Arthur Abraham hat von seinen 40 Kämpfen 36 gewonnen, davon 28 durch K.o. © getty

Der Ex-Weltmeister gewinnt gegen einen Außenseiter und hofft auf die Revanche gegen Stieglitz. Brähmer bleibt EM-Champion.

Schwerin - Wütende Pfiffe für Arthur Abraham, müder Applaus für Jürgen Brähmer: Nach ihren glanzlosen Pflichtsiegen sind die zwei Profiboxer ihrem Ziel WM-Kampf zwar einen großen Schritt nähergekommen, doch weltmeisterlich hatte sich bei der Box-Gala in Schwerin keiner der beiden präsentiert.

Während Brähmer von den Fans in seiner Heimatstadt noch wohlwollend bedacht wurde, bekam Abraham den Unmut der 5600 Zuschauer zu spüren.

Buhrufe statt Beifall - sein Karriereende konnte der Deutsch-Armenier zwar vorerst abwenden, die Herzen der Boxfans hat er aber noch nicht zurückerobert.

"Ich wollte keine Schlägerei"

"Die Leute sind es gewohnt, dass ich meine Gegner K.o. schlage. Aber ich wollte keine Schlägerei, ich wollte ihn ausboxen", sagte der Supermittelgewichtler nach seinem einstimmigen, aber mühsamen Punktsieg gegen den mutigen Außenseiter Willbeforce Shihepo aus Namibia.

Abraham wollte kein Risiko eingehen, denn seine sportliche Zukunft stand auf dem Spiel. Bei einer Niederlage, das hatte der 33-Jährige im Vorfeld betont, hätte er die Boxhandschuhe an den Nagel gehängt.

Abraham will Revanche

Nach seinem 37. Sieg im 41. Profikampf hat "König Arthur" nun aber wieder ein klares Ziel vor Augen: die WM-Revanche gegen Robert Stieglitz.

Bei der WBO-Tagung in dieser Woche in Budapest will der Sauerland-Boxstall beantragen, dass Abraham offizieller Pflichtherausforderer des Weltmeisters wird.

Eine freiwillige Titelverteidigung hatte der Magdeburger Stieglitz nach seinem WM-Sieg über Abraham im März abgelehnt. Das erste Duell im August 2012 hatte Abraham für sich entschieden.

Stolz und Ehre zurückgewinnen

Im dritten und entscheidenden Kampf gegen seinen Erzrivalen will Abraham "Stolz und Ehre" zurückgewinnen, doch dafür muss er sich gewaltig steigern.

Gegen den agilen Shihepo versteckte sich Abraham erneut hinter seiner Doppeldeckung und vertraute nur auf seine Konter- und Schlagstärke.

"Wenn wir nochmal nach dem WM-Gürtel greifen, müssen wir einiges verändern", sagte Abrahams Trainer Ulli Wegner, ohne näher darauf eingehen zu wollen.

Brähmer hat Luft nach oben

Sein Leistungsoptimum hat auch Europameister Brähmer bei seiner erfolgreichen Titelverteidigung gegen den Italiener Stefano Abatangelo (3:0 nach Punkten) nicht abgerufen.

Der unansehnliche Halbschwergewichts-Kampf gegen den elf Zentimeter kleineren Herausforderer war geprägt von Umklammerungen, Kopfstößen und Ermahnungen durch den Ringrichter. Nicht wenige Fans dürften am Fernseher noch vor dem Kampfende um 1.05 Uhr eingeschlafen sein.

"Nach oben ist noch Luft", gab Brähmer zu. Zumal der Ex-Weltmeister beim nächsten Mal als WM-Herausforderer in den Ring steigen will.

Als wahrscheinlichster Gegner gilt der russische WBO-Champion Sergej Kowaljow. "Er ist ein unbequemer Mann, aber ich glaube, er ist leichter zu treffen als Abatangelo", sagte Brähmer.

Pulew träumt von Klitschko-Fight

Für Schwergewichtsboxer Kubrat Pulew (32) könnte unterdessen der Traum von einem WM-Kampf gegen Mehrfach-Champion Wladimir Klitschko bald wahr werden.

Der Bulgare setzte sich im Ausscheidungskampf gegen den Amerikaner Tony "The Tiger" Thompson einstimmig nach Punkten durch und feierte seinen 18. Sieg im 18. Profikampf.

Der Weltverband IBF hatte zuvor entschieden, dass der Sieger des Duells zum Pflichtherausforderer von Wladimir Klitschko aufsteigt. Klitschko (37), der zudem den Gürtel des Verbandes WBO hält und Super-Champion der WBA ist, kämpft am 5. Oktober in Moskau gegen Alexander Powetkin.

"Egal, gegen wen ich antrete, es wird mein größter Kampf. Ich glaube, dass ich gewinnen werde", sagte Pulew selbstbewusst.

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