Elmar Paulke erklärt in seiner Kolumne, wann Darts brutal ist. Andree Welge wird seine Pleite noch ein paar Wochen schmerzen.

Hallo Dartfreunde,

Andree Welge wollte weg. Raus aus dem Alexandra Palace, in den es normalerweise jeden anderen Darts-Spieler magisch reinzieht. Die überraschend deutliche 1:4 Niederlage in der Vorrunde gegen den unbekannten Spanier Julio Barbero tat weh - und sie wird auch noch ein paar Wochen lang schmerzen. "Ich habe die Schnauze voll vom Ally Pally!", sagte Welge gleich nach seinem WM-Aus.

Es war sein insgesamt sechster Versuch, ein Match bei einer Weltmeisterschaft (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) zu gewinnen. Und wenn man sich bei den englischen Profis umhört, dann glaubt eigentlich keiner daran, dass dieser Fluch mal irgendwann enden wird. Das ist bitter, aber auch Welge selbst hat bis heute keine Antwort auf die Frage: Warum? "Ich bin nicht nervöser als bei anderen Turnieren", sagt Welge, "daran liegt es nicht."

[image id="ea8d7274-63bf-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Eines ist klar, wer bei fünf WM-Anläufen verkrampft, hat beim sechsten Angst, dass es wieder passiert. Dem gelernten Kraftwerker war von Beginn anzumerken, wie die Last der eigenen Erwartung sein Spiel prägte. Er hatte Sorge, dass er zu lange brauchen würde, um ins Match zu finden - und genau das ist passiert. Und dann ist Darts brutal, weil du in der Entscheidung nicht vom Fehler des Gegners profitieren kannst. Gewinnt ein Tennisspieler auch mal ein Match, weil der Gegner den Ball verschlägt, musst du am Dartboard eines der schmalen Doppelfelder treffen. Basta.

Beim 17 Jahre jungen Max Hopp hat das im ersten Satz wunderbar funktioniert. Er trat gegen die Nr. 9 der Welt, Robert Thornton, an, legte einen beeindruckenden ersten Satz hin und brach dann ein. Ähnlich wie im vergangenen Jahr in der ersten Runde gegen Denis Ovens, als Hopp 2:1 in den Sätzen führte, um anschließend kein Leg mehr zu gewinnen.

Auch wenn es der zweite WM-Start für den Maximiser war, ihm fehlt natürlich noch Erfahrung. Als der Schotte Thornton das Match an sich riss, war Hopp hilflos auf der 50 Meter breiten Bühne. Er wusste sich nicht mehr zu wehren. Und so hat diese Partie ganz gut gezeigt, dass Max Hopp auf der einen Seite auch mit einem Top-10 Spieler eine Zeitlang mithalten kann, ein Klassenunterschied aber natürlich vorhanden ist.

(Das Darts-Phrasenschwein: Jetzt im SPORT1-Shop kaufen!)

[image id="ea9b80e7-63bf-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Max Hopp will professioneller Darts-Spieler werden. Was er auf der Profi-Tour bislang gezeigt hat, war wirklich gut, aber noch fehlt ein Highlight. Bis hier hin haben es einige deutsche Spieler geschafft und die nächsten zwei, drei Jahre werden zeigen, ob das Talent Hopp sich beim Profiverband tatsächlich etablieren wird. Der nächste Schritt wird sein bislang schwierigste Karriereschritt sein. Ziel der aktuellen Nr. 96 der Welt sind die Top-32. Davon ist Hopp noch ziemlich weit entfernt. Das hat das gesamte Jahr 2013, aber auch diese WM gezeigt.

Max Hopp wird sich morgen auf den Weg zurück ins hessische Idstein begeben. Andree Welge ist bereits gestern, am Tag nach der Niederlage, frustriert nach Hause geflogen. Er ist zurück im Alltag und sitzt heute bereits wieder im Büro.

Bis bald,

Euer Elmar

Elmar Paulke ist die Darts-Stimme bei SPORT1 und kommentiert die Live-Übertragungen im TV. Paulke ist seit Herbst 1998 für SPORT1 (ehemals DSF) als Kommentator tätig und ist neben Darts auch ausgewiesener Tennis-Experte. Im Mai 2000 wurde er für seine DSF-Dokumentation "Boris Becker - I did it my way" mit dem "Bayerischen Fernsehpreis" ausgezeichnet. Während der Darts-WM 2013 wechselt er sich bei der Kolumne mit Tomas Seyler ab.

Weiterlesen