Christian Winklers letzte Profi-Station als Torwart war der SC Riessersee © imago

Vor dem Saisonstart in die DEL spricht Münchens Manager Christian Winkler über den neuen Geldgeber und die Saisonziele.

Von Felix Götz

München - Eigentlich war DEL-Eishockey in München tot. Im Mai schien das Kapitel EHC München wegen finanzieller Probleme geschlossen. Doch dann kam mit Red Bull ein Geldgeber und rettete den DEB-Pokalsieger aus dem Jahr 2009.

Als EHC Red Bull München startet das Team von der Isar in die neue DEL-Saison.

Im SPORT1-Interview spricht Münchens Sportlicher Leiter Christian Winkler über die Rettung, Kritik am neuen Geldgeber, die Ziele der Saison und die Bereitschaft, den Trainer mit der Nationalmannschaft zu teilen.

SPORT1: Herr Winkler, im Mai schien DEL-Eishockey in München Geschichte zu sein. Sind Sie selbst überrascht, dass der EHC noch dabei ist und am Sonntag gegen Düsseldorf eingreift?

Christian Winkler: Jeder, der den Wahnsinn miterlebt hat, wird sich am Sonntag noch einmal an die schwierige Zeit erinnern. Wir waren näher an einem Umzug nach Schwenningen dran als an der DEL in München. Es war nicht fünf nach 12, es war schon halb eins. Es ist toll, dass es weitergeht. 611093 (DIASHOW: Die Tipps der DEL-Trainer)

SPORT1: Die Zukunft heißt Red Bull. Wie kam der Kontakt zustande?

Winkler: Das ist im Rahmen unserer Sponsorenakquise geschehen. Dann kam ein positives Feedback von Red Bull, und die Gesellschafter mussten schnell handeln.

SPORT1: Was sind die Unterschiede zwischen dem EHC München in der Saison 2011/2012 und dem EHC Red Bull München in der Spielzeit 2012/2013?

Winkler: Da gibt es derzeit eigentlich keinen Unterschied. Nur, dass wir einen großartigen Sponsor dazu gewonnen haben. Einen Sponsor, der im Sport einzigartig ist. Der das, was er macht, richtig macht.

SPORT1: Was muss sich innerhalb des Vereins ändern?

Winkler: Wir wollen in der Organisation strukturierter arbeiten. Denn das war auch ein Problem, das uns in das große Problem gebracht hat. Wir sind auf einem guten Weg.

SPORT1: Red Bull steckt in dieser Saison angeblich eine Million Euro in den EHC. Stimmt die Zahl?

Winkler: Dazu will ich nichts sagen.

SPORT1: Sicher ist, dass die Investition von Red Bull momentan noch nicht so hoch ist. Was muss passieren, damit es auch 2013/2014 - mit einer höheren Summe - mit Red Bull weitergeht?

Winkler: Jeder, vom Praktikanten bis zum Topscorer, muss seine beste Leistung abrufen, um Red Bull glaubhaft zu vermitteln, dass hier ein guter Platz für ein noch größeres Engagement ist. Wir müssen Red Bull davon überzeugen, dass Eishockey in München eine Zukunft hat. Die Fans, das Umfeld, die Organisation - viele Faktoren spielen eine Rolle.

SPORT1: Warum sollte Eishockey in München von den Fans nun besser aufgenommen werden als bisher?

Winkler: Ein Zuschauerschnitt von 3800 ist ja nicht schlecht. Vor allem wenn man bedenkt, wie die Zahlen gestiegen sind. Wir kalkulieren erneut mit 3800 Fans pro Partie. Für Red Bull wird es aber nicht entscheidend sein, wie viele Zuschauer kommen, sondern wie sich diese Zuschauer mit dem Projekt identifizieren können.

SPORT1: Das Engagement von Red Bull im Sport wird nicht nur positiv aufgenommen. Beim Fußball in Leipzig wird das teilweise kritisch gesehen. Auch wenn das Engagement in Leipzig mit dem beim EHC nicht zu vergleichen ist: Befürchten Sie dennoch, dass es zu Problemen kommen könnte?

Winkler: Ich muss klar sagen, dass es Schwachsinn ist, wenn man Red Bull nur mit Kommerz gleichsetzt. Wenn man sieht, was Red Bull im Nachwuchssport leistet, dann kann man sich das nur wünschen. Bei uns ist es so, dass es eine kleine Gruppe gibt, die sich damit nicht identifizieren kann. Das muss man respektieren. Die meisten sehen aber, dass Eishockey in München mit Red Bull eine goldene Zukunft haben könnte.

SPORT1: Die Zukunft ist aber noch offen. Spielt der EHC in dieser Saison um sein Leben?

Winkler: Das ist überspitzt ausgedrückt. Ich sehe das so, dass der EHC Red Bull München in dieser Saison eine große Chance hat. Und die muss er nutzen.

SPORT1: Trotz Red Bull hat der EHC einen kleinen DEL-Etat und so gut wie keine Stars. Ist das Erreichen der Playoffs dennoch ein Muss, um zu zeigen, dass etwas vorangeht?

Winkler: Das glaube ich nicht. Ich verspreche, dass wir einen sauberen Sport mit größter Leidenschaft und größter Hingabe abliefern werden. Und dann denke ich, dass wir um die Playoff-Teilnahme mitspielen können.

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