Mariusz Wach (r.) besiegte 2011 Mike Tyson-Bezwinger Kevin McBride © getty

Mariusz Wach verzichtet vor dem Klitschko-Kampf auf die branchenüblichen Beschimpfungen. Der Pole lässt lieber Taten sprechen.

Hamburg - Mariusz Wach ist ein Schweiger.

Der polnische Riese wähnt sich auf einer Mission, nur die Predigt spart er sich. Seine Worte sollen Taten sein.

Und das Ziel ist klar. Wach will die Box-Welt aufrütteln - mit einem Sieg über den Herrscher des Schwergewichts Wladimir Klitschko.

Dafür verzichtete der "Wikinger" sogar fünf Monate lang auf Sex, Alkohol und Süßigkeiten. Nichts soll ihn ablenken.

"Ich bin zu 100 Prozent vorbereitet und werde einen Kampf liefern, der lange im Gedächtnis bleibt", sagt Wach, der in seinem Auftreten an Iwan Drago aus dem vierten Teil der Rocky-Saga erinnert.

Seit dem 11. Juni bereitet sich der 32-Jährige in den USA und seiner Heimat auf diesen einen Moment vor, wenn er im Ring auf Klitschko trifft. Eine Zeit voller Entbehrungen.

Begleitung durch Papp-Klitschko

Nur zweimal besuchten ihn seine Verlobte Marta und sein Söhnchen Oliver (zwei Jahre) nach eigener Aussage im Trainingscamp. Statt Streicheleinheiten gab es nur Schweiß.

Um fünf Uhr klingelte der Wecker, dreimal Training am Tag verordnete ihm Trainer Juan DeLeon.

Immer dabei: Sein Pappkamerad Klitschko. Die Attrappe schaute ihm beim Essen über die Schulter, beim Training und sogar beim Schlafen. "So habe ich ihn immer gesehen, eine Art psychische Auseinandersetzung", sagt Wach, "er ist mein Freund geworden."

"Ich werde ihn ausknocken"

Wach ist ein höflicher Mensch. Im Gegensatz zu den letzten Klitschko-Herausforderern verzichtet der in 27 Profikämpfen noch Unbesiegte auf markige Sprüche.

Die branchenüblichen Beschimpfungen und Beleidigungen sind ihm fremd. Wach verleiht seinen Aussagen mit einer finsteren Miene Ausdruck.

"Ich bin ein echtes Schwergewicht. Ich werde Wladimir nicht in den Kampf kommen lassen, sondern von Beginn an unter Druck setzten", sagt Wach, der erst mit 26 Jahren sein Debüt im Profizirkus feierte, "er wird viele harte Treffer kassieren, bis ich ihn schließlich ausknocke. Ich werde der erste Schwergewichtsweltmeister aus Polen sein."

Wach größer als Klitschko

Und Wach, der ein Porträt seines Sohnes als riesiges Tattoo auf der Brust trägt, kann etwas, dass Klitschkos vorherige Gegner noch nie konnten: Er schaut auf den Champion herab.

Mit einer Größe von 2,02 m ist er nicht nur eine imposante Erscheinung, sondern auch vier Zentimeter länger als sein Gegner - dazu jünger und auch schwerer.

"Die Herausforderung für mich ist seine Körpergröße", sagt Klitschko, der seine WM-Gürtel der WBO, WBA und IBF aufs Spiel setzt, "er kann ganz gut draufschlagen. Aber es kommt darauf an, wie man die Größe nutzt."

Klitschko ist Favorit

Und so geht Klitschko, der nach dem plötzlichen Tod seines Trainers Emanuel Steward von seinem ehemaligen Sparringspartner und Steward-Lehrling Johnathon Banks betreut wird, natürlich als haushoher Favorit in den Ring.

Alles andere als ein klarer Sieg gegen Wach wäre eine Sensation. Denn der Herausforderer ist zwar noch ungeschlagen, aber auch ungeprüft.

Nur ein namhafter Gegner

Wach hatte in seiner Karriere bisher nur einen international bekannten Kämpfer vor den Fäusten. Im Juli 2011 besiegte er Kevin McBride, der zuvor den legendären Mike Tyson in Rente geschickt hatte.

Was imposanter klingt, als es ist. Tyson war da nur noch eine Karikatur seiner selbst.

Trotzdem glaubt Wach an den Erfolg seiner Mission. "Ich habe die Stärke und die Größe, aber auch das Herz, um zu gewinnen", sagt er. Der Rest ist Schweigen.

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