Felix Sturm (l.) gewann in seiner Profi-Karriere bisher 39 Kämpfe © imago

Felix Sturm steigt gegen Pflichtherausforderer Soliman in den Ring. Beim Kampf um die IBF-Krone geht es auch um Wiedergutmachung.

Köln/Krefeld - Felix Sturm wirkte völlig entspannt. Im grauen T-Shirt und blauer Trainingshose grinste der Boxweltmeister in die Kameras.

"Ich weiß, was ich zu tun habe", sagte der 35-Jährige vor dem WM-Kampf am Samstag mit einem Kaugummi im Mundwinkel: "Ich werde Weltmeister bleiben. Ich will dieses Mal alle Zweifel beseitigen."

"Gefühlt wie die Bayern-Spieler"

Sturms Gegner in Krefeld ist ausgerechnet Sam Soliman, jener Australier, der ihn bei einem WM-Ausscheidungskampf vor 15 Monaten überraschend nach Punkten geschlagen hatte. Zwar wurde die Wertung des Kampfes vom 1. Februar 2013 wegen eines positiven Dopingbefundes bei Soliman annulliert - Sturms persönliche Zweifel aber blieben.

"Ich habe mich gefühlt, wie sich die Bayern-Spieler nach dem verlorenen Champions-League-Finale im heimischen Stadion gefühlt haben müssen", sagte Sturm, der damals sogar ein Karriereende oder den Wechsel in eine andere Gewichtsklasse in Betracht gezogen hatte.

Doch der Wahl-Kölner bewies Moral und kämpfte sich im Dezember gegen den Briten Darren Barker wieder auf den Boxthron - zum insgesamt vierten Mal SHOP: Jetzt Boxartikel kaufen.

Gewicht unter Kontrolle

Dass die IBF nun ausgerechnet Soliman als Pflichtherausforderer des amtierenden Champions führt, ist besonders brisant. Für Sturm ist es aber auch die Chance, die Zweifel der Vergangenheit endgültig zu beseitigen."

"Durch die Niederlage habe ich mich hinterfragt. Ich habe jetzt mein Gewicht unter Kontrolle, ernähre mich besser. Inzwischen liege ich anders als früher schon Wochen vor dem Kampf im Bereich des Mittelgewichts-Limit von 72,5 Kilo. Was ich früher machte, war ein Raubbau", sagte er der "Sport Bild".

Sein Trainer Fritz Sdunek bescheinigte ihm eine "hervorragende Einstellung". Sturm habe die richtigen Schlüsse aus der Niederlage gezogen, sagte Sdunek: "Schon morgens um sieben Uhr beginnt Felix mit Ausdauer- und Sparring-Einheiten. Er hat sich weiterentwickelt. Seine Gewichtsdisziplin ist inzwischen perfekt, so dass wir uns auf die wesentlichen Dinge konzentrieren können."

Soliman fordert Dopingtest bei Sturm

Sturms Gegenüber Soliman, der infolge seines Dopingvergehens vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) für neun Monate gesperrt worden war, ließ unterdessen nichts unversucht, um Sturm in seiner Konzentration zu stören. Am Montag forderte der 40-Jährige öffentlich, einen Dopingtest in Sturms Training durchzuführen .

Seinen eigenen persönlichen Dopingbefund erklärte Soliman mit der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels. Auch deshalb hat sein Lager den BDB angezeigt: "Wir haben den Bund Deutscher Berufsboxer verklagt und vertrauen in die deutsche Gerichtsbarkeit."

Sdunek ist sich aber dennoch sicher: "Wenn Felix normal boxt, hat Soliman keine Chance. Dann wird Felix den Kampf vorzeitig gewinnen. Die Emotion muss in den Hintergrund rücken." Sein Schützling Sturm beteuerte zwar "weder Wut noch Hass" zu verspüren, Soliman wolle er aber trotzdem "in die Boxer-Rente schicken". Dann wären wohl in der Tat die letzten Zweifel endgültig verflogen.

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