Mariusz Wach ist in 27 Profikämpfen bisher unbesiegt © getty

Klitschko-Herausforderer Mariuz Wach spricht im SPORT1-Interview über den Weg zum Profiboxen, seine Taktik und Trainingsreize.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Mariusz Wach gehört zu den "Langen" in der Schwergewichtsszene.

Mit 2,02 Meter überragt der Pole seinen Kontrahenten Wladimir Klitschko um vier Zentimeter und hat mit 2,08 Meter auch eine um zwei Zentimeter höhere Reichweite.

Erstmals in seiner Karriere muss Klitschko einen Gegner boxen, der ihn körperlich überragt. Wach ist sicher, dass das beim Titelverteidiger für Unbehagen sorgt. Darin sieht der Herausforderer auch seine Chance.

Im Ring will der 32-Jährige Geschichte nun schreiben und als erster polnischer Schwergewichts-Weltmeister in die Box-Annalen eingehen.

Vor dem Fight um die WM-Gürtel der WBO, WBA und IBF spricht Mariusz Wach im SPORT1-Interview der Woche über den Weg von Martial Arts zum Profiboxen, seine Taktik und besondere Trainingsreize. Und er erklärt, warum er "alles auf eine Karte setzt".

SPORT1: Sie sind erst mit 27 Jahren Box-Profi geworden. Warum erst so spät?

Wach: Als Jugendlicher habe ich mich für Martial Arts begeistert, und das habe ich dann gemacht, ebenso wie Kickboxen. Erst später bin ich dann zum Boxen gekommen und habe für die polnische Auswahl geboxt.

SPORT1: Sie sind dann in die USA gezogen, um sich weiterzuentwickeln. Wie kam es dazu?

Wach: Ich hatte bis 2011 bereits einige Kämpfe in den USA bestritten. Dann hatte ich unterschiedliche Ansichten mit meinem Management. Als dann das Angebot von Global Boxing kam, habe ich zugegriffen.

Manager Mariusz Kolodziej und Trainer Juan de Leon stoßen zum Gespräch hinzu.

SPORT1: Sie werden im Dezember 33, ihre beste Weltranglisten-Platzierung ist Rang 15 bei der WBO. Werden Sie sich noch einmal hinten anstellen, wenn Sie am Samstag verlieren?

Wach: Ich denke nicht ans Verlieren. Ich habe alles auf diese eine Karte gesetzt und bin ganz auf den Samstag fokussiert. Es gibt keine Pläne darüber hinaus.

De Leon: Mariusz wird auf den Punkt topfit sein. Wir haben nie darüber gesprochen was nach diesem Samstag passiert. Aber ich bin sicher, dass wir am Sonntag nach Polen reisen und dort einige Zeit groß feiern werden. Und danach müssen wir uns ja auf den Kampf gegen Vitali vorbereiten. Der wird sicher seinen Bruder rächen und die Gürtel in die Familie zurückholen wollen (lacht). Nein, im Ernst. Wir sind einzig und allein auf Samstag fokussiert.

SPORT1: Sie haben im Trainings-Camp das Gesicht von Wladimir auf den Boxsack geklebt. David Haye trug T-Shirts, auf denen die abgehackten Köpfe der Klitschkos abgebildet waren...

Kolodziej: Bevor Sie jetzt falsche Schlüsse ziehen: Das darf man nicht miteinander vergleichen. Mariusz ist ein Gentleman, so etwas wie Haye würde er nie machen.

Wach: Das stimmt. Das hat für mich wirklich nur psychologische Gründe. Das gibt noch mal einen Schuss mehr Motivation. Das habe ich aber auch schon vor früheren Kämpfen so gemacht.

SPORT1: Sie mussten in ihrer Karriere noch nie über zwölf Runden gehen. Ein Nachteil?

Wach: Auch wenn es in der Praxis bisher nie der Fall war, ich habe mich immer auf zwölf Runden vorbereitet. Sogar auf Kämpfe, die gar nicht über zwölf Runden angesetzt waren.

SPORT1: Was sind Ihre Stärken?

Wach: Das fragen Sie besser den Trainer.

De Leon: Er ist hungrig, euphorisch und ein harter Arbeiter. Außerdem ist er für seine Größe sehr beweglich. Sein ganz großer Vorteil ist, dass er drei Box-Stile beherrscht, den europäischen, den US-Stil, und seit ich ihn im Mai 2011 als guten und fertigen Boxer übernommen habe, habe ich ihm noch den puertoricanischen, lateinamerikanischen Stil beigebracht.

SPORT1: Sie haben bereits im Juni mit der Vorbereitung auf den Kampf begonnen. Wladimir hält das für zu lange und hofft für Sie, dass Sie nicht übertrainiert sind. Wie sah Ihr Programm aus?

Wach: Anfangs haben wir nur die konditionellen Grundlagen für zwölf Runden auf hohem Niveau geschaffen. Sparring folgte erst entsprechend später. Außerdem haben wir Wladimir immer wieder auf Video studiert. Wir kennen ihn genau so gut wie sein eigener Trainer oder sogar er selbst. Er kann uns nicht überraschen.

De Leon: Die Vorbereitung verlief optimal. Hier in Hamburg werden wir nur noch relaxen, und am Samstag wird Mariusz auf den Punkt genau vorbereitet in den Ring steigen.

SPORT1: Ist der Zeitunterschied zwischen Europa und den USA ein Problem?

Wach: Nein. Wir haben meinen Lebens- und den Trainings-Rhythmus der Zeit angepasst, in der der Kampf hier in Hamburg stattfinden wird.

SPORT1: Sie kämpfen gegen den Titelverteidiger in dessen Heimatstadt. Beides Vorteile für Wladimir. Können Sie überhaupt nach Punkten gewinnen?

Wach: Da werde ich schon sehr klar überlegen sein müssen. Ich werde den Kampf konzentriert angehen, von Runde zu Runde denken. Ich werde nicht ins offene Messer laufen, aber natürlich will ich ihn ausknocken, wenn sich die Chance ergibt. Er wird viel einstecken müssen. Meine Linke wird sich für lange Zeit in sein Gedächtnis einprägen.

De Leon: Freuen Sie sich auf einen großen Kampf. Mariusz wird den Ring auf jeden Fall mit erhobenem Haupt verlassen.

SPORT1: Das "Stare Down" nach der PK hat sehr lange gedauert, wurde sogar vom Klitschko-Management unterbrochen. Was haben Sie in den Augen von Wladimir gesehen?

Wach: Ich habe gesehen, dass er ein sehr erfahrener Boxer ist. Es waren weniger seine Augen, aber während wir uns gegenüberstanden, konnte ich fühlen, dass er verunsichert ist. Das war auch schon beim "Stare Down" nach der Pressekonferenz im August so. Bezeichnend auch, dass er das "Stare Down" fortsetzen wollte, nachdem das Plakat zwischen uns wieder entfernt worden war. Er weiß nicht, woran er mit mir ist.

SPORT1: Sie wollen erster polnischer Schwergewichts-Weltmeister werden. Die letzten polnischen Gegner der Klitschko-Brüder Tomasz Adamek und Adam Sosnowski hatten keine Chance. Warum sollte es Ihnen besser ergehen?

Wach: Für Sosnowski kam der Kampf meiner Meinung nach zu früh. Und nehmen Sie Adamek: Der kommt aus dem Cruisergewicht. Der Sprung ins Schwergewicht ist größer, als viele Cruisergewichtler denken. Das musste nicht nur Adamek, sondern auch im Cruisergewicht unangefochtene Kämpfer wie David Haye schmerzlich erfahren. Bei mir bekommt es Wladimir mit einem echten Schwergewicht zu tun. Und - wie Sie bereits sagten - ich werde der erste polnische Schwergewichts-Weltmeister.

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