Tomas Seyler ist der letzte Deutsche bei der WM. Bei SPORT1 spricht er über seine Strategie und Phil "The Power" Taylor.

[kaltura id="0_0be4yr2i" class="full_size" title=" Shorty Seyler die letzte deutsche Hoffnung"]

Von Tim Dose

München/London - Tomas "Shorty" Seyler muss auf Temperatur kommen. Der 39-Jährige liebt Matches spät am Abend, dann, wenn die ganze Halle kocht - und das tut sie bei der WM in London (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Dort, auf einer Anhöhe im Norden der englischen Metropole, fordert der mehrfache deutsche Meister an diesem Donnerstag in seinem Erstrundenmatch Kevin Painter ( 822529 DIASHOW: Die Bilder der Darts-WM ).

Da mit Max Hopp und Andree Welge bereits zwei von drei deutschen Startern ausgeschieden sind, ist Seyler ist die letzte Hoffnung für den deutschen Dartssport.

Im SPORT1-Interview spricht "Shorty" Seyler über das Vertrauen zu seinen Darts, die Konkurrenten von "The Power" Taylor und atemraubende Duelle mitten in der Nacht.

SPORT1: Herr Seyler, die WM läuft - sexy Walk-On-Girls, spektakuläre Matches, grölende Fans. Die WM ist ...

Tomas Seyler: ... die Krönung des Jahres. Es ist das Turnier, wo alle hinwollen.

SPORT1: Ihr Match ist spät am letzten Erstrundentag. Zehrt das nicht an den Nerven?

Seyler: Nein. Ich habe interessanterweise das allerletzte Spiel der ersten Runde um zwölf Uhr nachts gegen Kevin Painter. Für mich ist das ein Vorteil.( 819006 DIASHOW: Die verrücktesten Darts-Fans )

SPORT1: Warum?

Seyler: Ich kann mehr Atmosphäre aufnehmen. Ich werde mir das eine oder andere Spiel vorher angucken und bin ein bisschen länger in der Halle als sonst. Mir gefällt das. Je später der Abend, desto besser werde ich.

SPORT1: Kevin Painter wartet - wie stehen Ihre Chancen?

Seyler: Eigentlich nicht schlecht. Ich habe ein gutes Jahr hinter mir, habe mich für alle drei großen Turniere, bei denen ich dabei sein wollte, qualifiziert. Selbstvertrauen ist da und ich weiß, dass Kevin ein bisschen damit hadert mit der Geschichte, dass so viele Ausländer auf seiner Tour spielen. Früher war die PDC sehr England-lastig. Aber mittlerweile kommen immer mehr internationale Spieler auf die Players Championship, die er nicht so gut kennt. Seitdem erzielt er nicht mehr so gute Ergebnisse. Da sehe ich die Chance, dass Kevin mich unterschätzt ganz nach dem Motto "ist ja nur ein Deutscher", obwohl er mich eigentlich seit 25 Jahren kennt.

SPORT1: Ihnen gefällt die Rolle des Außenseiters.

Seyler: Ja, diese Rolle gefällt mir ganz gut. Painter muss das Spiel machen, er ist die Nummer 13 der Welt. Ich bin immer noch im Amateurstatus, weil wir in Deutschland noch nicht so weit sind. Bei uns ist es nicht so, dass man nur noch Darts spielt und nichts anderes mehr macht. Dafür fehlen die Sponsoren. Für mich ist es sehr angenehm zu sagen: Ich kann draufhauen und du musst dich wehren.

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SPORT1: Wie bereiten sie sich speziell auf die WM vor?

Seyler: Mit Mentaltraining bin ich ein bisschen spät dran. Ich habe mich dieses Jahr mal durchgefragt, wer in der Szene überhaupt den Sportbereich Darts oder Denksportarten wie Schach abdeckt. Denn ich bezweifle, dass mir ein Mentaltrainer aus dem Fußball oder Handball wirklich helfen kann. Ansonsten stellt man das Spiel einfach um, man spielt längere Distanzen. Normal spielt man First to Six, und in den letzten Monaten habe ich einfach nur die Trainingsdistanzen verlängert, weil wir ja Five of Five spielen.

SPORT1: Und das bedeutet?

Seyler: Das heißt, wir haben sechs Legs mehr zu spielen. Statt sechs zu gewinnen, muss man neun gewinnen. Ein Spiel bei First to Six dauert in der Regel 15 bis 20 Minuten. Das Five to Five kann bis zu einer Dreiviertelstunde dauern, das muss man durchstehen. Man hat nur kleine Ruhephasen in einem Spiel, die muss man dann annehmen.

SPORT1: Ändern Sie etwas an Ihren Pfeilen?

Seyler: Das sind meine Darts, die ich seit 25 Jahren spiele. Man nimmt die Pfeile, zu denen man am meisten Vertrauen hat. Ich bin jemand, den es eher nervös macht, kurz vor der WM etwas zu verändern. Ein Phil Taylor lebt das völlig aus. Bei ihm hat man das Gefühl, er ändert alle fünf Minuten etwas an seinen Darts.

SPORT1: Taylor ist der Topfavorit ...

Seyler: ...wenn ich ehrlich sein darf, habe ich fünf im Blick, die den Titel unter sich ausmachen. Das ist einmal van Michael van Gerven, dann haben wir Adrian Lewis, Raymond van Barneveld, Taylor ist klar und der fünfte ist für mich Whitlock, die Wundertüte. Ich weiß noch nicht genau, wie er drauf er ist, ob er es hinkriegt oder nicht. Ich will mich nicht festlegen und sagen, Taylor macht es wieder. Van Gerven hat ihn bei der Players Championship sehr schön abgefangen und ist sehr gut vorbereitet.

SPORT1: Und wie weit kommen Sie, falls Sie sich gegen Kevin Painter durchsetzen?

Seyler: Ich habe dieses Jahr eine sehr gute Auslosung. Ich habe eine gute Chance gegen Painter. In der zweiten Runde wird sich zeigen, was passiert, aber mit Nicholson könnte ich klar kommen. Aber da kommt es dann auf die Tagesform an. Mein Ziel ist definitiv die dritte Runde und dann Sekt oder Selters.

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