Wladimir Klitschko (l.) ist Linksausleger und boxt damit orthodox © getty

Der WM-Kampf zwischen Wladimir und Alexander Powetkin elektrisiert die Boxwelt. Nicht alle Experten sehen Klitschko vorn.

Moskau/München - Henry Maske und Fritz Sdunek glauben an einen schnellen K.o.-Sieg für Wladimir Klitschko, Ulli Wegner und Arthur Abraham trauen Alexander Powetkin die große Überraschung zu:

Der bedeutendste Schwergewichtskampf der vergangenen Jahre mit einer Rekordbörse von insgesamt mehr als 17 Millionen Euro teilt die Boxwelt in zwei Lager.

Zwar gilt der 37 Jahre alte Mehrfach-Champion Klitschko vor dem Mega-Fight am Samstag (20.15 Uhr) in Moskau als großer Favorit, doch ein Selbstläufer dürfte es nach Ansicht einiger Experten nicht werden.

"Stilistisch wird Powetkin den jüngeren Klitschko vor große Probleme stellen. Dazu hat der Russe nahezu das komplette Publikum auf seiner Seite, was ihn nach vorn peitschen wird", sagte Trainerlegende Wegner: "Mit der richtigen Taktik traue ich Powetkin einen Sieg nach Punkten zu."

Maske setzt auf K.o.-Sieg

Klitschko, Weltmeister nach Versionen der IBF und IBO sowie WBO- und WBA-Superchampion, boxt beim "Machtkampf in Moskau" bereits zum 24. Mal um die WM-Krone.

Zuletzt konnte ihm niemand auch nur annähernd gefährlich werden.

Letztes Opfer seiner Dominanz war im Mai in Mannheim Francesco Pianeta, der in der sechsten Runde durch technischen K.o. unterlag.

Ex-Weltmeister Henry Maske glaubt auch in Russland "an einen vorzeitigen Sieg Wladimirs, der körperlich eindeutig überlegen ist."

Das Maß muss stimmen

Mit dieser Meinung ist der "Gentleman" längst nicht alleine.

"Wenn nichts Gravierendes passiert, wird Wladimir den Kampf vorzeitig gewinnen", sagte Axel Schulz im Gespräch mit "RTL".

Boxtrainer Fritz Sdunek legt sich sogar auf ein konkretes Kampfende fest: "Wenn er (Klitschko, d. Red.) das richtige Maß gefunden hat, wird er Powetkin mit einer harten rechten Hand ausknocken. Das könnte so um die achte Runde herum sein."

Powetkin "vieles schuldig geblieben"

Viele Boxkenner sind von der Entwicklung Powetkins, dem Olympiasieger von 2004, enttäuscht und trauen dem 34 Jahre alten Russen bei seinem Heimspiel in der bis zu 35.000 Zuschauer fassenden Olimpiyski-Arena nicht den großen Wurf zu.

"Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Powetkin diesen Kampf gewinnen will, dafür ist er zuletzt zu vieles schuldig geblieben", sagte Luan Krasniqi.

Der britische Schwergewichtler Dereck Chisora meinte: "Ich sehe nicht, dass der Kampf über die sechste Runde hinausgeht. Wahrscheinlicher ist, dass Klitschko dem Ganzen schon vorher ein Ende bereitet."

Huck glaubt an Powetkins Stärke

Einen Knock-out traut Powetkin eigentlich niemand zu, obwohl er in 26 Profikämpfen noch ungeschlagen ist.

Klitschko boxt schlicht zu clever und bietet kaum Angriffsfläche, zuletzt unterlag "Dr. Steelhammer" im April 2004 gegen Lamon Brewster, verlor bei 60 Siegen (52 K.o.'s) überhaupt erst dreimal.

"Powetkin kann auf jeden Fall sehr vielseitig agieren, was man nicht wirklich von den letzten Gegnern Klitschkos behaupten konnte", meinte Ex-Weltmeister Arthur Abraham: "Die Frage ist, ob er das wie gewohnt mit seiner physischen Stärke unterbinden kann. Gelingt ihm das nicht, sehe ich Powetkin vorn."

Auch Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck meinte, dass Powetkin "die nötigen Voraussetzungen mitbringt, um Wladimir Klitschko zu besiegen."

Klitschkos bester Gegner

Und was sagt Klitschko selbst?

"Powetkin hat noch keinen Kampf verloren, er war noch nie auf dem Boden, er war noch nie ausgezählt. Einen besseren Gegner habe ich noch nie gehabt", meinte der Ukrainer.

Vor dem politisch aufgeheizten Duell sieht er den Druck aber klar bei seinem russischen Kontrahenten: "Bei sich zuhause zu verlieren, wäre ein bitteres Ergebnis für ihn."

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