Felix Sturm erlitt gegen Sam Soliman in seinem 43. Profikampf die vierte Niederlage © getty

Nach der Niederlage gegen Soliman giftet der Ex-Champion gegen die Offiziellen. Das Karriereende sei allerdings kein Thema.

Düsseldorf - Einen Tag nach seiner Punktniederlage gegen den Australier Sam Soliman fühlte sich der ehemalige Box-Weltmeister Felix Sturm als Opfer eines Komplotts durch die Ringrichter.

"Ich habe den Kampf gewonnen. Es gab wirklich national und vor allem international niemanden, der mich hinten hatte. Bei zwei Punktrichtern habe ich mit einem Punkt verloren, wegen der letzten Runde", sagte Sturm am Samstagabend "Sky":

"Hätte ich die letzte Runde gewonnen, hätte ich den Kampf gewonnen. Das war für mich wieder ein Anzeichen, dass man gegen mich arbeitet und man mich auf keinen Fall mehr nach oben kommen lassen möchte."

Selbst Soliman habe Sturm als Sieger gesehen. "Er hat selber nicht geglaubt, dass er gewonnen hat und hat mir gratuliert. Für ihn war auch eigentlich klar, dass er verloren hat. Er konnte sein Glück auch nicht fassen. Ein ziemliches Durcheinander", führte Sturm aus.

Karriereende kein Thema

An einen Wechsel ins höhere Supermittelgewicht denke er nicht wirklich. Dies sei nur so "eine Idee von mir gewesen".

Dass er seine Karriere aber fortsetzt, ist für den gebürtigen Bosnier sonnenklar.

"Ich bin jetzt 34 und keine 44, ich habe noch einige gute Jahre vor mir", sagte Sturm, "der Kampf gestern wurde mir genommen, den habe ich nicht verloren. Das kommt leider immer öfter vor, was sehr schade ist, auch für die Fans. Ich werde auf jeden Fall weitermachen."

Ratlosigkeit nach der Niederlage

Direkt nach dem Kampf hatte er in einem mickrigen, trostlosen und völlig überfüllten Raum in den Katakomben der Düsseldorfer Arena noch vergeblich nach Antworten auf die brennenden Fragen nach seiner sportlichen Zukunft gesucht.

Statt seine Rückkehr auf den pompösen WM-Thron zu planen, musste sich der einstige Mittelgewichts-Weltmeister nach der Pleite gegen den Australier Sam Soliman damit beschäftigen, wie seine Karriere überhaupt weitergeht.

"Die Niederlage ist natürlich bitter. Das bedeutet für mich jetzt einen kompletten Neuanfang, aber es gibt noch viele Optionen. Die muss ich nun genau analysieren", sagte Sturm weit nach Mitternacht noch immer sichtlich enttäuscht, als er sein gezeichnetes Gesicht der interessierten Menschenschar präsentierte.

Danach ließ er seinen Kopf aber wieder hängen und schaute wie paralysiert auf den kleinen Bildschirm seines Smartphones.

Die Optionen gehen aus

Ob er dort erste Antworten fand, scheint eher unwahrscheinlich. Im Mittelgewicht, das dürfte dem früheren Superchampion klar sein, scheint es für Sturm vorerst keine Optionen mehr zu geben.

In der IBF-Rangliste ist er nach der Niederlage weiter abgerutscht, der WBA hat Sturm nach umstrittenen Urteilen den Rücken gekehrt.

Und in den Ranglisten der WBO und des WBC ist der 34-jährige Leverkusener nicht unter den Top 10 geführt. Alternativen?

Falscher Sieger verkündet

Denn der nur phasenweise hochklassige, aber über zwölf Runden spannende Fight gegen Soliman lieferte Diskussionsstoff.

Der deutlich aktivere Kämpfer war Soliman, die klareren Treffer landete hingegen Sturm. Zu allem Überfluss sorgte der erfahrene Ringsprecher Michael Buffer noch für Verwirrung, als er fälschlicherweise zunächst Sturm zum Sieger erklärte.

Einstimmig (116:111, 114:113, 114:113) sahen die Richter allerdings Soliman vorne.

Sturm gefasst, Sdunek fassungslos

"Das Urteil ist gesprochen, der Kampf war schwer zu punkten", sagte Sturm direkt nach dem Fight noch überraschend gefasst.

Sein Trainer Fritz Sdunek hingegen war fassungslos und konnte sich "die Entscheidung nicht erklären. Es ist fragwürdig, dass Felix die ersten vier Runden nicht gewinnt."

Hätte Sturm den perfekten Start in den Kampf fortgesetzt - in der zweiten Runde schickte er Soliman sogar auf die Bretter - wäre die Diskussion vielleicht müßig.

Boxen phasenweise eingestellt

Da Sturm ab der fünften Runde das Boxen aber phasenweise einstellte, ist das Urteil durchaus akzeptabel.

"Ich habe ihn angeklingelt und dachte, es kann schnell gehen", sagte Sturm.

Vom Boxen wollte er erstmal nichts mehr wissen: "In den nächsten Wochen mache ich Urlaub. Dann trainiere ich und schaue weiter. Aber die größten Boxer haben auch verloren, das ist Tatsache. Ich glaube an mich."

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