Arthur Abraham (l.) hat einen Kampfrekord von 36 Siegen und vier Niederlagen © getty

Für Ex-Weltmeister Abraham heißt es: Siegen oder abtreten. Henry Maske nimmt ihn in die Pflicht. Auch Brähmer steht unter Druck.

Schwerin/München - Bei seinem Profidebüt wurde Arthur Abraham von Existenzängsten gepackt.

In einem schmucklosen Zelt auf dem Nürburgring kämpfte der junge Boxer nach der Flucht seiner Familie aus dem Heimatland Armenien damals um seine Zukunft in Deutschland.

"Ich war so nervös, ich habe richtig gezittert vor Aufregung", sagt Abraham. Er schlug sich durch, bis auf den WM-Thron. Erst als Schlumpf-Boxer, dann als König Arthur, aber immer mit einem unorthodoxen Boxstil und seinem legendären "Abrahammer".

Unter Druck

Doch nun droht Abraham genau zehn Jahre nach seinem ersten Kampf das Ende der ereignisreichen Karriere.

Bei einer Niederlage am Samstag gegen Willbeforce Shihepo will der ehemalige Weltmeister seine Boxhandschuhe an den Nagel hängen.

Auch für Europameister Jürgen Brähmer heißt es im EM-Titelkampf gegen den Italiener Stefano Abatangelo: Verlieren verboten! Nur bei einem Sieg könnte das ehemalige "Jahrhundert-Talent" beim nächten Mal um einen WM-Titel im Halbschwergewicht boxen.

Zweifel an Abrahams Klasse

Bei Abraham, der erstmals seit vielen Jahren nicht den Hauptkampf einer Boxveranstaltung bestreitet, ist der Druck aber deutlich größer.

"Noch eine Niederlage wäre eine Katastrophe, dann muss ich aufhören, ganz klar", sagte der 33-Jährige: "Das wäre echt bitter, doch ich würde es akzeptieren, auch wenn es verdammt schwer fallen würde, mir einzugestehen, nicht mehr zur Weltklasse zu gehören."

Die Zweifel an Abrahams Qualität haben zuletzt stark zugenommen. Seine Abbruch-Niederlage im März gegen WBO-Weltmeister Robert Stieglitz war eindeutig.

"Schwarze Mamba" wartet

Der Deutsch-Armenier war technisch nie besonders talentiert, aber mit seinem Willen und seiner Einstellung hatte er auch besser ausgebildete Gegner immer wieder beherrscht.

Doch genau diese Tugenden ließ Abraham zuletzt vermissen, weshalb Henry Maske fordert, Abraham müsse wieder "Stolz und Ehrgeiz im Ring" zeigen.

Shihepo, Kampfname "schwarze Mamba", spuckt vor dem Duell Gift und Galle: "Ich kann es kaum abwarten, gegen Abraham in den Krieg zu ziehen." Sportlich dürfte der 30-Jährige aus Namibia (26 Kämpfe, sechs Niederlagen) einem Abraham in Normalform eigentlich nicht gefährlich werden.

Abraham will die Revanche

Es ist aber gut möglich, dass die Art und Weise eines Sieges über eine mögliche WM-Revanche gegen Stieglitz entscheidet.

Stieglitz, der das erste Duell im August 2012 verloren hatte, sieht derzeit keine Notwendigkeit für einen dritten und entscheidenden Kampf, auch weil er inzwischen einen Fernsehvertrag vorweisen kann.

Zur Not will Abraham so lange warten, bis er Pflichtherausforderer des Magdeburgers ist, um "Stolz und Ehre" zurückzugewinnen: "Bis dahin muss ich noch viel schwitzen und bluten."

Publikum bereitet Brähmer Sorge

Brähmer steht viel dichter vor einer WM-Chance. Ein Sieg gegen Abatangelo, dann dürfte Ende des Jahres ein Titelkampf auf den 34-Jährigen warten. "Nichts anderes ist mein Ziel", betonte der Ex-Weltmeister.

Nach seinem Wechsel in den Sauerland-Boxstall und dem überzeugenden Sieg im April gegen den Franzosen Tony Averlant läuft es in Brähmers Karriere wieder rund.

Sorgen bereitet dem Rechtsausleger weniger der elf Zemtimeter kleinere Abatangelo, sondern kurioserweise der Heimvorteil, der für Brähmer keiner ist: "Die Erwartungshaltung ist riesengroß, das ist nicht unbedingt ein Vorteil."

In seinem Wohnzimmer, der Schweriner Sport- und Kongresshalle, tritt der Mecklenburger zum vierten Mal in seiner Karriere an.

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