In seinem 45. Profikampf fordert Felix Sturm (r.) den Briten Darren Barker heraus © getty

Im WM-Fight gegen Darren Barker bekämpft Felix Sturm den Abwärtstrend, kann aber Einmaliges schaffen. Er setzt auf die Fans.

Von Christoph Lother

München - Es ist - im wahrsten Sinne des Wortes - die Ruhe vor dem Sturm.

Äußerlich gelassen und scheinbar vollkommen unaufgeregt blickt Felix Sturm seinem 45. Profi-Fight entgegen. Dabei steht für den 34-Jährigen so viel auf dem Spiel.

In Stuttgart kämpft der Mittelgewichtler am kommenden Samstag gegen den Briten Darren Barker. Gegen zirka 500 mitgereiste Fans aus England. Um die WM-Krone der IBF. Und um seine wohl letzte Chance.

Historisches Ziel vor Augen

"Er hat eine hundertprozentige Garantie gegeben, diesen Kampf zu gewinnen. Ich freue mich, ihm das Gegenteil zu beweisen", sagt Sturm vor dem Duell mit dem frisch gebackenen Champion, bei dem er Geschichte schreiben, genauso gut aber auch endgültig scheitern könnte.

Mit einem Sieg würde sich der gebürtige Leverkusener zum vierten Mal zum Weltmeister krönen - als erster Deutscher überhaupt.

Mit einer Niederlage würde er sich wohl ein für alle Mal aus der Beletage des Boxsports verabschieden.

Rückschläge seit 2010

Denn: In den vergangenen drei Jahren hat Sturms Karriere einen ebenso unerwarteten wie unglücklichen Verlauf genommen.

Seit er im Sommer 2010 beschloss, sich von seinem damaligen Promoter Universal Box Promotion zu trennen und fortan lieber selbst zu vermarkten, hatte Sturm mit erheblichen Rückschlägen zu kämpfen - innerhalb und außerhalb des Rings.

Macklin als Wendepunkt

"Meine Karriere war eigentlich durchweg positiv, ich hatte alles erreicht, was ich erreichen wollte", sagt der Mann mit den bosnischen Wurzeln rückblickend bei SPORT1.

Mit dem schwer umstrittenen Punktsieg gegen Matthew Macklin im Juni 2011 habe dann aber eine "Durststrecke begonnen, die ich mir so nicht vorgestellt habe".

Nur mit größter Mühe und dank eines nahezu skandalösen Urteils der Punktrichter konnte Sturm seinen Titel als WBA-Superchampion gegen den Iren verteidigen.

Tiefpunkt gegen Geale

Nachdem er sich anschließend zu einem müden Unentschieden gegen den Engländer Martin Murray geschleppt, dafür aber den Neubrandenburger Sebastian Zbik überzeugend geschlagen hatte, erreichte Sturm im September 2012 seinen vorläufigen Tiefpunkt:

Gegen den Australier Daniel Geale fand der Linksausleger einfach kein passendes Rezept, verlor den Kampf und seine WM-Gürtel.

Suche nach dem Killerinstinkt

Auch gegen Geales Landsmann Sam Soliman hatte der zwischenzeitlich fast schon verzweifelte Sturm das Nachsehen.

Da sein Gegner im Anschluss positiv auf eine illegale Substanz getestet worden war, wurde der Kampf zwar annulliert, Sturms Ruf hatte zu diesem Zeitpunkt aber schon erheblichen Schaden davon getragen.

Dem einst so gefürchteten und hochbegabten Techniker, dem kombinationsschnellen und wendigen Konterboxer war sein Killerinstinkt offenbar abhanden gekommen.

Ein Rücktritt hätte zu diesem Zeitpunkt wohl nur die wenigsten Kenner der Szene überrascht.

[fbpost url="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=759356547413155=a.700632029952274.1073741825.151877678161048=1"]

Zum Boxen geboren

Doch Sturm trat nicht zurück. Er kam zurück.

Er stellte seine Ernährung um, sein Training. Reduzierte sein Kampfgewicht von 86 auf 72 Kilogramm. Gab die Vermarktung an seinen Manager Roland Weber ab und konzentrierte sich wieder voll und ganz auf seine eigentliche Arbeit.

"Ich habe mich um 180 Grad gewandelt", fasst Sturm zusammen und betont: "Ich bin dafür geboren, dass ich boxe. Dafür tue ich alles."

Fans bleiben skeptisch

Die Gunst des Publikums eroberte der ehemalige Weltmeister bislang aber nur bedingt zurück.

Seinen jüngsten K.o.-Sieg über den Montenegriner Predrag Radosevic Anfang Juli verfolgten rund 2,5 Millionen Fernsehzuschauer - zu Sturms besten Zeiten waren es noch doppelt so viele.

"Ich konnte nicht immer den Felix Sturm zeigen, den ich von mir selber erwartet habe, den ich auch meinen Fans zeigen möchte", gesteht der 34-Jährige.

Sturm: "Ein Kampf wie noch nie"

Gegen Barker soll sich das ändern. Über 8000 Zuschauer werden dabei sein, wenn Sturm gegen "Dazzling" seinen insgesamt 17. K.o.-Sieg anpeilt.

"Ein K.o. ist das sauberste Ergebnis", erklärt er, wohlwissend dass der kantige und drei Zentimeter größere Barker über erstaunliche Nehmerqualitäten verfügt.

"Von der Stimmung her wird es ein Kampf, wie wir ihn noch nie hatten, seit wir selbstständig sind", verspricht Sturm.

Vor dem vielleicht wichtigsten Tag seiner Karriere.

Weiterlesen