat stemmen müssen, ist zeitlich nicht befristet. Bereits im Sommer hatte Ehrhoff in Krefeld trainiert und benötigt somit kaum Eingewöhnung.

Für die Pinguine, mit denen Ehrhoff vor seinem Wechsel nach Nordamerika 2003 Deutscher Meister gewesen war, geht ein Traum in Erfüllung. Sie haben zumindest vorübergehend ein Zugpferd, ein deutsches Aushängeschild.

"Wir sind stolz, wir wissen, was es bedeutet", sagte Wolfgang Schulz, Mitglied des Aufsichtsrats. Auch die DEL profitiert und gewinnt vorerst durch den spektakulären Wechsel an Attraktivität.

Cortina glaubt an motivierten Ehrhoff

Der neue Bundestrainer Pat Cortina bewertete Ehrhoffs Wechsel ebenfalls sehr positiv. "Wenn ein NHL-Spieler mit der richtigen Einstellung nach Deutschland kommt, ist das für jedes Team in der DEL ein großes Geschenk. Bei den deutschen NHL-Profis bin ich mir sicher, dass deren Motivation und Einstellung tadellos ist", sagte der 48-Jährige.

Der Gastauftritt des Nationalspielers wird durch den Lockout in der nordamerikanischen Profiliga NHL möglich. Die Spieler wurden von ihren Arbeitgebern ausgesperrt, weil sich Klubbesitzer und Spieler-Gewerkschaft bislang nicht auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben.

Die NHL-Saison wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht pünktlich am 11. Oktober beginnen.

Rückkehr "der logische Schritt"

Ehrhoff nervt dieser Zustand. "Es ist ein frustrierendes Gefühl", sagte der 30-Jährige "zdfsport.de": "Wir sind arbeitslos, von der Kommunikation vom Verein abgeschnitten und dürfen das Vereinsgelände nicht mehr betreten."

Die Konsequenz für den derzeit wohl besten deutschen Eishockey-Profi ist die Rückkehr in die Heimat gewesen.

"Das ist der logische Schritt. Es kann uns niemand verbieten, uns woanders Arbeit zu suchen", sagte Ehrhoff, der in Buffalo in der letzten Saison der bestbezahlte Verteidiger der gesamten NHL war und einen Zehn-Jahres-Vertrag über 40 Millionen Dollar besitzt.

Auch Adler hoffen auf NHL-Stars

Ehrhoff ist bereits da, Dennis Seidenberg, Marcel Goc und Jochen Hecht könnten folgen. Die Adler Mannheim sind interessiert.

Die internationalen Stars Jewgeni Malkin, Ilja Kowaltschuk, Joe Thornton und Jaromir Jagr haben ebenfalls die Flucht aus Nordamerika ergriffen.

Denn wann und ob die Tarif-Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können, ist derzeit offen, obwohl die NHL sich nach 2004/05 eine erneute Absage der gesamten Saison kaum leisten kann.

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