Johnathon Banks (r.) wurde von Klitschkos verstorbenem Trainer Emanuel Steward ausgebildet © imago

Klitschko stellt seinem Interims-Trainer eine Weiterbeschäftigung in Aussicht. Als nächster Gegner drängt sich ein Russe auf.

Von Martin Hoffmann

München - 425 Schläge hatte Wladimir Klitschko abgefeuert an den Kopf seines bemitleidenswerten Herausforderers. (BERICHT: Schlacht wie bei Rocky)

Entgegenzusetzen hatte der polnische Hüne Mariusz Wach außer seinen Nehmerqualitäten nicht viel, und doch schmerzte den Champion auch hinterher noch ein Hieb aus dem Wach-Lager.

"Da war ein Statement von Wachs Coach", erinnerte sich der weiterhin amtierende WBO-, IBF- und IBO-Weltmeister auf der Pressekonferenz nach dem Kampf: "Dass ich ohne Emanuel praktisch Geschichte bin. Das ist eine Unverschämtheit. Das hat mich sehr wütend gemacht."

Ein Misston, den Klitschko mit Juan DeLeon nicht mehr ausräumen konnte: "Leider kann ich ihm das nicht persönlich sagen, da das Team Wach verschwunden ist, nachdem ihr so lange auf mich warten musstet." ( 637555 DIASHOW: Die Bilder des Fights )

Kein Zeichen der Schwäche

Es war der bittere Nachgeschmack eines gewohnt erfolgreichen Kampfabends: Dass der Tod von Trainer Emanuel Steward, der am Dienstag beerdigt wird, für Psycho-Spielchen herhalten musste.

Klitschko tat zuvor, was er konnte, um alle Bedenken, dass er ohne Steward weniger wert sei, zu entkräften.

Er boxte versiert, dynamisch, routiniert und zeigte keine Anzeichen von den mentalen Schwächen, die ihm Steward einst austreiben musste.

Bleibt Banks Trainer?

Auch wenn all diese Erkenntnisse unter dem Vorbehalt stehen, dass er es mit einem limitierten Gegner zu tun hatte: Womöglich haben sich mit Klitschkos erstem Kampf nach Stewards Tod die Nachfolge-Debatten erledigt.

Am Samstag erledigte Johnathon Banks, nur 30 Jahre alter Steward-Schützling, den Trainerjob und sein Boxer deutete an, dass es dabei bleiben könnte.

"John hat einen hervorragenden Job gemacht", hielt der sechs Jahre ältere Klitschko zur Leistung seines ehemaligen Sparringspartners fest. Er schließt "nicht aus, dass ich mit ihm weiterarbeite".

"Ich muss ihn weiter glücklich machen"

Banks würde das auch gerne machen. "Ihr werdet mich auf jeden Fall auch im nächsten Trainingscamp als sein Coach erleben", sagt er dem "Hamburger Abendblatt": "Man hat doch gesehen, wie glücklich Wladimir ist. Ich muss ihn weiter glücklich machen."

Kommt es so, wären die Spekulationen über die Rückkehr von Fritz Sdunek an Klitschkos Seite obsolet.

Bleibt die Frage, wer Klitschkos ungebrochene Qualitäten überhaupt noch ernsthaft fordern kann.

Wach fordert keinen Rückkampf

Wach verzichtete nach der deutlichen Niederlage auf die bei Klitschko-Gegnern sonst standardmäßige Forderung nach einem Rückkampf.

Dschungelcamper David Haye ist von Wladimir schon besiegt und steht eher bei Bruder Vitali auf dem Zettel.

Marco Huck, der seine "Freundin Wladimir" kürzlich noch zu einem Kampf provozieren wollte, wird sich nach dem wenig überzeugenden Fight gegen Firat Arslan noch eine Weile im Cruisergewicht-Bereich beschäftigen müssen. (BERICHT: Zittersieg wirft Fragen auf)

Powetkin erster Kandidat

Der nächstliegende Gegner für Wladimir Klitschko dürfte eher der Mann sein, der Huck im Februar besiegte.

Der Russe Alexander Powetkin wird am häufigsten als Kandidat genannt: Er ist unbesiegt, solide beleumundet und Weltmeister - wenn auch nur aufgrund der Eigenwilligkeit des WBA-Verbands, der den eigentlichen Weltmeister Wladimir als über den Dingen schwebenden "Super-Champion" führt.

Eine Idee wäre übrigens auch ein Klitschko-Kampf gegen den eigenen Trainer: Johnathon Banks ist noch im Schwergewicht aktiv und steigt am kommenden Wochenende in Atlantic City selbst in den Ring.

Und er hätte durchaus Lust, weiter in Doppelfunktion als Boxer und Trainer zu wirken: "Soweit ich weiß, hat das noch niemand vor mir getan, deshalb wäre das eine tolle Herausforderung."

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