Auch wenn er es nicht genauso gesagt hat: Vitali Klitschkos Karriere ist de facto vorbei. Er kann guten Gewissens in Rente gehen.

Es ist mit Vitali Klitschko gerade ähnlich wie mit Jupp Heynckes vor einem halben Jahr.

Da endet eine große, eine riesengroße Karriere - und man merkt es im ersten Moment gar nicht so richtig.

Weil er es nicht genauso sagt: Ich beende hiermit meine Karriere. Und weil es da ja noch irgendwo eine Hintertür gibt, die er nicht vor aller Augen abgesperrt und verbarrikadiert hat.

Ja, Vitali Klitschko könnte noch mal auf kurzem Dienstweg den Weltmeistertitel zurück erringen, den er soeben abgetreten hat.

Aber es wird kaum dazu kommen.

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Klitschko selbst sagt, er könne sich eine Rückkehr in den Ring im Moment "überhaupt nicht vorstellen". Er hat auch überhaupt keinen Grund, das anders zu sehen.

Das, was gerade in Klitschkos Heimat passiert, ist bedeutsamer als eine Pflichtherausforderung gegen Bernard Stiverne.

Und nichts, was Klitschko im Ring noch machen könnte, kann noch bedeutsamer werden, als das, was er nun als politischer Anführer zu tun hat.

Vitali Klitschko hat als Boxer nichts mehr zu beweisen, schon lange nicht mehr.

Er hat eine fast makellose Karriere hinter sich.

Sein einziger echter Makel sind zwei verlorene Kämpfe gegen Chris Byrd und Lennox Lewis, die lange zurückliegen. Und die er wohl auch noch gewonnen hätte, ohne den Sehnenriss, ohne die Blutergüsse, die ihn daran gehindert haben.

Der andere, der vermeintliche Makel, ist derselbe, der gerade auch an Sebastian Vettel und den FC Bayern heftet: Dass er - gemeinsam mit Bruder Wladimir - seinen Sport in die Langeweile dominiert.

Ein Vorwurf, den Klitschko als Kompliment auffassen muss.

Klitschko kann nichts dafür, dass auf Lewis kein Gegner mehr gefolgt ist, der ihm auf seinem Niveau ernsthaft fordern konnte.

Und dass die einzige Frage, die er offen gelassen hat, die ist, ob er gegen Größen anderer Generation hätte bestehen können.

Auf diese Frage gibt es naturgemäß keine Antwort.

Aber man kann sicher davon ausgehen, dass kommende Boxweltmeister oft den Satz hören werden: Gegen Vitali Klitschko hätte der keine Chance gehabt.

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