Dennis Seidenberg (v.) gewann 2011 mit den Boston Bruins den Stanley Cup © getty

Der drohende Lockout könnte die deutschen NHL-Stars in die DEL locken. Besonders die Adler Mannheim hoffen auf drei Stars.

München - Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte.

Vor dem Saisonstart der DEL (ab 19.30 Uhr LIVESCORES) reiben sich manche Klubmanager voller Vorfreude die Hände, weil ein Tarifvertrag in der nordamerikanischen Profiliga NHL immer unwahrscheinlicher wird (News).

Sollten sich die Klubbesitzer und die Spielergewerkschaft bis Samstagnacht nicht einigen, könnten vor allem die deutschen NHL-Kufencracks während des Lockouts in der DEL auflaufen. Auf ein Gastspiel von ausländischen Superstars wie Sidney Crosby oder Alexander Owetschkin dürften die Fans jedoch vergeblich hoffen.

Keine Chance bei ausländischen Stars

"Das wird ein Traum bleiben. Allein die Versicherungssummen wären nicht zu stemmen", sagte Walter Köberle, Manager der Düsseldorfer EG. Die sind selbst für die deutschen Profis aus Übersee nur schwer aufzutreiben.

Die finanziell klammen Düsseldorfer würden liebend gern die ehemaligen DEG-Spieler Alexander Sulzer und Korbinian Holzer aufnehmen, "aber dafür bräuchte ich einen Sponsor, der das Paket stemmt", sagte Köberle.

Ähnlich sieht es Christian Winkler. Der Sportliche Leiter des EHC München rechnete vor, dass allein das Geld für die Versicherung dem Gehalt eines DEL-Topspielers entsprechen würde.

Eine Verpflichtung eines ausländischen NHL-Spielers schließt Winkler wie fast alle DEL-Manager aus. "Der bleibt vielleicht nur vier oder sechs Wochen hier, aber die Ausländerlizenz ist weg", sagte Winkler.

Mannheim als beliebtes Ziel

Diese Sorge hätten die Adler Mannheim nicht, bei ihnen stehen NHL-Profis mit deutschem Pass Schlange.

Dennis Seidenberg, 2011 Stanley-Cup-Sieger mit den Boston Bruins, hat bereits angekündigt, im Falle eines Lockouts gerne mit seinem Bruder Yannic in Mannheim spielen zu wollen. Das gleiche gilt für Nationalspieler Marcel Goc, dessen Bruder Nicolai das Adler-Trikot trägt.

Außerdem liebäugelt der zurzeit in Nordamerika vertragslose Jochen Hecht mit einer Rückkehr nach Mannheim.

"Hecht, Goc und Seidenberg alle in Mannheim? Ja, warum denn nicht?", sagte Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp. Probleme bei der Eingewöhnung dürfte es keine geben, denn Hecht und Goc haben bis Ende August das Sommertraining der Adler mitgemacht.

Eisbären vorsichtig

Auch bei Peter-John Lee laufen täglich neue Mails ein, in denen Berater das Interesse von NHL-Spielern für ein Gastspiel bei den Eisbären Berlin signalisieren.

Doch der Erfolgs-Manager des Titelverteidigers ist vorsichtig. "Es gibt viele unbekannte Faktoren. Keiner weiß, wie lange ein Lockout gehen würde", sagte Lee: "Unsere Mannschaft ist ein langfristiges Projekt, das schmeiße ich nicht für etwas Kurzfristiges weg."

Dabei hat Lee beim bislang letzten Lockout in der Saison 2004/05 gute Erfahrungen gemacht. Die Verpflichtungen der "Gastarbeiter" Olaf Kölzig und des damals noch relativ unbekannten Erik Cole waren mitentscheidend für den ersten DEL-Titel der Eisbären gewesen.

Am Sonntag nach Ablauf der Verhandlungsfrist könnten sich die Bewerbungen bei den DEL-Managern stapeln.

NHL-Klubbesitzer für Lockout

Die NHL-Klubbesitzer stimmten nochmals einstimmig dafür, die Spieler "auszusperren", sollte es bis dahin zu keiner Einigung gekommen sein.

Bereits in den Spielzeiten 1994/95 und 2004/05 hatten sich Liga und Spielergewerkschaft nicht auf einen Arbeitsvertrag einigen können. Beim ersten Lockout fiel nur ein Teil der Saison ins Wasser, 2004/05 wurde die gesamte Spielzeit abgesagt.

eide Seiten streiten darüber, wie die Einnahmen zwischen Spielern und Klubs aufgeteilt werden. Bislang erhalten die Profis 57 Prozent, die Liga will diese Summe reduzieren.

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