Die Halbfinalisten der Premier League Darts: Michael van Gerwen, Gary Anderson, Raymond van Barneveld, Phil Taylor © getty

Weltmeister Michael van Gerwen ist Favorit in den Premier-League-Playoffs. Aber die Konkurrenz ist mächtig selbstbewusst.

Von Dominik Laska

München - Wenn alle Dämme brechen.

50 Punkte stehen für Michael van Gerwen noch auf dem Scoreboard. Einen Pfeil hat der junge Niederländer noch in der Hand. Noch einmal die Konzentration hoch halten, wenige Sekunden und ein Wurf ins Glück.

Als der Pfeil das Bulls-Eye trifft, verfällt der Mann aus Boxtel in Ekstase. Jubelschrei, Siegerpose, neuer Premier-League-Champion. Im Finale den großen Phil Taylor besiegt.

Das war im vergangenen Jahr und es war der Beginn einer grandiosen Saison, die "Mighty Mike", der aufstrebende Jungstar des Darts mit dem Weltmeister-Titel krönte.

Er begann am Thron des ewigen Taylor zu rütteln.

Van Gerwen trifft auf Anderson

Und heute? Das gleiche Bild.

Der Titelverteidiger marschierte souverän durch die Hauptrunde der Premier League und geht nicht nur als Tabellenführer in den großen Playoff-Abend in London (ab 20 Uhr im LIVESTREAM und TV auf SPORT1+ und ab 22.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), sondern auch als Favorit auf den Titelgewinn.

Die erste Hürde, die van Gerwen dabei nehmen muss heißt Gary Anderson, Viertplatzierter nach der Hauptrunde. Tabellenpositionen spielen nun aber keine Rolle mehr. Die Uhren sind auf null gestellt, das weiß auch der Niederländer:

"Ich bin letztes Jahr auch als Tabellenführer in die Playoffs gegangen und habe gewonnen, vielleicht hilft mit das ja in diesem Jahr. Dennoch muss ich an diesem Abend gut spielen, da ist es egal, ob du als Erster oder als Vierter abgeschlossen hast."

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"Mighty Mike" selbstbewusst

Es kommt auf den Moment an. Auf den Punkt die beste Leistung abrufen. An seine Favoritenrolle hat sich der Weltmeister mittlerweile gewöhnt, von Understatement keine Spur:

"Ich weiß, ich bin der Favorit, aber Gary ist ein guter Spieler und ich muss sichergehen, dass ich ihm keine Chancen auf die Doppel gebe. Wenn ich meine beste Leistung abrufe, dann weiß ich, dass ich gewinnen werde", sagt van Gerwen zu "pdc.tv".

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Und auch sein Kontrahent hält sich mit Kampfansagen nicht zurück. Van Gerwen sei zwar ein großes Talent, "dennoch muss er mich erst einmal besiegen", tönte Anderson im Vorfeld der Halbfinal-Partie: "Er muss schon das Spiel seines Lebens machen, ansonsten ist er raus."

"Keine Taktik, nur Darts"

Von Angst also keine Spur beim Champion von 2011, der nach einer zweijährigen Durststrecke wieder auf dem Weg zurück in die absolute Weltspitze ist. Seine Marschroute formuliert der "Flying Scotsman" dabei klar und deutlich:

"Es gibt keine Taktik, nur Darts. Geh da rauf, wirf große Scores, vollende die Finishes und lass den Gegner darüber nachdenken."

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Taylor mit Selbstkritik

In den letzten Monaten dürfte vor allem Phil Taylor viel nachgedacht haben. Der Rekordweltmeister konnte sich nach dem Fehlstart mit drei Niederlagen in Folge zwar noch in die Playoffs retten, die gewohnte Dominanz ist aber verloren gegangen.

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Trotz der Serie von elf Partien in Folge ohne eine Niederlage vernimmt man kritische Töne, wenn Taylor sagt, er sei in den letzten Wochen "enttäuscht von seiner Form" gewesen.

Viel Kritik musste der Mann aus Stoke-on-Trent über sich ergehen lassen, nachdem er mit seinen neuen Darts und dem damit einhergehenden Sponsorenwechsel Anlaufschwierigkeiten hatte (News: Alles zum Darts) .

"Ein Marathon, kein Sprint"

Doch er strafte seine Kritiker Lügen und kämpfte sich nach dem Stotterstart zurück in die Spur.

"Die Premier League ist ein Marathon, kein Sprint und ich habe immer gesagt, die Leute sollen mich nicht am Anfang einer Saison beurteilen, sondern erst am Ende", sagte Taylor.

Auf dieser Marathonstrecke biegt der sechsmalige Champion nun bereits zum zehnten Mal in Folge auf die Zielgerade ein. Und wie schon im letzten Jahr wartet der ewige Rivale Raymond van Barneveld.

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"Barney" kämpft gegen die Statistik

Die Statistik spricht dabei nicht gerade für den Niederländer. Sechs Halbfinals spielte "Barney" bisher in der Premier League und es hagelte sechs Niederlagen. Zudem konnte der fünfmalige Weltmeister "The Power" noch nie bei einem Premier-League-Event besiegen.

"Ich denke nicht wirklich darüber nach, sechs Halbfinals verloren zu haben. Ich denke daran, jetzt zu gewinnen", sagte der ehemalige Postbote aus Den Haag.

Ob es ihm am Ende auch auf der Bühne gelingt, die Gedanken in der Umkleide zu lassen, bleibt abzuwarten. Eines steht jedoch fest. Auch beim neuen Champion werden am Ende wieder alle Dämme brechen.

Die Playoff-Partien im Überblick:

Michael van Gerwen - Gary Anderson

Raymond van Barneveld - Phil Taylor

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