Igor Pawlow wurde in der 2. Bundesliga zweimal zum Trainer des Jahres gewählt © imago

Scorpions-Coach Igor Pawlow erklärt SPORT1, was am Job beim DEL-Letzten reizvoll ist und warum er keinen Psychologen will.

Von David Donocik

München - Igor Pawlow ist ein erfahrener Trainer und gilt als harter Hund.

Bei den Hannover Scorpions, dem Tabellenletzten der vergangenen DEL-Saison, will der Nachfolger von Toni Krinner nun mit seinen "eigenen Methoden" sportlich wie personell einiges verändern.

Mit der Verpflichtung des 23-jährigen Tim Richter und dem Wechsel von Tommi Hannus nach Ravensburg (News) sind nun die ersten beiden Kader-Entscheidungen der Amtszeit Pawlow gefallen.

Nach der enttäuschenden Saison 2011/2012, dem Jahr nach dem Meistertitel, muss Pawlow aber auch einiges an mentaler Arbeit leisten, ist sich der 47-Jährige sicher.

Im SPORT1-Interview erklärt er, wie er den Spielern wieder neues Selbstbewusstsein geben will. Außerdem spricht der gebürtige Russe über die Motivation, beim Tabellenletzten anzuheuern, die Ziele für die kommende Saison und den Quälix-Vergleich.

SPORT1: Herr Pawlow, was reizt Sie an Ihrem neuen Job? Schließlich war Hannover Tabellenletzter in der abgelaufenen Saison?

Igor Pawlow: Das ist schon ein Reiz wieder nach oben zu kommen. Ich möchte jungen talentierten Spieler eine Chance geben, dass sie sich entwickeln können und viel Eiszeit bekommen. Das interessiert mich.

SPORT1: Sie sagten, dass sie auf jeden Fall die Playoffs im nächsten Jahr erreichen wollen?

Pawlow: Natürlich, wir wollen in die Playoffs. Wir können schließlich nicht sagen, dass wir Zwölfter werden wollen.

SPORT1: Was stimmt sie optimistisch?

Pawlow: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, aber natürlich realistisch bleiben. Wir werden in der Sommerpause eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen. Davon bin ich überzeugt. Wir fangen ja wieder so ziemlich von Neuem an. Die jungen Spieler werden das Vertrauen bekommen. Dimitri Pätzold ist ein sehr guter Torwart und es ist ein gutes Zeichen für Hannover, dass er geblieben ist. Außerdem haben wir auch erfahrene Spieler, die für den Verein alles geben werden. Und mit der Mischung aus Jung und Alt werden wir ein gutes Team aufbieten können.

SPORT1: Möchten Sie die Mannschaft umkrempeln?

Pawlow: Marco Stichnoth (Geschäftsführer, Anm.d.Red.) und ich werden intensive Gespräche mit den Spielern führen. Wir schauen, welche Spieler noch auf dem Markt sind. Wir suchen junge, talentierte Spieler, die zu unserer Philosophie passen.

SPORT1: Sie werden oft als Felix Magath im Eishockey gesehen. Zurecht?

Pawlow: Ich habe davon schon gehört, aber das ist natürlich Quatsch. Ich mag es nicht, wenn man stets Vergleiche sucht.

SPORT1: Arbeiten Sie auch mit Medizinbällen?

Pawlow: Naja, viele arbeiten mit Medizinbällen (lacht). Aber ich habe meine eigenen Methoden. Ich setze auf schnelles, körperbetontes und modernes Eishockey. Ich will auf dem Eis Kompaktheit und ein kampfbetontes, schnelles Spiel sehen.

SPORT1: Müssen sich trainingsfaulere Spieler bei Ihnen Sorgen machen?

Pawlow: Es gibt keine trainingsfaulen Spieler. Es wird professionell gearbeitet werden.

SPORT1: Die Scorpions sind als Meister auf den letzten Platz abgestürzt. Muss man daher auch psychologische Arbeit leisten?

Pawlow: Das ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.

SPORT1: Setzen Sie einen Sportpsychologen ein?

Pawlow: Nein, ein guter Trainer ist auch ein guter Psychologe. Deshalb möchte ich nicht, dass extra ein Spezialist engagiert wird.

SPORT1: Wie möchten Sie die Spieler psychologisch wieder aufrichten?

Pawlow: Das bleibt mein Geheimnis. Aber die Spieler brauchen Selbstvertrauen. Nur durch Härte und Zusammenarbeit bekommen sie das nötige Selbstvertrauen. Es gibt mehrere Methoden, mit denen man die Spieler stark machen kann.

SPORT1: Welche Methoden wären das zum Beispiel?

Pawlow: Neuro-Coaching. Man muss die Baustellen aufräumen und negative Gedanken verdrängen.

SPORT1: Obwohl sie sagten, dass sie eine junge Mannschaft aufbauen wollen, haben Sie nur für ein Jahr unterschrieben. Warum?

Pawlow: Beide Seiten haben beschlossen, dass man sich näher kennenlernen möchte. Wenn es gut läuft und passt, dann besteht noch immer die Möglichkeit, den Vertrag zu verlängern. Aber so wie es ist, ist es gut.

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