Barry Brust (Keeper) wechselte 2011 von den Binghamton Senators zu den Straubing Tigers © imago

Berlin und Straubing trennen Welten. Doch beim Selbstbewusstsein kann es der Außenseiter mit den Eisbären aufnehmen.

Berlin - Der Standort, die Erfolge, das Geld - welche Punkte man auch immer für den Vergleich zwischen den Eisbären Berlin und den Straubing Tigers heranzieht, man kommt immer zum gleichen Ergebnis:

Im Playoff-Halbfinale in der DEL gibt es ab Donnerstag das Duell David gegen Goliath (Do., ab 19.35 Uhr LIVESCORES).

Hier der reiche Titelverteidiger aus der Hauptstadt Berlin, dort der finanzschwache Neuling aus dem "gallischen Dorf" Straubing.

Nur in Sachen Selbstbewusstsein unterscheiden sich die beiden nicht.

"Es sind nur noch sechs läppische Siege bis zum Titel", tönte Tigers-Verteidiger Andy Canzanello (DATENCENTER: Das Halbfinale).

Klare Siege im Viertelfinale

Die Kufencracks haben sich offensichtlich anstecken lassen von der grenzenlosen Euphorie in der 45.000-Einwohnerstadt in Niederbayern.

Beim Vorverkauf für das erste Heimspiel am Samstag waren die 5.854 Tickets bereits nach 86 Minuten vergriffen - Klub-Rekord! Auch die Sonderzüge nach Berlin waren schnell ausverkauft.

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!", hatten die Fans schon beim letzten Viertelfinalspiel gegen den EHC Wolfsburg gesungen.

Die Profis des chancenlosen Vizemeisters hatte das Überraschungsteam klar mit 4:0 Siegen in den Urlaub geschickt, genauso deutlich hatten die Eisbären gegen die Kölner Haie die Oberhand behalten (ROUNDUP: Mannheim und Ingoldstadt machen Halbfinale komplett).

Coach Jackson ziemlich entspannt

Der fünfmalige Meister aus Berlin demonstriert vor dem Duell gegen Straubing Gelassenheit.

"Kein Problem" - so lautete die Antwort von Trainer Don Jackson angesprochen auf das aggressive Forchecking des Gegners.

"Kein Problem" - so lautete seine Antwort auch auf die Frage nach der elektrisierenden Stimmung im Straubinger Eisstadion am Pulverturm.

Es ist kaum zu erwarten, dass Jackson auch nach dem Start der Halbfinalserie im Modus "best of five" noch so gelassen ist.

Brust nach Berlin-Spiel länger verletzt

Bereits in der Hauptrunde gerieten beide Teams nicht nur sportlich aneinander.

Jackson hatte sich über die angeblich rüde Spielweise der Tigers beschwert, die zu zahlreichen Verletzungen in seinem Team führe. Die Straubinger nahmen es den Berlinern übel, dass ihr Torhüter Barry Brust nach einer Attacke eines Eisbären-Profis sieben Wochen verletzt ausfiel.

Tigers im "uralten Hexenkessel"

Der schillernde Brust, der mit 109 Strafminuten in der Hauptrunde einen Rekord für Torhüter aufgestellt hatte, gilt als Straubinger Erfolgsgarant, ebenso wie der kürzlich zum DEL-Trainer des Jahres gekürte Dan Ratushny.

Aber ohne die Heimstärke wäre der Zweitligameister von 2006 nicht dort, wo er jetzt steht.

"Unser Stadion ist keine Multifunktions-Arena wie in Berlin, sondern ein uralter Hexenkessel", sagte Stürmer Rene Röthke.

Ingoldstadt hat "eine Mission"

Für Berlin spricht neben dem fast doppelt so hohen Etat vor allem die riesige Playoff-Erfahrung. Das Ziel in dieser Saison ist klar: alleiniger DEL-Rekordhalter.

Momentan teilt man sich den ersten Platz noch mit den Adlern aus Mannheim, deren letzter Meistertitel allerdings schon fünf Jahre her ist (Mannheim gegen Ingolstadt: Mit Kufen-Bollwerk zurück zu altem Glanz).

Vor dem Traumfinale Berlin gegen Mannheim müssen die Kurpfälzer ihr Halbfinal-Duell gegen den ERC Ingolstadt überstehen. Mannheims Stürmer Ken Megowan ist zuversichtlich: "Wir haben noch große Pläne."

Doch auch Ingolstadt, in der Hauptrunde immerhin auf Platz zwei, will das Finalticket lösen.

"Wir haben eine Mission gegen Mannheim. Das Finale ist unser Ziel", sagte ERC-Trainer Rich Chernomaz.

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