Elmar Paulke erklärt in seiner Kolumne das sensationelle Aus von Phil Taylor. Jetzt schlägt die Stunde der neuen Favoriten.

Hallo Dartfreunde,

Damit hatte niemand gerechnet, schon gar nicht Phil Taylor selbst. Das WM-Aus in Runde zwei gegen den 23 Jahre jungen Michael Smith ist eine Sensation. Nicht nur, weil The Power diese 16 WM-Titel in seiner großartigen Karriere gewonnen hat, sondern vor allem, weil seine Dominanz im letzten halben Jahr bei Major-Turnieren des Profi-Verband atemberaubend war. Er gewann fünf Titel nacheinander. Verlor zwar dieses eine Finale im Vorfeld der WM (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) gegen Michael van Gerwen, aber nichts hatte auf eine Formkrise hingedeutet.

Und plötzlich verliert der 53-jährige Phil Taylor das Generationen-Duell mit seinem 30 Jahre jünger Gegner Smith, der vom schottischen Profi Gary Anderson betreut wird und ein großartiges Match spielte, das er mit einem 128er Bullseye-Finish beendete.

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Taylors Enttäuschung gleich nach der Niederlage war so groß, dass er ohne ein Wort zu sagen den Alexandra Palace verließ. Kein Interview. Nichts. Er fuhr gleich zurück in sein Apartment in London, das er sich extra für diese Weltmeisterschaft für vier Wochen gemietet hatte. Dort wollte er eigentlich auch Weihnachten mit seiner Familie feiern. Fraglich, ob er diesen Plan einhalten wird. Bis zu dieser Stunde war Taylor auch für die PDC (Professional Darts Corporation) nicht zu erreichen. Keiner weiß, ob er sich vielleicht schon in seine Heimat Stoke-on-Trent zurückgezogen hat. Keiner weiß, ob er sich bei der diesjährigen WM noch mal blicken lässt.

Für den Titelverteidiger war es das zweite Zweitrunden-Aus innerhalb von drei Jahren. Bei der WM 2012 unterlag er damals Dave Chisnall, einen Spieler, der frisch zur PDC gewechselt war, aber schon große Erfolge beim konkurrierenden Verband BDO feiern konnte.

Diesmal war es anders. Michael Smith, der wegen eines Beckenbruchs vor gerade mal sieben Jahren mit dem Darts begann, hatte noch nicht wirklich gezeigt, dass er mehr ist als ein hoffnungsvolles Talent. Im Mai wurde er U-21 Weltmeister bei der PDC. Er hatte immer wieder mal für Überraschungen gesorgt, aber Taylor auf der größten Darts-Bühne im Ally Pally zu bezwingen, das hatte ihm niemand zugetraut.

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Und es war auch nur möglich, weil The Power nicht mit der gewohnten Volt-Stärke agierte. Er hatte sich bereits in Runde eins gegen den unbekannten Neuseeländer Rob Szabo abgemüht, aber gleich danach angekündigt, er würde die Trainingsintensität jetzt steigern. Genau eine Woche später scheidet er aus, obwohl er im Entscheidungssatz in Führung gegangen war und man dachte, er würde das Kind schon schaukeln. Wie so oft in seiner Laufbahn.

Doch diesmal hatte der Gegner auch die mentale Stärke, The Power zu überwinden. Und die Konkurrenz reibt sich natürlich die Hände. Michael van Gerwen kann mit einem Triumph sogar zum ersten Mal in seiner Karriere Weltranglistenerster werden und damit Taylor von der Spitze verdrängen.

Oder Adrian Lewis, der jetzt als ebenso als einer der heißesten Anwärter auf den Titel gilt - und natürlich auch Simon Whitlock. Der Australier steht wie Taylor in der oberen Turniertableau-Hälfte und ist in aussichtsreicher Position, zum zweiten Mal nach 2010 in das Finale dieser WM einzuziehen.

Game on,

Euer Elmar

Elmar Paulke ist die Darts-Stimme bei SPORT1 und kommentiert die Live-Übertragungen im TV. Paulke ist seit Herbst 1998 für SPORT1 (ehemals DSF) als Kommentator tätig und ist neben Darts auch ausgewiesener Tennis-Experte. Im Mai 2000 wurde er für seine DSF-Dokumentation "Boris Becker - I did it my way" mit dem "Bayerischen Fernsehpreis" ausgezeichnet. Während der Darts-WM 2013 wechselt er sich bei der Kolumne mit Tomas Seyler ab.

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